von Susanne Quitmann, Samuel Lissner

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1. April 2017

Bevor die ersten Atombomben fertiggestellt werden konnten, mussten die Initiatoren des Manhattan Project, dem US-amerikanischen Atombombenentwicklungsprogramm, die Versorgung mit materiellen Ressourcen und ExpertInnen gewährleisten. Beides musste global organisiert und an den jeweiligen Produktionsstandorten der Bomben zusammengeführt werden. Die USA waren in der Lage, exzellente europäische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler[1] für das Projekt zu gewinnen. Außerdem erforderte der Atombombenbau den Zugriff auf Uranerze, welche über die kolonialen Rohstoffwege zwischen Afrika und den USA erworben werden konnten. Das Manhattan Project wurde so zum räumlichen Fluchtpunkt von Personal und Rohstoffen aus den verschiedensten Regionen der Welt.

Im Folgenden wird nach der globalgeschichtlichen Dimension der Beschaffung der beiden wichtigsten Ressourcen des Atombombenbaus gefragt: der Akquise der WissenschaftlerInnen und der Versorgung mit dem Rohstoff Uran. Woher und über welche Wege kamen sowohl WissenschaftlerInnen als auch der Rohstoff Uran zu den Standorten der US-amerikanischen Atombombenentwicklung? Welche Folgen hatte die Konzentration von wissenschaftlichem know how langfristig für die globale Entwicklung der Naturwissenschaften? Vollzogen sich Migration und Ressourcenbeschaffung über inter- und transnationale Kanäle der global vernetzten alten Welt von vor 1914? Oder wurden vielmehr im Kontext des Zweiten Weltkrieges neue Wege beschritten?

Lokale Konzentration von Expertise und Wissen aus aller Welt in den USA
(Susanne Quitmann)

In den 1930er Jahren war die US-amerikanische Kernphysikforschung im internationalen Vergleich von marginaler Bedeutung.[2] Der Erfolg des amerikanischen Atombombenprojekts hing maßgeblich von der Möglichkeit und Fähigkeit ab, bestehende transnationale Verbindungen – auf staatlicher Ebene ebenso wie zwischen einzelnen WissenschaftlerInnen – für nationale Ziele nutzbar zu machen. Dass dies im Manhattan Project gelingen konnte, beruhte unter anderem auf der Attraktivität der USA für europäische Flüchtlinge, auf der ökonomischen Potenz des Landes und der Bereitschaft in die militärische Atomforschung zu investieren. Paradoxerweise waren es neben den transnationalen Verbindungen letztendlich auch Geheimhaltung und Abschottung, die dem Projekt zum Erreichen seiner wissenschaftlichen, politischen und militärischen Ziele verhalfen.

Die nationalstaatliche Konzentration globaler materieller und immaterieller Ressourcen im Rahmen des US-Atombombenprogramms veränderte die naturwissenschaftliche Forschungslandschaft auf nationaler und internationaler Ebene nachhaltig. Das Programm setzte Dynamiken der Verflechtung ebenso wie der Abgrenzung in Gang, die neben den (Natur-)Wissenschaften auch Wirtschaft, Politik und Gesellschaft betrafen. Der Zweite Weltkrieg führte die naturwissenschaftliche Forschung von der auf persönlichen Verbindungen basierenden transnationalen Zusammenarbeit national organisierter WissenschaftlerInnen hin zu einer jeweils nationalen Abschottung der Forschung. In den USA führte der Krieg zudem zur Bündelung transnationaler Beziehungen und zur nationalen Konzentration globaler Ressourcen. Nach Kriegsende kam es, insbesondere in den USA, zu einer noch radikaleren Abschottung atomwissenschaftlicher Forschung. Erst Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre wurde die Nuklearforschung im Rahmen internationaler Kooperationen vorangetrieben, wobei man sich die Erfahrungen der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit zunutze machte: Internationale Forschungseinrichtungen wie die European Organization for Nuclear Research, bekannt als das CERN, ein Projekt, das heute 22 Mitgliedsländer hat, bildeten einen Gegenpol zu nationaler Geheimhaltungspolitik. Sie orientierten sich strukturell an dem im Manhattan Project entwickelten Big Science-Modell, ein Modell für wissenschaftliche Großprojekte, das auf Kooperationen zwischen verschiedenen Staaten sowie zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen setzt.

