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Bild: Siemens AG | Das Computersystem 'Siemens 2002' auf dem Stand von Siemens & Halske | um 1959 | Siemens AG, München/Berlin 

Hölle 17 – Treffpunkt der neuen Computerindustrie
Die Geschichte der CeBIT
von
Ralf Bülow
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Veröffentlicht: März 2015

 

Die CeBIT alias „Centrum für Büro- und Informationstechnik“ ist die weltweit größte Messe für Büro-, Informations- und Kommunikationstechnik und findet jedes Frühjahr in Hannover-Laatzen statt. Die erste eigenständige CeBIT öffnete 1986 ihre Tore, doch reichen ihre Wurzeln bis in die Gründungsphase der älteren hannoverschen Industrieausstellung zurück.

Die Messen in der niedersächsischen Landeshauptstadt bilden eine der großen Erfolgsgeschichten der westdeutschen Nachkriegszeit. Sie begann 1946, als die Militärregierungen der amerikanischen und britischen Besatzungszone mit ihren Wirtschaftsberatern Wege suchten, um in den Regionen, die am 1. Januar 1947 zum Vereinigten Wirtschaftsgebiet oder zur Bizone fusionierten, die Ausfuhr hochwertiger Waren anzukurbeln. Die Briten bemühten sich zunächst um eine Leistungsschau in Düsseldorf, doch das lehnten die dortigen Stadtväter ab. Man änderte die Planung, und nach Abstimmung mit seinem US-Kollegen, General Lucius D. Clay, ordnete der englische Militärgouverneur General Brian Robertson am 15. April 1947 eine Exportmesse in Hannover an. Die Eröffnung sollte schon am 15. August sein.

Der Termin wurde fast eingehalten: Die Messe startete am Montag, den 18. August 1947, in fünf Fabrikhallen, in denen zuvor 4.600 Arbeiter die Werkzeugmaschinen demontiert und alles für den neuen Zweck hergerichtet hatten. Zwei Tage zuvor wurde die Deutsche Messe- und Ausstellungs-A.G. Hannover-Laatzen mit einem Grundkapital von 1,2 Millionen Reichsmark ins Handelsregister eingetragen. Es beteiligten sich das Land Niedersachsen und die Stadt Hannover, die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer sowie Hamburg, Bremen und West-Berlin. Die Messe - ein Lichtblick im weitgehend zerstörten Hannover - zog bis zum 7. September 736.000 Neugierige an. Kaufen durften nur die wenigen ausländischen Besucher, doch am Ende vermeldeten die rund 1.300 Aussteller immerhin 1.934 Exportverträge über insgesamt 31,5 Millionen US-Dollar.  

Von jenen Ausstellern kamen 39 Unternehmen aus der Büroindustrie, die 1.000 Quadratmeter belegten. Bei der nächsten Exportmesse, die am 22. Mai 1948 startete, fanden sich schon 105 Bürotechnik-Firmen auf 3.000 Quadratmetern ein. Der Anstieg setzte sich in den folgenden Jahren fort; im Jahr 1949 kamen Aussteller aus der französischen Zone, ab 1950 – inzwischen war die Bundesrepublik Deutschland gegründet  – Firmen aus dem Ausland. Die Büroindustrie zeigte ein breites Spektrum von Waren, Schreib-, Rechen- und Buchungsmaschinen, Geräte zum Zeichnen, Kopieren und Vervielfältigen, Organisationsmittel und Büromöbel. Schon aus dem Jahr 1947 ist ein Stand der Addiator Rechenmaschinenfabrik aus Berlin überliefert, die kleine Zahnstangen-Addierer fertigte. In den 1950er und 1960er Jahren bot unter anderem die Nürnberger Diehl GmbH ihre halbautomatischen Vier-Spezies-Maschinen an, später folgten elektronische Tischrechner.


