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Das Hauptgebäude des Nationalmuseums in Warschau, Urheber: User Muzeum Narodowe w Warszawie, Eigenes Werk, GFDL, 2010 Quelle: Wikimedia Commons (CC-BY-SA-4.0)

Das Hauptgebäude des Nationalmuseums in Warschau
Urheber: User Muzeum Narodowe w Warszawie, Eigenes Werk "Muzeum_Narodowe_w_Warszawie.jpg", GFDL, 2010
Quelle: Wikimedia Commons (CC-BY-SA-4.0)

Verordnete Geschichte?
Zur Dominanz nationalistischer Narrative in Polen
Hg. von
Magdalena Saryusz-Wolska und Sabine Stach und Katrin Stoll
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Veröffentlicht am 19. Juli 2016

Seit dem Regierungswechsel in Polen im Oktober 2015 ist das Interesse für das Nachbarland in Deutschland wieder gestiegen, was nicht zuletzt am antidemokratischen Kurs der rechtskonservativen Regierungspartei "Prawo i Sprawiedliwość" (PiS) liegt. Viele Menschen stellen sich die Frage, ob sich Polen, das lange als „Musterland“ des Transformationsprozesses nach 1989 galt, in einen autoritären Staat verwandelt. Was sind die Ursachen für die antieuropäischen und antideutschen Töne, die von Seiten der Rechtskonservativen zu hören sind?

Die politische Krise lässt sich nicht ohne einen Blick auf den ethnisch homogen definierten Nationsbegriff, der im Raum der sozialen Interaktion und Kultur in Polen dominiert, verstehen. In Bezug auf die Frage, was das Wohl der Nation sei, schreibt sich die PiS die absolute Deutungshoheit zu. Als zentrale Legitimationsressource fungiert hierbei die Geschichte, deren „richtige“ Lesart die Regierungspartei derzeit mit einer politischen Offensive durchzusetzen versucht. Als Wissenschaftlerinnen, die sich am DHI Warschau im Forschungsbereich „Funktionalität von Geschichte in der Spätmoderne“ mit den individuellen und kollektiven Modi des Geschichtsgebrauchs auseinandersetzen, analysieren wir auch die Geschichtspolitik in Polen.

In unserem Themenschwerpunkt untersuchen wir die neuesten geschichtspolitischen Praktiken und erklären ihren Erfolg aus der Kontinuität nationalistischer Narrative im öffentlichen Diskurs. Wir vertreten die These, dass das Propagieren eines einseitig positiven, triumphalen, nationalistischen Bildes der Vergangenheit keineswegs ein Alleinstellungsmerkmal der neuen rechtskonservativen PiS-Regierung ist. Vielmehr greifen die Akteure auf altbekannte Motive der polnischen Geschichtskultur zurück – sowohl auf jene, die sie selbst in ihrer ersten Amtszeit von 2005 bis 2007 verwendeten, als auch auf solche, die viel tiefer in der polnischen Gesellschaft und Kultur verankert sind. Wie Geschichtspolitik in mehreren nationalistischen Gewändern daherkommt, wird anhand verschiedener Fallstudien gezeigt.

Beiträge

Katrin Stoll, Sabine Stach, Magdalena Saryusz-Wolska
Eine Einführung
Karol Franczak, Magdalena Nowicka
Eine Analyse des aktuellen rechtskonservativen Geschichtsdiskurses in Polen
Maria Kobielska
Embleme eines Erinnerungsbooms
Magdalena Saryusz-Wolska
Der visuelle Diskurs der rechtskonservativen Presse in Polen
Piotr Forecki
Filme über Polen, die Juden retteten

Interviews

Magdalena Saryusz-Wolska, Katrin Stoll, Andrzej Leder
Ein Interview mit dem polnischen Philosophen Andrzej Leder