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© UN Africa Renewal / Ernest Harsch | flickr CC BY-NC-SA 2.0

© UN Africa Renewal / Ernest Harsch | flickr CC BY-NC-SA 2.0. Titel: Cameroon celebrates its 50th anniversary

Zum Cinquantenaire Kameruns: Ausgewählte Slogans in der Kritik
von
Kathrin Tiewa
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Veröffentlichung: Mai 2011

 

Kamerun feierte als einer von 17 afrikanischen Staaten im Jahr 2010 das goldene Jubiläum seiner Unabhängigkeit. Eigentlich hat das Land zwei Unabhängigkeitsdaten, gefeiert wird jedoch an einem dritten Tag: Kamerun erreichte seine Souveränität in Etappen, nachdem es während des Ersten Weltkriegs zwischen Frankreich und Großbritannien aufgeteilt worden war. Am 1. Januar 1960 wurde der französische Teil staatsrechtlich eigenständig, der britische Teil blieb weiterhin Mandatsgebiet. Als der heute anglophone Teil Kameruns am 1. Oktober 1961 unabhängig wurde, vereinigten sich beide Landeshälften in einer Föderation. Diese wurde am 20. Mai 1972 aufgelöst, sodass Kamerun, unter Führung der damaligen Regierungsvertreter Präsident Ahmadou Ahidjo (République du Cameroun) und John Ngu Foncha (ehemals British South Cameroons), von einem Bundes- in einen Zentralstaat umgewandelt wurde.[1] An diesem Tag, der eigentlich als Nationalfeiertag an die Wiedervereinigung erinnert, wurde nun dieses Jahr der 50. Jahrestag der Unabhängigkeit gefeiert.

Allerdings kommentierten manche den Festtag durchaus kritisch: Ein historischer Moment, der der Kommemoration der Individuen hätte gewidmet sein können, die ihr Leben für die Unabhängigkeit ihres Landes ließen, wurde zu einer Feier der Regierungspartei umfunktioniert, so ließen es mich einige meiner Assistenten wissen.[2] Viele von ihnen sind deshalb der Meinung, die Feierlichkeiten hätten das Thema verfehlt, galt es doch eigentlich, das goldene Jubiläum der Unabhängigkeit zu feiern, und nicht, die Bevölkerung auf eine neue Amtszeit des Regierungschefs vorzubereiten.

Das kamerunische Cinquantenaire 2010 (möglicherweise ist noch eine Staatsfeier im kommenden Jahr 2011 anlässlich des Cinquantenaire der anglophonen Provinzen zu erwarten) wurde von vielen Spruchbändern und Postern begleitet, die die Bevölkerung auf das Ereignis aufmerksam machen sollten. Ein Großteil der Plakate wurde im Zentrum der Hauptstadt Yaoundé[3] aufgeklebt; aus anderen Städten, die für die Amtshandlungen der Regierung von eher peripherer Bedeutung sind, wie Dschang oder Foumban, wurde dagegen berichtet, dass kaum Plakate zum Jubiläum der Unabhängigkeit aufgestellt worden waren. Sogar in den Vororten Yaoundés (wie in Ngoumou oder Obala) waren schon keine mehr zu finden.[4]

Im Zentrum Yaoundés hingegen waren Plakate nicht nur an fast jeder größeren Kreuzung aufgestellt, sondern auch Banner mit Slogans über die Hauptstraßen gespannt: „Fünfzig Jahre Frieden, Stabilität und Fortschritt“, „Diversität ist unsere Stärke“, „Fünfzig Jahre Harmonie und Frieden in Diversität“, „Ein Volk, eine Nation, eine Zukunft“ oder „Heute Einheit und Frieden, morgen Wohlstand“[5] sind nur einige Beispiele für die Botschaften, die im Umfeld des Cinquantenaire im öffentlichen Raum der Hauptstadt zu finden waren.

Offenbar versuchte die Regierung, mit diesen Slogans die Bevölkerung anzusprechen und daran zu erinnern, dass vor fünfzig Jahren der damalige Präsident Ahmadou Ahidjo die Unabhängigkeit Kameruns ausgerufen hatte. Zugleich war das Cinquantenaire aber auch eine Plattform für ihre Wahlpropaganda, denn schließlich stehen 2011 Neuwahlen an. Anhand zweier Slogans, die im Rahmen der Feierlichkeiten zum goldenen Jubiläum Kameruns aushingen, möchte ich in ideologiekritischer Absicht einen Einblick in die soziopolitische Situation des Landes geben. Anstöße dafür bekam ich vor allem durch meine Forschungsassistenten,[6] die ihren Unmut über die Regierung oder aber ihr Einverständnis mit einzelnen Lesarten der Slogans in Interviews zum Ausdruck brachten.

