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Studentendemonstration in Bonn, 1969

Studentendemonstration in Bonn, 1969. Demonstration für "Mehr Geld für die Uni" vor der Beethovenhalle, wo der Bundespresseball stattfindet. Bildnachweis: (Bild-00104546) Bundesregierung/Ludwig Wegmann

„Wir wollen mehr Demokratie wagen“ – Antriebskräfte, Realität und Mythos eines Versprechens
Wissenschaftliche Tagung der Willy-Brandt-Stiftung in Berlin (September 2017)
Hg. von
Wolfgang Schmidt und Malte Mau
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Veröffentlicht am 10. November 2017

Eine knappe Woche vor der Bundestagswahl veranstaltete die Willy-Brandt-Stiftung unter dem Titel Wir wollen mehr Demokratie wagen eine wissenschaftliche Konferenz (19./20. September) in Berlin.
In thematisch recht unterschiedlichen Panels und Vorträgen widmeten sich insgesamt zweiundzwanzig WissenschaftlerInnen der Geschichte einer Reformphase bundesdeutscher Politik im Verlauf der Kanzlerschaft Willy Brandts. Mit seiner ersten Regierungserklärung im Jahr 1969 und seinem politischem Bekenntnis zu mehr Demokratie setzte Willy Brandt die heute so genannte Fundamentalliberalisierung der Bundesrepublik in Gang.

Das Eröffnungspanel am ersten Konferenztag nahm jene Kräfte in den Blick, die bereits vor 1968/69 eine Modernisierung, Liberalisierung und Demokratisierung von Staat und Gesellschaft forderten. Das folgende Panel setzte sich mit den Problemen der Umsetzung der politischen Forderungen der sozial-liberalen Regierung auseinander und beschäftigte sich schließlich auch mit den realpolitischen Grenzen des Regierungshandelns.

Die innenpolitischen Reformen in der Bundesrepublik wurden zu Beginn des zweiten Konferenztages in einen globalen Kontext eingeordnet. Dabei war von besonderem Interesse, wie der Vergleich mit politischen Strategien anderer westlicher Staaten ausfiel und inwieweit andere Staaten als Referenzgesellschaften wahrgenommen wurden. Zu den wichtigsten Fragen des Panels gehörten nicht zuletzt jene nach den Auswirkungen bundesdeutscher Demokratisierungsbemühungen auf die Länder Ostmitteleuropas. Und schließlich sollte an diesem zweiten Konferenztag die Rezeptionsgeschichte der sozialliberalen Koalition der Jahre 1969 bis 1974 analysiert werden.

Im Rahmen der öffentlichen Podiumsdiskussion am letzten Konferenztag wurde danach gefragt, welche Bedeutung Brandts vielzitierter Satz in der Gegenwart hat.
Ist Wir wollen mehr Demokratie wagen schließlich zum unkalkulierbaren Risiko für die Demokratie geworden? Und wie kann der offene politische Diskurs im digitalen Zeitalter geführt und verteidigt werden?

Für eine Dokumentation der Tagung baten wir TeilnehmerInnen um Videointerviews.

Die Konferenz wurde von der Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung veranstaltet.
Zu den KooperationspartnerInnen dieser Veranstaltung gehören:

 

Beiträge

Alexander Gallus
Sehnsuchtsorte nonkonformistischer politisch-intellektueller Akteure in der Frühphase der Bundesrepublik Deutschland
Elke Seefried
Im Spannungsfeld von Demokratisierung und politischer Planung in der sozial-liberalen Koalition 1969-1974
Martina Steber
Deutsche und britische Konservative und das linke Demokratieprojekt
Frank Bösch
Der bundesdeutsche Umgang mit undemokratischen Staaten in den 1970/80er Jahren
Robert Brier
Menschenrechte, Ostpolitik und demokratischer Wandel in Mittel- und Osteuropa