Am 29. August 1992 griffen rechte Skinheads den zu diesem Zeitpunkt wohnungslosen Kunstmaler Günter Schwannecke auf einem Spielplatz in Berlin-Charlottenburg an und verletzten ihn so schwer, dass er eine Woche darauf starb. Dies ereignete sich nur wenige Tage nach dem Pogrom von Rostock-Lichtenhagen, als rechte Gewalt in der Bundesrepublik bedrohlich anstieg. Der Autor Christian Bangel benannte diese Zeit auf Twitter mit dem Hashtag „Baseballschlägerjahre“, das Schlagwort setzte sich zur Benennung der frühen 1990er Jahre durch, wodurch das Problem mehr Aufmerksamkeit erhielt.[1]
Günter Schwannecke wurde in den 1930er-Jahren in Braunschweig geboren. Nach der Schule erlernte er den Beruf des „Positivretoucheurs“. Durch ein Sonderbegabtenstipendium studierte er anschließend freie Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. Im Jahr 1965 wurde seine Kunst im Europa-Center in West-Berlin ausgestellt. In Berlin erlangte er eine gewisse Bekanntheit als Kunstmaler und konnte zeitweise von seiner Kunst leben. Nach seinem Tod beschrieb ihn ein Freund als Person, den das „Konventionelle“ störte und der alternativ leben wollte. 1991 oder 1992 entschied er sich dazu, ohne Wohnung zu leben. Er hatte zu dieser Zeit eine Unterkunft in Berlin-Charlottenburg, empfing Sozialhilfe und verdiente auch weiterhin mit Kunst etwas Geld dazu.[2]
Nach seinem Tod blieben die Tat und die Person Günter Schwannecke über viele Jahre vergessen. Dies hat sich mittlerweile geändert. Durch den Einsatz der Günter Schwannecke Gedenkinitiative wurde der Tatort im Berliner Ortsteil Charlottenburg in Günter-Schwannecke-Spielplatz umbenannt, ein Gedenkstein aufgestellt und eine Website mit Informationen zu Günter Schwannecke eingerichtet. Außerdem finden seit 2012 jährliche Gedenkveranstaltungen und Aufrufe am Jahrestag des Angriffs statt. Diese aktive Erinnerung setzte jedoch erst 20 Jahre nach seinem Tod ein und wäre ohne die Günter Schwannecke Gedenkinitiative nicht möglich gewesen. Das Todesopfer extrem rechter Gewalt in Vergessenheit geraten, geschieht häufig. Das Beispiel von Günter Schwannecke zeigt dabei, wie wichtig lokale Initiativen für ein aktives Gedenken sind.
Der Angriff und die mediale Aufmerksamkeit
Günter Schwannecke befand sich gemeinsam mit seinem Freund Hagen Knuth auf einem Spielplatz in Berlin-Charlottenburg. Ebenfalls dort anwesend waren Studierende aus Sri Lanka. Eine Gruppe Skinheads lief am Spielplatz vorbei und sah die Menschen aus Sri Lanka. Die Skinheads gingen zuerst weiter, zwei von ihnen kamen wenig später mit einem Baseballschläger bewaffnet zurück. Sie beleidigten die anwesenden Studierenden rassistisch und bedrohten sie. Günter Schwannecke und Hagen Knuth schritten ein und wurden deswegen zum erweiterten Ziel der Angreifenden. Diese attackierten die beiden Männer mit einem Baseballschläger und flüchteten anschließend. Das Gericht stellte in seinem Strafurteil fest, dass die Schläge nur von einem Täter ausgeführt wurden. Ob der Haupttäter die beiden Passanten als wohnungslos einschätzte, ist dabei unklar. Aussagen des Zweiten deuten jedoch darauf hin. Somit kann neben dem Einschreiten auch der in rechten Kreisen verbreitete Sozialdarwinismus als Angriffsmotiv angenommen werden. Günter Schwannecke starb schließlich am 5. September 1992 an den Folgen des Angriffs, Hagen Knuth überlebte schwerverletzt.[3]