Büromaschinen auf dem Stand der Triumph-Werke Nürnberg in den 1950er Jahren.
Quelle: Deutsche Messe
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Im Jahr 1951 war die Messe-Premiere der deutschen Tochter von IBM. Die Internationale Büro-Maschinen Gesellschaft, wie sie sich damals nannte, baute noch keine Computer, sondern vor allem elektromagnetische Lochkartengeräte und zeigte auf 150 Quadratmetern außerdem Schreibmaschinen und Zeiterfassungsgeräte. 1958 glänzte auf dem IBM-Stand ein voluminöser Elektronenrechner, die IBM 305 RAMAC, die noch mit Vakuumröhren lief, aber schon einen tonnenschweren Magnetplattenspeicher besaß. Im Vorjahr hatte die Zuse KG, die 1949 gegründete Firma des Computerpioniers Konrad Zuse, ihren ersten Röhrenrechner Z22 vorgestellt. Siemens enthüllte 1959 den hochmodernen Transistorcomputer Siemens 2002, zu dessen Peripherie schon ein Monitor mit analoger Elektronik gehörte.

Computersystem Siemens 2002 auf dem Stand von Siemens & Halske, um 1960.
Quelle: Siemens AG
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Die alte Hannover-Messe – dieser Name wurde seit 1961 verwendet – war der erste Treffpunkt der neuen Computerindustrie. Die Digitalrechner teilten sich mit der übrigen Bürotechnik seit 1957 die zweigeschossige Halle 17. Computer und Lochkartenmaschinen befanden sich im Erdgeschoss, die kleineren und leichteren Rechen-, Buchungs- und Schreibmaschinen weiter oben. Das zunehmende Angebot lautstarker Locher und Drucker führte allerdings zu einer störenden Geräuschkulisse und der inoffiziellen Hallenbezeichnung „Hölle 17“. Insgesamt belegte die Bürowirtschaft unter den ausstellenden Branchen am Ende der 1950er Jahre, nach dem Maschinenbau und der Elektrotechnik, den dritten Rang. 

In den 1960er Jahren etablierte sich die Hannover-Messe als Symbol des deutschen Wirtschaftswunders und als globales Schaufenster der Industrie. „Hannover ist endgültig zur Weltmesse geworden“, jubelte Diether Stolze in der ZEIT vom 7. Mai 1965.[1] Der Konjunkturabschwung 1966/67 wurde schnell aufgefangen, und 1969 empfing die Messe 620.000 deutsche und 59.000 ausländische Besucher, die Stände auf einer Nettofläche – ohne Verkehrs- und Dienstleistungszonen – von 418.000 Quadratmetern besichtigten. Sonderschauen zu attraktiven Themen – hier tat sich Siemens hervor – sowie tägliche Fernsehberichte sprachen das Laienpublikum an.

Während bei den Großrechnern oder Mainframes ausländische Firmen dominierten, allen voran die IBM, hielten deutsche Hersteller bei kleineren Büromaschinen die Stellung und schufen eine neue Produktkategorie, die mittlere Datentechnik. Im Jahr 1965 zeigte Heinz Nixdorf einen mittelgroßen Transistorrechner, den seine Paderborner Firma, das Labor für Impulstechnik, entwickelt hatte und der von anderen Unternehmen unter ihren Labels verkauft wurde. Der Erfolg des Rechners und seiner Nachfolgemodelle verschafften Nixdorf das Kapital, um 1968 die in Köln ansässige Wanderer Büromaschinenwerk GmbH zu übernehmen und in die Nixdorf Computer AG umzuwandeln.

Die Kehrseite des florierenden Messegeschäfts war, dass der verfügbare Hallenplatz die Bedürfnisse der Firmen nicht mehr erfüllen konnte. Eine Zeit lang behalf sich die Messeleitung damit, einige Industriezweige im Wechsel ausstellen zu lassen, doch schließlich entschloss sie sich zu einer nachhaltigen Erweiterung. In zwei Sitzungen am 12. Dezember 1968 und am 14. Februar 1969 genehmigte der Aufsichtsrat der Deutschen Messe AG 24 Millionen DM für ein Elektronik-Gebäude und 58,8 Millionen DM für eine neue Riesenhalle der Bürowirtschaft. Bei der Namensfindung setzte sich „Centrum für Büro- und Informations-Technik“, kurz CeBIT, gegen „Centrum für Büro- und Organisationstechnik“ durch. Im Untergeschoss entstanden 2.000 Parkplätze und auf dem Dach 750 wabenförmige Fertighäuser für Besprechungen und Übernachtungen, sogenannte „Trelemente“. Die Ausstellungsfläche belief sich netto auf 52.000 Quadratmeter, die Bruttofläche entsprach zehn Fußballplätzen.