 

1. „Fünfzig Jahre Frieden, Stabilität und Fortschritt“

Im Folgenden werden die einzelnen inhaltlichen Begriffe der Slogans genauer betrachtet. Kamerun ist eines der wenigen afrikanischen Länder, das nach der Unabhängigkeit keinen Bürgerkrieg oder Staatsstreich erlebte.[7] Wird Frieden im Sinne eines negativen Friedenskonzeptes verstanden, also als Abwesenheit von Krieg,[8] so kann diesem Teil des Slogans zugestimmt werden. Wird Frieden aber positiv definiert, so geht es auch um die Abwesenheit oder Beseitigung struktureller Gewalt, im Sinne etwa von sozialer Ungerechtigkeit oder personaler Gewalt.[9] Dass es in Kamerun jedoch häufig zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam und noch immer kommt, kann anhand zahlreicher Beispiele gezeigt werden, von denen an dieser Stelle nur eines erwähnt sei: Am 23. Februar 2008 gipfelte die Empörung kamerunischer Bürger/innen über die sich stetig verteuernden und nun für viele unbezahlbar gewordenen Grundlebensmittel sowie Benzin in einem Streik.[10] „Rathäuser standen in Flammen“,[11] Objekte und Fassaden wurden gewaltsam beschädigt und Geschäfte zerstört,[12] wodurch viele Händler ihre Arbeitsgrundlage verloren. Diese Situation stellte – in deutlicher Diskrepanz zum regierungsoffiziellen Slogan für das Cinquantenaire – eine Phase offensichtlicher Instabilität dar.

Auch ein Rückblick auf die Anfangsjahre der Unabhängigkeit zeigt, dass die kamerunische Geschichte nicht unbedingt von Frieden und Stabilität gekennzeichnet war. Als sich in der französischen Regierung die Einsicht durchsetzte, dass eine Unabhängigkeit Kameruns nicht zu verhindern sei, wurde 1958 beschlossen, dass (Französisch-)Kamerun am 1. Januar 1960 seine Unabhängigkeit proklamieren sollte. Diese Entscheidung war in einer Sitzung der Vereinten Nationen auf allgemeines Einverständnis gestoßen. Das Schutzgebiet sollte somit abgeschafft werden.[13] Im Vorfeld war 1955 die Oppositionspartei UPC (Union des Populations Camerounaises), die sich für „vollständige“ Unabhängigkeit von Frankreich einsetzte, verboten worden.[14] Trotz des Verbots agierte die Partei im Untergrund[15] und setzte sich weiterhin gegen eine Unabhängigkeit mit Frankreich[16] und für eine „wirkliche Souveränität“[17] ein. Als Antwort auf diese Oppositionspolitik wurde 1958 der Generalsekretär der UPC, Ruben Um Nyobé, ermordet. In den Jahren darauf folgten weitere Morde an UPC-Anhängern − ein sehr deutlicher Beleg dafür, dass die kamerunische Regierung (und Frankreich) ihre Macht gewaltsam ausübten und Frieden wie Stabilität abwesend waren.

Bezüglich des „Fortschritts“,[18] dem dritten Inhaltsbegriff des Slogans, können wir zunächst ganz pragmatisch von „Besserung“ bzw. „aufsteigender Entwicklung“[19] ausgehen. Forschungsassistent Flavien kommentierte: „Wenn man sich die Stadt Yaoundé anschaut, kann man vielleicht von Fortschritt sprechen. Es gibt neue Straßen, den Palais du Sport,[20] ein paar Dinge wurden umgesetzt. Ich weiß aber nicht, ob sich Fortschritt, für ein Land, das so reich ist wie Kamerun,[21] auf solche Dinge beschränken sollte.“[22] In der Tat werden regelmäßig Straßenarbeiten in Kameruns Hauptstadt durchgeführt. Erst wenige Tage vor dem Nationalfeiertag wurde die Hauptstraße zwischen dem Hilton-Hotel (der Residenz geladener Gäste) und dem Palais du Congrès, in dem die „Conférence de Yaoundé“ zum Thema „Africa 21“ vom 17.-19. Mai 2010 stattfand, saniert. Vermutlich war die Motivation, genau diese Strecke zu verbessern, die Tatsache, dass hohe Gäste, wie zum Beispiel der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, sie benutzen würden.[23] Andere Teile des Straßennetzes, die nicht auf der Hauptverkehrsachse des Präsidenten und seiner Staatsgäste lagen, blieben dagegen von Sanierungsarbeiten unberührt.[24]

Dazu Forschungsassistent Roger Nnouni:

„Als Paul Biya 1982 die Macht übernahm, sagte er in lauter und verständlicher Stimme, dass Kamerun ein Entwicklungsland sei. Doch viele Jahre danach sehen wir heute, dass Kamerun kein Entwicklungsland mehr ist, es ist ein sehr armes Land geworden, hoch verschuldet.[25] Ich sehe nicht, in welchem Rahmen wir hier noch von Fortschritt sprechen können – wir haben uns von einem Entwicklungsland zu einem armen und hoch verschuldeten Land entwickelt.“[26]