Über den Angriff berichteten anschließend verschiedene Berliner Medien mit meist kurzen Meldungen. Größere Aufmerksamkeit erlangte der Strafprozess im Februar 1993 gegen Norman Z. Das Gericht klagte ihn als Haupttäter an, während es den anderen anwesenden Skinhead lediglich als Zeugen lud. Über den Prozess erschienen nun auch längere Beiträge. Darin ist bemerkenswert, dass einige vor allem den Täter fokussieren, während die Betroffenen häufig nur wenig Beachtung fanden. In einem Artikel der Berliner Morgenpost zeigt sich das beispielhaft: „Mit Schlips, weitgeschnittenem Hemd und modischer Hose würde Norman Z. (23) besser an einen Sparkassenschalter passen als auf das harte Holz einer Anklagebank. Doch in seiner Freizeit konnte Z. auch anders: Da lief er mit tarnfarbener Hose und Zwei-Millimeter-Frisur als Skinhead umher – und schlug am 29. August 1992 mit einer Baseballkeule einen Stadtstreicher tot, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor“.[4] Während der Autor den Täter detailliert beschrieb, wurde das namenlose Opfer nur mit der sozialdarwinistischen Abwertung als „Stadtstreicher“ beschrieben. Hagen Knuth fand in den Berichten gar keine Erwähnung.
Das Gericht verurteilte den Angreifer wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu sechs Jahren Haft. Jedoch erweckte das Urteil den Eindruck, dass der Angeklagte politisch uninteressiert sei und es sich deswegen um keine politische Tat gehandelt haben könnte. Diese Entpolitisierung fand statt, obwohl dem Gericht bekannt war, dass der Täter der Skinheadszene zuzurechnen war, an einem Gedenkmarsch für Rudolf Heß teilgenommen hatte und den Angriffen rassistische Drohungen vorausgingen.[5] Nach dem Ende des Prozesses geriet der Mord an Günter Schwannecke in Vergessenheit und fand keine weitere Aufmerksamkeit. Außerdem verschwand er von der Liste der staatlich anerkannten rechtextremen Morde nach einer bundesweiten Vereinheitlichung der Zählweise im Jahr 2001, nachdem er zu Beginn auf dieser noch aufgetaucht war.
Die Jahre ohne Aufmerksamkeit und Gedenken
Dass Günter Schwannecke in Vergessenheit geriet, steht sinnbildlich für viele weitere extrem rechte Morde in Deutschland, die kein öffentliches Gedenken oder eine Anerkennung erhalten. Mit Bezug auf eine Studie der Sozialwissenschaftler*innen Tanja Thomas und Fabian Virchow ist eine mögliche Erklärung für diese Entwicklung das Konzept der Basiserzählung. Die Basiserzählung im wiedervereinigten Deutschland bestehe daraus, dass die Bundesrepublik aus ihrer NS-Vergangenheit gelernt habe sowie dem daraus abgeleiteten Credo: „Nie wieder“. Rechte Gewalttaten stehen dieser Erzählung des „Nie wieder“ entgegen, da sie beweisen, dass es auch in der wiedervereinigten Bundesrepublik rechte Gewalt gab. Gerade deshalb erlangten sie selten öffentliche Aufmerksamkeit.[6] Neben dieser Erklärung für die fehlende Anerkennung kommt hinzu, dass Günter Schwannecke zum Zeitpunkt seines Todes wohnungslos war. Damit gehörte er zu einer gesellschaftlichen Gruppe, die ohnehin weniger Aufmerksamkeit erfährt und die über wenig politische Repräsentanz verfügt. Im Fall von Günter Schwannecke lässt sich ein öffentliches Interesse erst wieder im Jahr 2011 erkennen, als Marion Seelig, eine Abgeordnete der Linken eine kleine Anfrage stellte. Sie verfolgte mit ihrer Anfrage das Ziel herauszufinden, warum das Berliner Abgeordnetenhaus den Mord an Günter Schwannecke nicht als rechtsextremen Mord anerkannte. In der Begründung des damaligen Innenministers Berlins Frank Henkel (CDU) hieß es dazu, dass die Täter nur aus Lust an Gewalt handelten, eine politische Absicht sei nicht vorhanden gewesen.[7] Dies setzte die entpolitisierende Wirkung des Urteils auch fast 20 Jahre später fort.