Die Messe aus der Luft: Halle 1 mit ihren „Trelementen“ liegt am unteren Bildrand.
Quelle: Deutsche Messe
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Als der im September 1969 gewählte Bundeskanzler Willy Brandt am 25. April 1970 die Hannover-Messe eröffnete, besuchte er beim Rundgang natürlich auch das CeBIT – damals wurde die Abkürzung noch sächlich dekliniert. In Halle 1 füllten 285 Hersteller der Informationstechnik 64 Prozent der Fläche; den größten Anteil hatte die Olympia Werke AG aus Wilhelmshaven, die ihr Datenerfassungssystem Multiplex 80 vorstellte. Die restlichen 36 Prozent belegten 350 Firmen für traditionelle Büroausstattung und Büromöbel. In der neuen Elektronikhalle fanden sich 400 Aussteller ein, die teils Mess- und Automatisierungstechnik, teils Bauelemente und Baugruppen zeigten.

In den 1970er Jahren endete das westdeutsche Wirtschaftswunder. Zu den  Ursachen gehörten neben dem Abschluss des westdeutschen Wiederaufbaus, der Nahostkrieg im Oktober 1973 und die nachfolgende Ölkrise. Im Sommer 1974 ging die westdeutsche Inlandsnachfrage spürbar zurück, und Anfang 1975 gab es in der Bundesrepublik über eine Million Arbeitslose. Der Abwärtstrend der Konjunktur spiegelte sich auch in der Statistik der Hannover-Messe wider. Zählte man 1973 noch 5.792 Aussteller, kamen 1974 nur 4.716 und im Folgejahr gerade einmal 4.028. Im Jahr 1976 war der Tiefpunkt überwunden, und es zog 4.826 Firmen nach Hannover. Die Zahlen von 1973 wurden aber erst 1983 wieder erreicht, als 5.850 Unternehmen ausstellten.

Das Angebot in der Büro- und Computerhalle 1 blieb von der Rezession und der langsamen Erholung verschont, und bald war die Ausstellungsfläche wieder zu klein. Versuche, die raumgreifenden Anbieter von Büromöbeln in eine andere Halle zu verlegen, scheiterten, weshalb diese Branche im Sommer 1974 beschloss, dem CeBIT Lebewohl zu sagen. Man traf sich stattdessen auf der Kölner Orgatechnik-Messe, die auch digitale Computertechnik zeigte. Am 19. Oktober 1976 startete die erste Orgatechnik neuen Stils auf 65.000 Quadratmetern Hallenfläche mit 477 Direkt- und 77 Unteraussteller. In Hannover setzte derweil die Bürotechnik den Aufschwung fort und Ende der 1970er Jahre wurde das CeBIT um die Halle 2 ergänzt; in den frühen 1980ern kamen Hallen 3, 4 und 18 hinzu. Im Jahr 1982 wuchs  das „Welt-Centrum der Büro- und Informationstechnik" auf 166.000 Quadratmeter an, die von 1.015 Firmen genutzt wurden. Im Durchschnitt reisten ein Drittel der Fachbesucher nur wegen des CeBIT-Angebots zur Messe.