In seiner Ansprache zum Cinquantenaire am 17. Mai 2010[27] sprach Präsident Paul Biya von einem „Plan 2035“, der vorsieht, dass Kamerun in 25 Jahren ein „pays émergent“ sein wird. Biya konzedierte Rückschläge durch die Wirtschaftskrise, war aber dennoch zuversichtlich, dass Kamerun ein „aufstrebendes, demokratisches und in seiner Diversität vereintes Land“[28] werden könne. Er kündigte an, die Armut auf ein sozial verträgliches Niveau[29] zu senken und das Land zu industrialisieren; es habe die Ressourcen und sein Volk die Qualitäten, dieses Ziel zu erreichen. Zunächst solle aber ein Strategiepapier bis 2020 festlegen, wie die verschiedenen Schritte umgesetzt werden und welche Neuerungen konkret im Gesundheits-, Erziehungs- und Ausbildungssektor durchgeführt werden sollten.[30] Die Tatsache, dass Biya in 28 Jahren Regierungszeit nicht die gleichen Erfolge wie andere Länder verbuchen kann, die zur gleichen Zeit unabhängig wurden, deutete Emmanuel Hamani jedoch nicht als Versagen des Staatschefs, sondern kommentierte sie mit den Worten: „Entwicklung ist nicht eine Sache des Präsidenten, sie basiert auf den vereinten Kräften aller Kameruner.“[31]

Wie es für politische Slogans typisch ist, lassen sich Begrifflichkeiten wie „Fortschritt“ also unterschiedlich interpretieren. Der Slogan kann ebenso als Rückblick und Zusammenfassung bisheriger politischer Leistungen verstanden werden wie als Ansporn für zukünftige Projekte und als Durchhalteparole. Wörter sind „Schöntuer“,[32] „sie schmeicheln der Realität“,[33] wie einer meiner kamerunischen Gesprächspartner erklärte. Er bezieht sich dabei auch auf Wahlkampfversprechen, die der Präsident seit fast drei Jahrzehnten wiederholt. Emmanuel Hamani widerspricht dieser desillusionierten Aussage meines studentischen Informanten jedoch: er sagt, es sei der Wunsch jedes Staatschefs, sein Land auf den Weg der Entwicklung zu bringen, allerdings sei er für diesen Prozess nicht alleine zuständig, sondern lediglich der Koordinator der verschiedenen Tätigkeitsbereiche. Die Verantwortung für eine erfolgreiche Entwicklung trage jeder einzelne Bürger auf seiner Ebene.[34] Ein Rückblick auf „Fünfzig Jahre Frieden, Stabilität und Fortschritt“ weckt zunächst positive Erinnerungen, doch zielt der Slogan nicht nur auf die Feierlichkeiten der 50 Jahre Unabhängigkeit, sondern ist auch Teil des Wahlkampfs der Regierungspartei RDPC.[35] Slogans und Plakate sollen dabei dazu dienen, dem konkreten politischen System und dessen Akteuren Legitimation bei seinen Bürger/innen zu verschaffen.

 

2. „Ein Volk, eine Nation, eine Zukunft!“

„…Fordert dieses Plakat uns wirklich auf, ein Volk und eine Nation zu sein und haben wir eine Zukunft? Oder sagt es uns einfach, dass wir ein Volk und eine Nation mit einer Zukunft sind. […] Wenn es uns auffordert, finden alle Ethnien in Kamerun sich in der Verantwortung wieder, sich zu vereinen, aber wenn es uns nur sagt, dass wir ein Volk und eine Nation sind, dann täuscht es über die Realität hinweg, die es wirklich zu bekämpfen gilt.“[36]

Für diesen Slogan gibt es zwei gegensätzliche Lesarten. Zum einen kann man den Text als Feststellung betrachten, als Zusammenfassung der momentanen Situation, zum anderen kann man ihn aber auch als Aufforderung lesen, künftig einen größeren Zusammenhalt im Land und in der Bevölkerung zu erzielen. Als Aufforderung für die Zukunft trifft der Slogan auf Zustimmung, denn besonders im administrativen Bereich funktionieren in Kamerun viele Vorgänge auf der Basis ethnischer Zugehörigkeit und regionaler Loyalität.[37] Sollte er aber ein Spiegel der aktuellen Situation sein und diese in Worte fassen, wird er von der Mehrheit der Forschungsassistenten zurückgewiesen. Yvette Naoussi[38] erklärte das in einem Interview so: 