Die Gedenkinitiative führt zur Anerkennung
Öffentlichkeit wurde dem Todesfall und der Person Günter Schwannecke erst im Jahr 2012 durch die Gründung der Günter Schwannecke Gedenkinitiative zuteil. Der Anstoß zur Gründung erfolgte durch einen Film über den NSU nach dessen Selbstenttarnung im Jahr 2011. Im Abspann wurden Namen von bekannten Opfern rechter Gewalt in Deutschland gezeigt, unter denen sich auch Günter Schwannecke befand. Da als Ortsangabe Berlin-Charlottenburg genannt wurde, der Name den späteren Initiator*innen jedoch nicht geläufig war, versuchten sie mehr über Günter Schwannecke und den Mord zu erfahren. In der Folge riefen sie ein Gedenkbündnis ins Leben, das sie als „ein breites antifaschistisches Bündnis“ beschrieben. An diesem ersten Treffen nahmen verschiedene Lokalpolitiker*innen sowie zivilgesellschaftliche Akteur*innen teil. In diesem Kontext sei der Vorschlag zur Umbenennung des Spielplatzes, auf dem Günter Schwannecke ermordet wurde, aufgekommen. In der Folge sei die Idee in die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) eingebracht und beschlossen worden. Da an dem Gedenkbündnis politische Akteur*innen beteiligt waren, konnte der Vorschlag reibungslos umgesetzt werden.
Außerdem sollte ein Gedenkstein errichtet werden.[8] Die Inschrift auf dem Stein, dessen Text ebenfalls aus dem Gedenkbündnis stammt, lautet: „Auf diesem Platz wurde der Berliner Kunstmaler Günter Schwannecke am 29.08.1992 Opfer eines tödlichen Angriffs durch Neonazis. Er starb, weil er Zivilcourage bewiesen hat. Er steht in einer Reihe ungezählter Opfer von neonazistischem Terror. Wir werden sie niemals vergessen.“[9] So wird Günter Schwannecke nicht auf seine temporäre Wohnungslosigkeit reduziert, die Inschrift betont hingegen, dass es sich bei dem Opfer um eine Person mit einer weitreichenden Biografie handelt. Außerdem steht Schwannecke damit in einer Reihe weiterer Opfer, denen in vielen Fällen kein Gedenken zuteilwird. Die Finanzierung des Gedenksteins erfolgte vor allem durch Spendengelder, für Beschädigungen am Gedenkstein sei in der Folge der Bezirk Charlottenburg aufgekommen. Neben der Umbenennung fanden zwischen 2012 und 2022 jährliche Gedenkveranstaltungen an diesem Ort statt. Indem man den Spielplatz umbenannte und eine Gedenktafel errichtete, wurde das Gedenken öffentlich und Teil des Alltagslebens der Menschen aus der Umgebung.