Persönliche Beziehungen als Basis des wissenschaftlichen Austauschs

Vor dem Zweiten Weltkrieg basierte ein grenzüberschreitender wissenschaftlicher Austausch vor allem auf Fachjournalen und auf der Grundlage persönlicher Beziehungen. Obwohl viele Regierungen während des Zweiten Weltkriegs den Wissenschaftsaustausch zunehmend einschränkten, wurde gerade das von der US-Regierung finanzierte Manhattan Project zu einem Knotenpunkt internationalen Wissenschaftstransfers von nie dagewesener Dichte: Im Québec Agreement vom August 1943 trafen die USA und Großbritannien im kanadischen Québec weitreichende Vereinbarungen über ihre Zusammenarbeit im Bereich der Atombombenentwicklung. Mit dem Québec Agreement wurde das bereits mit Kanada kooperierende britische Atombombenprojekt, das Tube Alloys Programm, in das Manhattan Project integriert.[3] Von Beginn der anglo-amerikanischen Kooperation im Jahr 1940 an hatten die in ihrer Forschung damals hinter den britischen KollegInnen zurückstehenden amerikanischen WissenschaftlerInnen von der Kooperationsbereitschaft der Briten profitiert. Die britischen WissenschaftlerInnen waren sich darüber im Klaren, dass ihrer Regierung die Mittel für ein erfolgreiches Atombombenentwicklungsprojekt fehlen.[4] Obwohl im Sommer 1941 zur Intensivierung des Austauschs auf beiden Seiten Partnerbüros eingerichtet wurden – das British Central Scientific Office im British Supply Council in Washington, DC, sowie das Liaison Office des American National Defense Research Committee in London – und die US-Forschung die britische bald überholt hatte, blieb der Informationsfluss asymmetrisch zugunsten der USA.[5]

Neben WissenschaftlerInnen aus Großbritannien und Kanada arbeiteten zahlreiche europäische EmigrantInnen am Manhattan Project. Viele waren über Umwege in die USA gekommen. So hatte  der aus Ungarn stammende Leó Szilárd zeitweise in Deutschland und Großbritannien gelebt, ebenso wie die beiden gebürtigen Deutschen Rudolf Peierls und Klaus Fuchs, die als Mitarbeiter der British Mission in die USA kamen. Weitere WissenschaftlerInnen stammten aus Italien, wie Enrico Fermi, aus der Schweiz, aus Russland oder auch aus der Tschechoslowakei.[6] Den USA kam zugute, dass im Rahmen der nationalsozialistischen Gleichschaltung durch Verfolgung, unterstützt durch innerfachliche Konkurrenzkämpfe, vor allem theoretische PhysikerInnen verdrängt wurden, die in den USA bis dahin stark unterrepräsentiert gewesen waren.[7] Die WissenschaftlerInnen aus Europa konnten bei ihrer Emigration auf etablierte Institutionen wie die Rockefeller Foundation zurückgreifen, vor allem aber auf bereits vorhandene persönliche Kontakte, die auch den neu entstehenden Organisationen wie dem Emergency Committee in Aid of Displaced Foreign Scholars zugute kamen.[8] Rudolf Peierls etwa hatte nach seinem Studium in Berlin und Leipzig 1932/33 ein Stipendium der Rockefeller Foundation für Aufenthalte in Rom und Cambridge erhalten. Im Jahr 1933 beschloss er, in Großbritannien zu bleiben, und nahm sieben Jahre später die britische Staatsbürgerschaft an. Enrico Fermi konnte, als er 1938 das faschistische Italien verließ, auf Stellenangebote zurückgreifen, die man ihm während der Sommerkurse des niederländischen Physikers George Uhlenbeck im US-amerikanischen Ann Arbor (MI) gemacht hatte.[9] Viele der am Manhattan Project beteiligten WissenschaftlerInnen profitierten nicht nur von Organisationen für die Unterstützung verfolgter WissenschaftlerInnen, sondern waren auch an deren Aufbau beteiligt. Leo Szilard hatte sich, noch bevor er selbst 1938 an die Columbia University kam, bemüht, verfolgten Kolleginnen und Kollegen Stellen im Ausland zu vermitteln. Daraus erwuchs das Academic Assistance Council (ab 1936 Society for the Protection of Science and Learning), deren erster Präsident der spätere Manhattan Project-Wissenschaftler Ernest Rutherford war.