„Ich würde nicht sagen, dass es eine [Einheit] gibt. Die Einheit in Kamerun ist mehr tribalistischer Natur. […] Du wirst vielleicht unter den Bamiléké auf eine Einheit treffen, […] die Menschen aus der Centre-Provinz sind vereint, aus dem Norden […], aber die Einheit ist nicht so sehr der Zusammenhalt unter Kamerunern […]. Es gibt Leute, die sagen werden: ‚Es geht uns gut’, die aus der Centre-Provinz z. B., weil sie im Vorteil sind […]. Was die Menschen aus der West-Provinz gerne sagen, ist folgendes: ‚Ist mein Name Atangana,[39] so dass ich einen Wettbewerb gewinne?’ […] Sie [die aus der Centre-Provinz] werden vielleicht die Politik von Paul Biya verteidigen, andere werden sagen: ‚Nein, Paul Biya mit der Arbeitslosigkeit und allem’, sie arbeiten lieber, sie identifizieren sich mit der Situation. Es ist leicht für jemanden aus der Centre-Provinz, Arbeit durch seinen Namen zu bekommen. Jemand aus dem Westen hat es nicht leicht, also gibt es keine wirkliche Einheit. Es ist eher eine Einheit der Ethnie, aber nicht der Nation.“[40]

Kamerun verfügt über 279[41] Home Languages[42] und damit wohl über eine vergleichbare Anzahl an verschiedenen Ethnien. Als offizielle Sprachen sind sowohl Französisch als auch Englisch anerkannt, jedoch impliziert die Tatsache, dass der Staat offiziell bilingual ist, nicht, dass alle Individuen auch beider Sprachen mächtig sind. „[W]ir haben ein […] tribalistisches System, es gibt die Frankophonen und die Anglophonen, die zu Kamerun gehören. […] Die Anglophonen und die Frankophonen in Kamerun verstehen sich nicht“.[43] Der „Tribalismus“ wird also nicht nur inter-ethnisch wahrgenommen, sondern auch als Ethnien-übergreifende Spaltung oder Blockbildung im Sinne einer gesellschaftlichen Dichotomie von Anglophonen und Frankophonen. Zwar wirken die Sprachen der früheren Kolonialherren dergestalt in Kamerun fragmentierend und integrierend zugleich, die Einheit (unité) des kamerunischen Volkes jedoch, die vor allem von der Regierung in offiziellen Reden[44] explizit thematisiert wird, ist jedenfalls nicht einfach gegeben, sondern vielmehr schon seit Jahren politisch heftig umstritten.[45]

Wenn also die Existenz eines Staatsvolkes bezweifelt werden kann, stellt sich auch die Frage, ob es eine Nation gibt: „A nation is a collective of people united by shared cultural features (myths, values etc.) and the belief in the right to territorial self-determination”, außerdem „[g]roups of people linked by unifying traits and the desire to control a territory that is thought of as the group’s national homeland”.[46] Für den „Fall Kamerun” kann mit dieser Definition der Status einer Nation bezweifelt werden, denn die anglophon-frankophone Spaltung ist ein andauerndes Problem, welches sich zum „Anglophonen Problem”[47] mit entsprechenden Sezessionsbewegungen entwickelt hat. Auch einer meiner Informanten sagte mir, dass Kamerun seiner Meinung nach ein Staat sei, aber keine Nation.

Schon die koloniale Vergangenheit und der Weg in die 1960 respektive 1961 erlangte Unabhängigkeit der frankophonen und anglophonen Provinzen unterschieden sich deutlich.[48] Vor diesem Hintergrund fällt es schwer zu glauben, dass die Nationalhymne ein Symbol ist, welches die Nation vereint: Sie hat zwar nur eine Melodie, jedoch für den anglophonen und frankophonen Teil jeweils unterschiedliche Texte, deren Abweichungen nicht allein auf Übersetzungsunterschiede zurückzuführen sind; die Schlagworte „Frieden, Einheit, Vaterland, Fortschritt“[49] allerdings finden sich in beiden Versionen. 

Auch beim dritten Schlagwort „Zukunft“ gehen die Lesarten auseinander. „Ja, [dieser Slogan] ist ein Appell für die Zukunft, das ist sogar eine gute Sache, das fordert die Leute auf, das appelliert an ihr Gewissen, das führt die Leute dazu, in die Zukunft zu blicken und nicht in die Vergangenheit“.[50] Eine gemeinsame Zukunft mag an dieser Stelle für Kamerun kaum prognostiziert werden. Fragen nach einer möglichen politischen Veränderung nach den Wahlen 2011, nach der Durchführbarkeit des Plans „2035“, den Biya als Programm ausgegeben hat, oder danach, ob ethnisch motivierte Loyalitäten und Diskrepanzen eines Tages überwunden werden können, bleiben Gegenstand für Spekulationen. Die Anhänger der RDPC propagieren jedoch: „Seine Exzellenz Paul Biya, nur ein Wort: Machen Sie weiter!“[51]  

Interessant ist bei diesem Slogan die Triade des Wortes „ein“. Offensichtlich zielt dieses hier zunächst unscheinbare Wort genau auf die Problematik der Einheit in Kamerun ab. Es soll also dasjenige als Realität ausgeben und damit implizit befördern, was bislang gerade nicht als realisiert gelten kann: die „Unité“, unter deren Dach ein sich als Eins sehendes Volk zusammenwachsen, eine Nation werden und eine gemeinsame Zukunft anstreben soll.