Am 12. Mai 1978 brachte die „Computerwoche“ eine knappe Meldung über ein ungewohntes Exponat: „Dichtes Gedränge herrschte auf dem Hannover-Messestand der Firma Commodore: Wer die Attraktion des Basic-Tischcomputersystems ‚PET 2001‘ sehen oder sogar anfassen wollte, mußte energisch von seinen Ellenbogen Gebrauch machen. Immerhin: Nach allerhand Aufregung um Preise und Lieferzeiten garantiert das Neu-Isenburger Unternehmen jetzt eine maximale Wartezeit von sechs Wochen und einen Kaufpreis von 2.900 Mark.“[2] Das war vermutlich der erste CeBIT-Auftritt eines Mikrocomputers. Bis die große Welle der kleinen Computer gänzlich über Hannover hereinbrach, sollten allerdings einige Jahre vergehen. 1981 hatte sich zum Pionier Commodore erst eine Firma aus Kalifornien hinzugesellt, die ihren Apple II Europlus präsentierte. Später stieß noch Atari hinzu. 1983 zählte der SPIEGEL „rund 200 Personalcomputer“ auf der Messe.[3]

Die mittleren und großen Systeme dominierten damals noch, was man auch bei der „Momentaufnahme von der Hannover-Messe ‘83“ aus den Erinnerungen von Messemanager Max Walter Clauss spürt: „Dauerboom im CeBIT. Die einstige Chemiehalle 18 ist fest in japanischer Hand, einschließlich eines Software-Centers mit einem täuschend englischen Familiennamen. […] Nach dem Flimmerglanz der letzten Neuheiten an Personal- oder Heimcomputern wirkt die Riesenhalle 1 der professionellen Computer schon beinahe konservativ. Dort zog 1970 die Datenverarbeitung der vorigen Generation ein, mit NCR- und IBM-Deutschland, Honeywell-France, Hewlett-Packard-Schweiz neben dem stark expandierenden Nixdorf, Philips, Grundig, Triumph-Adler und vielen anderen Matadoren. Vom Großrechner bis zum Schreibtischgerät – ‚Computer-power am Arbeitsplatz‘ – reichen die Angebote […]. Die Software-Systemhäuser, darunter deutsche mittelständische Firmen in vorderster Front, sind als planende Gehirne der Computer-Szene voll im Geschäft für dezentrale oder hochintegrierte Anwendungen. Bei den Organisationsmitteln in der früheren Schmuck- und Uhrenhalle 2 sieht man auch Büromöbel wieder.“[4]

Das Messejahr 1984 brach alle Rekorde: 741.000 Quadratmeter, 6.610 Aussteller, 740.000 Besucher aus 119 Ländern. Bei den kleinen Computern war das CeBIT aber noch nicht das Maß aller Dinge, hier spielte die Musik in Köln. Auf der Orgatechnik im Oktober mietete Apple eine ganze Halle, in der sich an die 100 Händler, Softwarehäuser und Verlage tummelten. Die Konkurrenz murrte über die Lasershows, profitierte aber von der Apple-Aktion, wie die „Computerwoche“ im Oktober 1988 zu berichten wusste: „Die Stände von Commodore, Atari, Sinclair, Schneider und wie sie alle hießen, erlebten während der gesamten Messe einen wahren Belagerungszustand. Die aufgebauten PCs zum Testen und Spielen zogen die Jugendlichen magnetisch an, das Standpersonal war im Dauerstreß und fand nicht eine Minute Ruhe vor der Wissbegierde der jungen Freaks.“[5]

Um das Platzproblem zu lösen, kündigte im November 1984 die Deutsche Messe AG für das Frühjahr 1986 eine separate und jährlich stattfindende Computerschau an. Damit präsentierte die Hannover-Messe des Jahres 1985 zum letzten Mal Büro- und Computertechnik zusammen mit den übrigen Branchen. Insgesamt 1.300 Informatik-Aussteller auf 130.000 Quadratmetern trafen auf 293.000 Interessenten – die Gesamtzahl der Aussteller und Besucher betrug 7.000 bzw. 800.000. Die Abtrennung der Datenverarbeitung war also sinnvoll, trotz der teilweise heftigen Diskussionen unter den Ausstellern und in der Fachpresse.


Heinz Nixdorf 1985 im CeBIT mit Ministerpräsident Lothar Späth und Nixdorf-Vorstand Horst Nasko.
Quelle: Heinz Nixdorf MuseumsForum.