Ein solch abgestimmtes und entschlossenes Vorgehen ist nicht immer der Fall, wie das Gedenken an Nguyễn Văn Tú zeigt, der am 24. April 1992 in Berlin-Marzahn durch einen Neonazi aus rassistischen Motiven ermordet wurde. Obwohl es unmittelbar im Anschluss sogar eine Kundgebung mit 2000 Teilnehmer*innen gab, erhielt auch Nguyễn Văn Tú lange Zeit wenig öffentliche Aufmerksamkeit. Zwar gab es bereits 2007 einen Beschluss der BVV Marzahn-Hellersdorf einen Gedenkort zu errichten, dieser befand sich jedoch nicht am Tatort, sondern im Innenhof der Bezirksbibliothek. Initiativen warfen den Entscheidern vor, auf diese Weise das Gedenken aus der Öffentlichkeit fernzuhalten. Erschwerend kam hinzu, dass dort das Todesdatum und der Name des Opfers falsch angegeben waren. Neben der Bezirkspolitik setzten sich auch lokale Initiativen für einen öffentlichen Gedenkort ein. Mehrfach versuchten diese durch das Anbringen von Gedenktafeln am Tatort das aktive Gedenken möglich zu machen. Wiederholte Angriffe und Zerstörungen verhinderten dies jedoch. Seit Dezember 2023 gibt es einen von der Bezirkspolitik offiziell anerkannten Gedenkort, auch dieser geht auf den Einsatz lokaler Initiativen zurück. Sie wollten ursprünglich eine dauerhafte Tafel einrichten und reichten diese Idee bei einem Wettbewerb ein. Tatsächlich gewann der Vorschlag, sodass 15.000€ zur Verfügung standen. Verantwortlich war nun jedoch eine bezirkliche Kommission für Gedenkorte. Der eingerichtete Ort besteht seitdem aus zwei Steinen, in einem stehen der Name des Opfers und die Lebensdaten.
Doch auch dieser Ort ist öffentlicher Kritik ausgesetzt. Vietnamesische Communities in Marzahn beklagen, dass sie bei der Planung nicht einbezogen wurden. Auch die fehlende Einordnung in den Kontext der extrem rechten Gewalt wird beanstandet, da dies zu einer Entpolitisierung des Gedenkens führe. Deshalb kritisierte die Initiative die Politik: „Für euch Gewissenserleichterung, für uns kollektiver Schmerz“ und organisierte einen stillen Protest während der Einweihung. Die staatlichen Akteur*innen würden das Gedenken missbrauchen, um sich selbst besser darzustellen. Trung N. von einer Initiative vietnamesischer und vietnamesisch-deutscher Kulturschaffender sagte: „Das ist so einer Projektlogik gefolgt. Wir hatten den Eindruck, dass die Herangehensweise war: Hauptsache, es wird was gemacht“, und schildert weiter: „aber es braucht mehr Bündnisse für ein Gedenken von unten, das nicht in die dominanzgesellschaftliche deutsche Erinnerungskultur einverleibt werden kann.“[10] An diesem Zitat wird deutlich, welche Rolle die Initiativen einnehmen können. Sie ermöglichen ein Gedenken, das abseits von staatlichen Erinnerungsnarrativen abläuft und dafür die Sichtweisen und Perspektiven der Betroffenen stärker abbildet. Zum Gedenkort für Nguyễn Văn Tú sagte Trung N.: „Ich weiß nicht, ob ich, so wie das gelaufen ist, an diesem Ort gedenken kann. Das ist kein Denkmal für uns“.[11]
Beide Fälle eint, dass es erst der Einsatz von lokalen Initiativen war, der offizielle Gedenkorte am Tatort möglich machte. Ohne den Einsatz dieser Gruppen wäre es zu keinem Gedenken gekommen. Die Beispiele zeigen aber auch wie wichtig eine Zusammenarbeit gesellschaftlicher und politischer Akteur*innen ist. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ermöglichte eine reibungslose und erfolgreiche Umsetzung des Gedenkens und unterstützte die Gedenkinitiative an Günter Schwannecke in ihren Vorhaben und Botschaften. Die politischen Akteur*innen in Marzahn weigerten sich im Falle Nguyễn Văn Tús zuerst auf die Vorschläge der lokalen Akteur*innen einzugehen und agierten anschließend unabgestimmt. Angriffe auf das Gedenken gab es auch auf dem Günter Schwannecke Spielplatz, jedoch seltener als in Marzahn. So zerstörten Unbekannte die Metallplakette am Gedenkstein. Der Bezirk ersetzte sie anschließend. Die Gedenkinitiative hat keine Kenntnis über die Täter und Motive, geht jedoch von einem absichtlichen Angriff aus. Auch über Störungen einer Gedenkveranstaltung wird berichtet.[12] Durch das Beseitigen der Zerstörungen wird ermöglicht, dass das Gedenken an diesem Ort dauerhaft erhalten bleibt.