 

3. Schlussbemerkungen

Anhand zweier Slogans, die im Rahmen der Feierlichkeiten zum goldenen Jubiläum der Unabhängigkeit Kameruns abgebildet wurden, sollten Einblicke in die sozio-politischen Realitäten des Landes gegeben werden. Gezeigt werden konnte, dass meist mindestens zwei Lesarten dieser Slogans existieren, von denen eine auf Zustimmung, die andere auf Ablehnung eines Großteils der Bevölkerung trifft. Beide werfen allerdings bei der Interpretation Fragen auf: Begrifflichkeiten wie „Frieden“, „Stabilität“, „Fortschritt“, „Volk“, „Nation“ und „Zukunft“ erfordern eine kritische Kontextualisierung, um den in ihnen zum Ausdruck gebrachten Anspruch der regierungsoffiziellen Verlautbarungen zu den gegenläufigen oder ambivalenten historischen und gegenwärtigen Facetten der kamerunischen Realität ins Verhältnis zu setzen.

Die meisten der von mir befragten Forschungsassistenten jedenfalls fühlten sich von den Slogans provoziert. Offensichtlich schwingen zwischen den Zeilen für sie überdeutlich der Name des Präsidenten Paul Biyas sowie die Referenzen auf die vergangene, aktuelle oder zukünftige Regierungsarbeit mit. Eine politisch realistische Alternative zu diesem Präsidenten jedoch gibt es in Kamerun derzeit offenbar nicht. Alle Gerüchte über mögliche Nachfolgekandidaten oder Wahlgegner werden von diesen vehement dementiert.

 

Literatur

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Anyangwe, Carlson, A Trust Betrayed: The Transfer of British Southern Cameroons to a Successor Colonialist (2005), in:  Ngonji Njungwe, Eric u. a. (Hg.), PICAM Progressive Initiative for Cameroon (2006), <http://www.picam.org/publications/independence-forum.htm> (Letzte Überprüfung am 11.09.2013, nicht mehr aktiv).

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Interviewpartner:

Ayangma, Flavien (Name geändert). Forschungsassistent. Interview am 23.05.2010, Yaoundé.

Dumbé, Celestin (Name geändert). Forschungsassistent. Interview am 28.05.2010, Yaoundé.

Hamani, Emmanuel (Name geändert). Universitätsprofessor Yaoundé I. Interview am 15.06.2010, Yaoundé.

Mbida, Dieudonné (Name geändert). Forschungsassistent. Interview am 25.05.2010, Yaoundé.

Naoussi, Yvette (Name geändert). Forschungsassistentin. Interview am 24.05.2010, Yaoundé.

Nnouni, Roger (Name geändert). Forschungsassistent. Interview am 23.05.2010, Yaoundé.

Ondoua, Benedict (Name geändert). Zeitzeuge. Interview am 30.05.2010, Yaoundé.

Zambo, Garcien (Name geändert). Forschungsassistent. Interview am 26.05.2010, Yaoundé.

 


[1] Vgl. Nnana, Marie-Claire (Hg.), Cameroun la marche héroique. Heroic Past, Challenging Future (= Sonderheft Cameroon Tribune), Yaoundé 2010.

[2] Während meiner Feldforschungen in Kamerun im Jahr 2010 arbeitete ich mit zehn hauptsächlich studentischen Forschungsassistenten zusammen, die verschiedene Städte des Landes bereisten und mir anschließend in einem ausführlichen Interview Einblicke in ihre Erfahrungen gewährten.

[3] Den Konventionen der Fachbereiche Ethnologie und Afrikanistik folgend wurde für diesen Artikel die französisch-kamerunische Schreibweise des Städtenamens gewählt.

[4] Dies berichteten meine Forschungsassistenten Roger Nnouni, Yvette Naoussi, Dieudonné Mbida und Garcien Zambo, die eigens für die Feierlichkeiten und deren Beobachtung in diese Orte gefahren waren.

[5] Alle Übersetzungen aus dem Französischen resp. Englischen stammen von der Autorin dieses Artikels.

[6] Die Namen aller Forschungsassistenten sind zur Anonymitätswahrung geändert.