Am 12. März 1986 war es dann soweit: 2.142 Aussteller der Büro-, Informations- und Telekommunikationsbranche boten auf einer Nettofläche von mehr als 200.000 Quadratmetern ihre Produkte an (IBM hielt sich noch zurück und kam erst 1987). Die eigenständige CeBIT – jetzt weiblich dekliniert – lockte an acht Tagen 334.400 Besucher an, die 8 DM Eintritt zahlten, sofern sie nicht eine Freikarte zückten. Die Mikrocomputer wurden gebührend wahrgenommen. Es gab ein Computercamp für junge Besucher, und der Star bei den kleinen Systemen war der Commodore Amiga mit nie gekannten Grafikfähigkeiten. Überschattet wurde der Messetrubel durch den plötzlichen Tod von Unternehmerlegende Heinz Nixdorf am 17. März 1986 auf einer Veranstaltung seiner Firma.

Dramatisch war es bei der nächsten CeBIT, die als „SchneeBIT“ in die Geschichte einging. Zwei Tage vor Eröffnung fielen 50 Zentimeter auf Hannover, und auf den Straßen gab es kein Durchkommen mehr. Für zwei Millionen DM mobilisierte die Deutsche Messe AG sämtliche Bauarbeiter der Stadt, die das Gelände und die Zufahrten freiräumten. Zum Lohn kamen fast 400.000 Besucher. Der Aufwärtstrend setzte sich bis 1995 fort, als 750.000 Menschen die CeBIT stürmten. Die Messeleitung und viele Aussteller trauten aber den Privatbesuchern nicht so recht, denen sie ein übergroßes Interesse an Schnäppchen und Giveaways unterstellte, weshalb 1996 der Eintrittspreis erhöht und die CeBIT-Dauer verkürzt wurden. Außerdem hob man die Schwestermesse „CeBIT-Home“ aus der Taufe, die Privatanwender ansprechen sollte und 1996 und 1998 im Herbst stattfand.

Als Folge dieser Maßnahmen pendelten sich 1996 und 1997 die Besucherzahlen bei 600.000 ein, doch dann kletterten sie wieder und kulminierten in der Rekord-CeBIT 2001, die 830.000 Menschen und 8.015 Firmen nach Hannover brachte. Die Messe unter dem Motto „Get the spirit of tomorrow“ war die letzte unter der Verantwortung von Hubert-Helmut Lange, der seit 1978 als Vorstandsmitglied der Deutschen Messe AG das/die CeBIT betreute und die Schaffung der eigenständigen Computerschau maßgeblich vorangetrieben hatte.

Sei es als Nachwirkung des 11. Septembers oder als Folge des Platzens der Dotcom-Blase, ab 2002 kamen immer weniger Besucher zur CeBIT, und 2013 lag ihre Zahl mit 285.000 zum ersten Mal unter dem Wert des Startjahres 1986. Zum hohen Eintrittspreis kam eine weitere Verkürzung der Dauer, und 2013 kostete das Ticket für einen von fünf Messetagen 35 Euro im Vorverkauf. 2014 fanden sich bei einem Vorab-Eintrittspreis von 55 Euro noch 210.000 Menschen auf dem Gelände ein, das nicht mehr am Wochenende, sondern businessmäßig von Montag (10. März) bis Freitag (14. März) geöffnet war. Analog wird die diesjährige CeBIT vom 16. bis 20. März 2015 mit dem kryptischen Motto „d!conomy“ auf Besucher warten. Es lässt sich nicht bestreiten, dass die goldenen Jahre der weltweit größten Computerschau Vergangenheit sind. Dazu passt die Herausnahme der Halle 1, der Keimzelle der CeBIT, aus dem Messeangebot im Jahr 2008.    