Weitere Erfolge der Gedenkinitiative
Durch das einsetzende Gedenken konnten auch ehemalige Weggefährten Schwanneckes erreicht und eine Biografie des Betroffenen erstellt werden. Die Informationen über Günter Schwannecke, Hagen Knuth und den Tathergang sind heute auf einer Website der Gedenkinitiative frei zugänglich. Wichtig war ebenfalls die Anerkennung Günter Schwanneckes als Todesopfer rechter Gewalt, womit die Gedenkinitiative eines ihrer zentralen Ziele erreichen konnte. Dies geschah im Zuge der Neubewertung der Einstufung von rechten Mordfällen durch das Land Berlin. Dem Vorausgegangen waren eine Studie von Wissenschaftler*innen der TU-Berlin. Während dieser Untersuchung kontaktierten die Durchführenden auch die Gedenkinitiative und bearbeiteten den Fall, indem sie auf die gesammelten Materialen zurückgriffen. Diese Anerkennung beschrieben die Gründer*innen der Initiative als wichtigen Baustein im Gedenken.[13] Durch die Umbenennung des Spielplatzes, der Errichtung des Gedenksteins und der erfolgten Anerkennung habe die Gedenkinitiative alle Ziele erreicht.[14]
Lokale Akteur*innen als Vertretung und wichtige Initiator*innen für das Gedenken
Besondere Bedeutung erhalten die lokalen und zivilgesellschaftlichen Akteur*innen vor allem dann, wenn die Opfer rechter Gewalt keine Lobby oder keine Hinterbliebenen haben, wie es bei dem wohnungslosen Günter Schwannecke der Fall war. In solchen Fällen ist ein Gedenken ohne Fürsprecher*innen, die die Vertretung der Betroffenen übernehmen, undenkbar. Dies bestätigt auch Paul Neupert vom Verein Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe. Der Verein habe nur die Kapazität sich mit der direkten Anzahl von Gewalt an wohnungslosen Personen auseinanderzusetzen. Um für die betroffenen Personen eine Biografie zu erstellen und ein Gedenken zu ermöglichen, sei die Arbeit von Initiativen von enormer Bedeutung.[15] Ein weiteres Beispiel stützt diese These. Der Mord an dem ebenfalls wohnungslosen Frank Bönisch in Koblenz, der sich ebenfalls in den Tagen nach den Ereignissen in Rostock-Lichtenhagen ereignete, weist eine ähnliche Struktur auf. Der Mord erhielt zunächst jahrelang keine Aufmerksamkeit. Durch einen anderen Mord in der Umgebung wurden Akteur*innen aus Koblenz auf Frank Bönisch aufmerksam. Durch den Einsatz der Initiative Kein Vergessen Koblenz konnte das Gedenken aktiviert werden. Heute findet sich an seinem Todesort ebenfalls eine Gedenktafel, die an ihn erinnert.[16] Auch bei Nguyễn Văn Tú sorgte der Einsatz von Initiativen dafür, dass es mittlerweile einen offiziell anerkannten Gedenkort gibt. Dieser Prozess verlief, wie in vielen weiteren Fällen, konfliktreich und stieß auf Widerstand in der Politik und bei Betroffenen.
Die Günter Schwannecke Initiative aktivierte das Gedenken an ein Todesopfer extrem rechter Gewalt. Seit zwölf Jahren finden Gedenkveranstaltungen statt und dem zuvor unbekannten Günter Schwannecke wurde Anerkennung und Aufmerksamkeit zuteil. Durch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit lokalen politischen Akteur*innen konnten offizielle Gedenkorte eingerichtet und eine staatliche Anerkennung erreicht werden. Ohne den ursprünglichen Aufruf durch die Initiator*innen und die aktive Mitarbeit am Gedenkprozess wäre dieser nicht zustande gekommen.