[7] Vgl. Thomson, Alex, An Introduction to African Politics, Routledge London u. a. 2000. Emmanuel Hamani (Name geändert) sprach in einem persönlichen Interview am 15.06.2010 jedoch von einem vereitelten Staatsstreich am 6. April 1984. Zu dieser Zeit war der erste kamerunische Präsident Ahmadou Ahidjo auf Anraten seines Arztes, der mit Frankreich in engem Kontakt stand, bereits zwei Jahre von seinem Amt zurückgetreten. 1984 stellte er fest, dass er hintergangen worden war, und organisierte einen Putsch, um an die Macht zurückzukehren. Emmanuel bezog sich mit diesen Informationen ausschließlich auf Medienberichte, die er verfolgt hatte. Als Zeuge berichtete er von Schüssen und von der militärischen Übernahme diverser Radiosender. Die Armee Biyas konnte jedoch intervenieren und den Putsch vereiteln.

[8] Vgl. Eberwein, Wolf-Dieter & Peter Reichel, Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung, München 1976.

[9] Vgl. ibid. Mit der Kategorie der strukturellen Gewalt wurden in der Friedensforschung neue Problembereiche erschlossen (vgl. Eberwein/Reichel, Friedens- und Konfliktforschung, S. 38). Eine detaillierte Definition der Begrifflichkeiten ist an dieser Stelle nicht beabsichtigt, da sich der Argumentationsstrang auf die Interpretationen und Hintergründe der Slogans zum Cinquantenaire Kameruns konzentriert.

[10] Provoziert wurden diese Unruhen nicht zuletzt durch eine Verfassungsänderung, die Präsident Paul Biya zu seinen Gunsten vornahm, weil er auch im Wahljahr 2011 noch einmal für das Präsidentenamt kandidieren wollte. Infolge dieser Änderung wurde in der Littoralprovinz Kameruns auch ein Versammlungs- und Demonstrationsverbot verhängt, dem sich die Oppositionspartei SDF (Social Democratic Front) jedoch widersetzte. Tatsächlich lasten viele Bürger/innen die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen, die Korruption und die soziale Ungleichheit in der kamerunischen Gesellschaft der Regierung Paul Biyas an. Das offensichtlich überforderte Sicherheitspersonal setzte 2008 scharfe Munition, Tränengas und Wasserwerfer ein, um die Versammlungen aufzulösen. (vgl. Merkle, Isabell & Wiltraud von der Ruhr, Mit Mama Watas gegen Steine, in: Amnesty International Deutschland. Journal (2009), April, <http://www.amnesty.de/journal/2009/april/mit-mama-watas-gegen-steine> (letzter Zugriff 12.09.2013)).

[11] Flavien Ayangma, Interview am 23.05.2010.

[12] Vgl. ibid.

[13] Vgl. EDICEF (= Editions Classiques d'Expression Française) (Hg.), Champions en Histoire-Géographie CM2, Vanves 2004, S. 134.

[14] Nicht nur durch die offensichtliche Opposition gegen die Kolonialmächte und deren Entscheidungsapparate, sondern auch durch eine vermutete Verbindung der UPC mit kommunistischem Gedankengut war die Partei vor allem bei den Franzosen in Ungunst gefallen. In einem Interview sagte mir Benedict Ondoua (30.05.2010), Zeitzeuge, dass die Streitfrage „Unabhängigkeit ja oder nein“ nicht nur zur Frage der Unabhängigkeit wurde, sondern dass sich die Sowjetunion unterstützend hinter die Unabhängigkeitsbefürworter stellte und somit ein „West gegen Ost“ und ein „Kapitalismus versus Kommunismus“ provozierte. Auch wenn die UPC kommunistische Tendenzen vehement abstreitet, sieht mein Informant hierin den Grund für das Verbot.  

[15] Vgl. ibid. S. 135.

[16] Kritiker/innen argumentieren auch heute noch, es habe keine „echte Unabhängigkeit“ vom früheren Schutzherren gegeben. Sie werfen Frankreich Neokolonialismus vor, denn wichtige Institutionen wie z. B. Banken und die Währung seien abhängig von entsprechenden Institutionen in Frankreich.

[17] Vgl. Mack-Kit, Samuel (Hg.), Le 10 avril? UPC Kamerun Union des Populations du Cameroun (2009), <http://upc-kamerun.com/index.php?option=com_content&task=view&id=24&Itemid=38> (Letzte Überprüfung am 12.09.2013, nicht mehr aktiv).

[18] Eine Einbettung dieses Slogans in die Breite und Diversität postkolonialer Entwicklungsdiskurse in Afrika ist an dieser Stelle nicht intendiert. Im Fokus steht hier zunächst nur die Reaktion der Forschungsassistenten auf die von den Organisatoren des Cinquantenaire als bekannt vorausgesetzten Signalbegriff. 