Die allererste CeBIT eröffnete Bundeswirtschaftsminister Martin Bangemann, und auch danach ließen sich immer wieder gerne Politiker bei den Computern sehen. Die CeBIT 1990 starteten Postminister Christian Schwarz-Schilling und die niedersächsische Finanzministerin Birgit Breuel, 1992 erschien Wirtschaftsminister Jürgen Möllemann. Im Jahr 1993 schritten Bundeskanzler Helmut Kohl und die polnische Ministerpräsidentin Hanna Suchocka die Stände ab, 1999 folgte der frisch gewählte SPD-Kanzler Gerhard Schröder. Daneben sah man sportliche Prominenz, etwa 1986 Boris Becker und 2005 Superfußballer Ronaldo sowie unzählige Topmanager, allen voran Bill Gates, der 1995 seinen „Informations at your fingertips“-Vortrag hielt.

CeBIT 1999: Der CompuServe-Stand zeigt die Ankunft des Internets
CeBIT 1999: Der CompuServe-Stand zeigt die Ankunft des Internets.
Foto: Engebert Reineke, 18.03.1999, Hannover.
Quelle: Das Bundesarchiv, Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, B 145 Bild-00024293.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1970 hatte das bzw. die CeBIT Konkurrenz im In- und Ausland – wie die Kölner Orgatechnik. Von 1971 bis 2008 präsentierte sich in München die SYSTEMS, zu der in den besten Zeiten fast 150.000 Besucher pilgerten, und von 1979 bis 2003 zog die COMDEX in Las Vegas Computerprofis und Freaks an. Die gegenwärtig wichtigsten Mitbewerber dürften der 'Mobile World Congress' in Barcelona sein, wo im Februar 2015 alte und neue Entwicklungen der Mobilfunkbranche zu sehen waren, sowie die spätsommerliche 'Internationale Funkausstellung' in Berlin. Allerdings richtete die Deutsche Messe AG seit der Jahrtausendwende auch Schwester-CeBITs in Istanbul und dem australischen Sidney ein.


Ein Besucher der CeBIT 2013 staunt über einen ausgewachsenen IBM-Computer.
Foto: Ralf Bülow.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat sich die CeBIT gewandelt, nicht zuletzt durch die immer stärkere Dominanz der Themen Kommunikation, Software und Internet. Es gibt heute keine Computer mehr, zu denen man per Ellenbogen den Zugang erkämpft, und deutsche Hardware-Anbieter muss man mit der Lupe suchen. Wohin sich die Messe entwickeln wird, bleibt offen, es wäre sogar möglich, dass unter den Stichworten „Industrie 4.0“ und „Smart Factory“ noch Überraschungen bevorstehen. In der „Heise-Show“ der CeBIT 2013 sah der Computerjournalist Detlef Borchers die von Experten anvisierte vierte industrielle Revolution „als eine gute Gelegenheit, die CeBIT mit der Hannover-Messe zusammenzulegen“.[6] Falls das tatsächlich passieren sollte, werden wir uns wieder an das CeBIT gewöhnen müssen.




[1] Diether Stolze: Weltmesse Hannover, in: Die Zeit, 7.5.1965.
[2] Meldung: Dichtes Gedränge herrschte...., in: Computerwoche, 12.5.1978 [zuletzt 9.3.2015].
[3] Harakiri mit Anlauf. Jetzt drängen die großen Hersteller auf den Markt: Auch in Deutschland, so hoffen sie, wird sich der Kleincomputer durchsetzen, in: Der Spiegel, 20/1983, S. 73-78.
[4] Max Walter Clauss: Treffpunkt Zukunft. Die wirtschaftliche Entwicklung im Spiegel der Hannover-Messe, Düsseldorf 1984.
[5] Nach dem Rauswurf aus Hannover wählten die Büromöbelleute Köln als neuen Messeplatz, Teil 2: Mit Mikro und MDT wurde Orgatechnik zu nationalen DV-Messe aufgemöbelt, in: Computerwoche, 21.10.1988 [zuletzt 9.3.2015].
[6] Die Heise-Show – täglich live zum CeBIT-Schluss vom 5.3.2013 [zuletzt 9.3.2015].

Außerdem: Dieter Tasch: 40 Jahre Zukunft. Hannover-Messe von 1947 bis 1987, Hannover 1987.