[1] Christian Bangel, #baseballschlägerjahre. Ein Hashtag und seine Geschichten, in: Aus Politik und Zeitgeschichte 49-50 (2022), S. 4-9.
[2] Günter Schwannecke Gedenkinitiative, Biographie. Kunst gegen das Konventionelle – Zivilcourage gegen Nazis, in: Günter Schwannecke Gedenkinitiative (zuletzt aufgerufen 22.11.2024).
[3] Dorina Feldmann et al., Klassifikation politisch rechter Tötungsdelikte. Berlin 1990 bis 2018, Berlin 2018, S. 75-77.
[4] Dietmar Treibner, Wer schlug zu? Keulen-Hiebe töteten Stadtstreicher, in: Berliner Morgenpost 16.2.1993, o.S.
[5] Dorina Feldmann et al., Klassifikation politisch rechter Tötungsdelikte, Berlin 1990 bis 2018, Berlin 2018, S. 79f.
[6] Tanja Thomas, Fabian Virchow, Doing Memory an rechte Gewalt in Medienkulturen. Grundzüge eines inter-disziplinären Forschungsstands, in: Mathias N. Lorenz et al. (Hrsg.), Rechte Gewalt erzählen, LiLi: Studien zu Literaturwissenschaft und Linguistik (Band 1), Wiesbaden 2022, S. 29-32.
[7] Marion Seelig, Kleine Anfrage der Abgeordneten Marion Seelig (LINKE) vom 05. Dezember 2011 (Eingang beim Abgeordnetenhaus am 05. Dezember 2011) und Antwort, Erfassung von Todesopfern rechter Gewalt in Berlin, Drucksache 17/10 032.
[8] Gründer*in der Initiative, Expert*inneninterview vom 24.5.2024, Berlin 2024, Minute 00:19-19:58.
[9] Gedenktafeln in Berlin, Günter Schwannecke, Braunschweig 6.7.1934 - Berlin 5.9.1992, in: Gedenkrafeln in Berlin (zuletzt aufgerufen: 22.11.2024).
[10] David Rojas Kienzle, Nguyen Van Tu: Umstrittenes Gedenken. Eine Skulptur in Erinnerung an Nguyen Van Tu sorgt für Kritik aus der vietnamesischen Community, Neues Deutschland 4.1.2024, (zuletzt aufgerufen 22.11.2024).
[11] Dominik Lenze, Nguyễn Văn Tú wurde 1992 von einem Neonazi erstochen. Marzahn gedenkt Opfer rechter Gewalt, Tagesspiegel 14.12.202 (zuletzt aufgerufen 22.11.2024); David Rojas Kienzle, Nguyen Van Tu: Umstrittenes Gedenken. Eine Skulptur in Erinnerung an Nguyen Van Tu sorgt für Kritik aus der vietnamesischen Community, Neues Deutschland 4.1.2024 (zuletzt aufgerufen 22.11.2024).
[12] Gründer*in der Initiative, Expert*inneninterview vom 24.5.2024, Min. 19:17-19:27.
[13] Diana König, S1F05. Ohne Lobby kaum erinnert – Günter Schwannecke, in: Tanja Thomas, Fabian Virchow (Mod.), Doing Memory, Min. 29:43-31:35 (zuletzt aufgerufen 22.11.2024).
[14] Gründer*in der Initiative, Expert*inneninterview vom 24.5.2024, Min. 39:34-40:18.
[15] Paul Neupert, S1F05. Ohne Lobby kaum erinnert – Günter Schwannecke, in: Thomas, Virchow (Mod.), Doing Memory, Min.: 21:22-21:54, 22:45-23:00, 25:05-25:15.
[16] Heike Kleffner, Mit langem Atem. Gegen das Vergessen und für die Anerkennung der Opferperspektive(n), in: Till Kössler, Janosch Steuwer (Hrsg.), Brandspuren, Das vereinte Deutschland und die rechte Gewalt der frühen 1990er-Jahre, Bonn 2023, S. 287.