[19] Vgl. Mackensen, Lutz & Else von Hollander, Das neue Wörter- & Fremdwörterbuch, Hamburg 1983. Der Larousse definiert „progrès“ als „fait d’avancer, mouvement en avant, progression“ (Jeuge-Maynart, Isabelle (Hg.), Éditions Larousse, Vélizy, <http://www.larousse.fr/encyclopedie/rechercher/progrès> (Letzte Überprüfung am 11.09.2013, Adresse: http://www.larousse.fr/encyclopedie/rechercher?q=progr%C3%A8s&t= (letzter Zugriff 12.09.2013)).

[20] Der Palais Polyvanlent des Sports wurde Kamerun von China geschenkt. Die Eröffnung fand im Jahr 2008 statt.

[21] Mit Reichtum sind hier vor allem Bodenschätze und Exportprodukte gemeint. Hierzu gehören Erdöl, Aluminium, Bauxit, Erdgas und Eisenerz. Aber auch Holz, Bananen, Kautschuk, Kakao und Kaffee werden in großen Mengen abgebaut und exportiert (vgl. Beese, Karin, Jennifer Lawonn & Juliane Roux (Hg.), Land und Leute (o.D.), <http://kamerun.ded.de/cipp/ded/custom/pub/content,lang,1/oid,7093/ticket...> (Letzte Überprüfung am 11.09.2013, nicht mehr aktiv). Hinzuzufügen wäre allerdings noch der enorme kulturelle Reichtum.

[22] Flavien Ayangma, 23.05.2010.

[23] Vgl. Comité National d’Organisation des Cinquantenaires de l’Indépendance et de la Réunification du Cameroun (Hg.), La Conférence de Yaoundé, <www.cameroun50.cm> (Letzte Überprüfung am 12.09.2013, nicht mehr aktiv).

[24] Emmanuel Hamani (Interview am 15.06.2010) widerspricht dieser Ansicht jedoch. Er bezieht sich auf den „Plan Quinquennau“, den Fünf-Jahres-Plan, der zu Ahidjo’s Zeiten (1960-1982) entwickelt wurde und vorsieht, im 5-jährigen Rotationsverfahren alle Sektoren u. a. mit den nötigen Instandhaltungsarbeiten zu versorgen. Emmanuel berichtet von sehr großen Fortschritten speziell im Straßenbau innerhalb der letzten fünf Jahre. Er sieht die Tatsache, dass alle Renovierungsarbeiten grundsätzlich mit den Straßen beginnen, die von Biya aus befahren werden, nicht allzu kritisch, denn ein Regierungschef müsse eben bestimmte Ehren genießen.

[25] Kamerun ist ein hoch verschuldetes Land – im Jahre 2008 lag die absolute internationale Außenverschuldung bei 3,1 Mrd. US-Dollar (Auswärtiges Amt, Kamerun: Wirtschaftsdatenblatt (2009), <http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Kamerun/Wirtschaftsdatenblatt_node.html> (letzter Zugriff 11.09.2013) . Im Gegensatz dazu betrug das BIP im Jahre 2008 rund 21,9 Mrd. US-Dollar (Auswärtiges Amt: Kamerun: Aussenpolitik, <http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Kamerun/Aussenpolitik_node.html> (letzter Zugriff 11.09.2013).

[26] Roger Nnouni, Interview am 23.05.2010.

[27] Der Zeitpunkt der Rede war für die Bevölkerung unvorhergesehen und überraschend. Experten vermuten, dass genau dieser Überraschungseffekt von Biya und seinen Beratern beabsichtigt war, um so zu verhindern, dass Wissenschaftler oder andere Personengruppen ihre Erwartungen an die Rede des Präsidenten im Vorfeld äußern. 

[28] „Entretemps, nous nous sommes dotés d’une vision de développement à long terme qui prévoit qu’à l’horizon 2035 le Cameroun pourrait être (je cite) ‘un pays émergent, démocratique et uni dans sa diversité’“ (Biya, Paul. 17.05.2010: Discours du Cinquantenaire, in: Prospective Nouvelle 63 (2010), Mai, S. 8-9).

[29] „…réduire la pauvreté à un niveau socialement acceptable…“ (Biya, Discours du Cinquantenaire, 2010).

[30] Vgl. Biya, Discours du Cinquantenaire, 2010.

[31] „Le développement, ce n’est pas l’affaire d’un président, c’est la conjonction des efforts de tout le Cameroun.“, Emmanuel Hamani, 15.06.2010.

[32] Dieudonné Mbida, Interview am 25.05.2010.

[33] Ibid.

[34] Interview am 15.06.2010.

[35] Rassemblement des Peuples Camerounaises.

[36] Flavien Ayangma, Interview am 23.05.2010.

[37] Mehler, Andreas, Kamerun in der Ära Biya. Bedingungen, erste Schritte und Blockaden einer demokratischen Transition, Hamburg 1993, hier S. 5, sagt hierzu: „Parteienpluralismus hat in der Vergangenheit ethnische Konflikte akzentuiert und könnte dies auch zukünftig tun. Tatsächlich deuten Wahlergebnisse aus den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren auf stark regional bestimmte Hochburgen der damals bestehenden Parteien Kameruns hin. Auch für die neu entstandenen Parteien bietet die Mobilisierung ethnischer Loyalität die einfachste Möglichkeit, eine Massenbasis zu gewinnen.“

[38] Yvette Naoussi, Interview am 24.05.2010.

[39] Atangana ist ein Name aus der Centre-Provinz.

[40] In Mehlers Worten (Mehler, Kamerun in der Ära Biya, 1993, S. 51) ist hinzuzufügen, dass „[d]ie brutale Repression einer spätkolonialen Guerilla mit regional (und daher ethnisch) identifizierbaren Schwerpunkten (Bassa/Bamiléké) und der blutige Putschversuch von 1984 […] als augenfälligste Anzeichen für ein hohes ethnisches Konfliktpotential angesehen [werden].“

[41] Lewis, M. Paul (Hg.), Ethnologue: Languages of the Word, <http://www.ethnologue.com/> (letzter Zugriff 11.09.2013).

[42] Die Terminologie wird in Anlehnung an Tiewa, Kathrin, Stadtsprachen im Südlichen Kamerun. Eine linguistische und soziolinguistische Analyse der Varietäten Cameroonian Pidgin English und Camfranglais, Magisterarbeit am Institut für Ethnologie und Afrikastudien Johannes Gutenberg-Universität Mainz 2009, verwendet.

[43] Celestin Dumbé, Interview am 28.05.2010.

[44] Zu nennen wäre hier zum Beispiel die Neujahrsrede Paul Biyas am 31.12.2009.

[45] Vor allem von Seiten der anglophonen Kameruner wird eine Einheit des Landes angezweifelt bzw. dementiert. Gründe hierfür liegen in der Hinterfragung der Rechtmäßigkeit des Volksentscheids von 1961, der Vertragsunterzeichnung zum Beitritt anglophoner Landesteile zur République du Cameroun ohne einen amtierenden UN Generalsekretär etc. (vgl. Yongbang, Arnold B., The Anglophone Problem in the Cameroons takes a dramatic Twist, in: Ngonji Njungwe, Eric u. a. (Hg.), PICAM Progressive Initiative for Cameroon (2006), <http://www.picam.org/publications/independence-forum.htm> (Letzte Überprüfung am 11.09.2013, nicht mehr aktiv); Aleambong Nkea, Emmanuel (2007): The Southern Cameroons Question in Terms of Article 20 of the African Charter on Human and Peoples Rights, in: Ngonji Njungwe, Eric u. a. (Hg.), PICAM Progressive Initiative for Cameroon (2006), <http://www.picam.org/publications/independence-forum.htm> (Letzte Überprüfung am 11.09.2013, nicht mehr aktiv); Anyangwe, Carlson, A Trust Betrayed: The Transfer of British Southern Cameroons to a Successor Colonialist (2005), in: Ngonji Njungwe, Eric u. a. (Hg.), PICAM Progressive Initiative for Cameroon, <http://www.picam.org/publications/independence-forum.htm> (Letzte Überprüfung am 11.09.2013, nicht mehr aktiv)). 

[46] Barrington, Lowell, „Nation“ and „Nationalism“: The Misuse of Key Concepts in Political Science, in: Political Science and Politics 30 (1997), H. 4, S. 712-716, hier S. 712f.

[47] Vgl. Konings, Piet, Anglophone university student and Anglophone nationalist struggles in Cameroon, in: Jon Abbink, & Ineke von Kessel (Hg.), Vanguard or Vandals. Youth, Politics and Conflict in Africa, Leiden u. a. 2005, hier S. 171.

[48] Die Erlangung der Unabhängigkeit der anglophonen Provinzen bleibt jedoch für viele Anglophone in trauriger Erinnerung, denn dieser politische Schritt trennte vorher zusammengehörende Landesteile per Volksentscheid. Der nördliche Teil verband sich mit Nigeria, der südliche mit Französisch-Kamerun.

[49] Ndongo, Jaques Fame, Ministre de l’enseignement Supérieur, L’Histoire de l’hymne national (o.D.), <http://www.youtube.com/watch?v=d00Ri6mtWbY&feature=related> (letzter Zugriff 11.09.2013).

[50] Garcien Zambo, Interview am 26.05.2010.

[51] „S.E. Paul Biya, un seul mot: continuez!“ Dieser Slogan wurde bei der festlichen Parade am 20. Mai von Defilanten der RDPC auf einem Banner am Präsidenten und all seinen geladenen Gästen vorbeigetragen.