Geheimhaltung statt Austausch, Sicherheit statt Wissenszuwachs?

Während das Manhattan Project für die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Zusammenführung der bisher auf geographischer Distanz basierenden transnationalen Zusammenarbeit und damit eine Arbeitserleichterung darstellte, sahen Militärs und politische Eliten vor allem Risiken für die nationale Sicherheit, Fragen des Patentrechts und, eng damit verknüpft, finanzielle Risiken und Fragen des nationalen Prestiges.[10] Die Bedeutung des Prestigestrebens wird am Beispiel des Project Silverplate für den Atombombentransport deutlich: Obwohl die Nutzung eines Bombermodells der britischen Royal Air Force zeit- und kostengünstiger gewesen wäre, bestanden die Generäle der United States Air Force darauf, ein amerikanisches Modell für den Transport der Atombomben umzurüsten.[11] Der britische Beitrag zur Entwicklung der ersten Atombombe wurde nicht zuletzt im öffentlichen Erinnerungsnarrativ und in der geschichtswissenschaftlichen Forschung marginalisiert.

Um die Sicherheit und Geheimhaltung des Projekts zu wahren, versuchte die militärische Leitung den Informationsfluss nach außen zu unterbinden. Zwar waren die Verbindungen der WissenschaftlerInnen zu KollegInnen außerhalb des Projekts für den Wissenstransfer nach innen unerlässlich, für die Geheimhaltung nach außen jedoch riskant. Für die am zentralen Forschungslabor und in den Konstruktionsstätten von Los Alamos Arbeitenden und ihre Angehörigen galt absolute Geheimhaltung. Es gab keine privaten Telefonleitungen, sämtliche Post wurde gegengelesen, Besuch durfte nicht empfangen und Reisen nur in Ausnahmefällen unternommen werden. Auch das Publizieren von Forschungsergebnissen, die aus dem Projekt hervorgegangen waren, war bis zu dessen Abschluss selbstverständlich verboten. Führende WissenschaftlerInnen in den USA hatten sich aber bereits im Sommer 1940 einer vom Leiter des National Defense Research Committee, Vannevar Bush, vorgeschlagenen freiwilligen Enthaltung von Publikationen militärischer Relevanz unterworfen.[12] Ein Publikationsstopp war auch von vielen der aus Europa in die USA emigrierten WissenschaftlerInnen gefordert worden. In Großbritannien scheiterte ein ähnlicher Versuch für wissenschaftliche Publikationen in Europa Anfang 1939, nachdem der französische Physiker Frédéric Joliot-Curie sich einem Publikationsstopp verweigerte und so seine wissenschaftlichen Konkurrentinnen und Konkurrenten unter Druck setzte, das Gleiche zu tun.[13]

Trotz der Einsicht, dass ein gewisses Maß an Geheimhaltung für die nationale ebenso wie die persönliche Sicherheit der WissenschaftlerInnen notwendig war, blieb die Balance zwischen militärisch notwendiger Geheimhaltung und wissenschaftlich unabdingbarem Austausch ein Streitpunkt zwischen militärischer und wissenschaftlicher Leitung des Manhattan Project. Vor allem die Beteiligung der vielen ausländischen WissenschaftlerInnen war dem Militär ein Dorn im Auge.[14] Selbst die Abwesenheit von Informationen konnte aber zur Information werden. So schloss man in sowjetischen Wissenschaftskreisen vom Ausbleiben amerikanischer Publikationen im Bereich der Kernphysik auf die Existenz eines militärischen Atombombenforschungsprogramms in den USA.[15]

Unmittelbar nach den Abwürfen der Atombomben auf Japan wurde im sogenannten Smyth Report die offizielle Geschichte der Atombombenentwicklung aus Sicht des Manhattan Project veröffentlicht. Der Smyth Report, der sich im In- und Ausland rasch verbreitete, definierte zugleich das Höchstmaß zulässiger Informationsweitergabe.[16] Informationen über die Auswirkungen der Atombomben in Hiroshima und Nagasaki wurden von der Manhattan Project Atomic Bomb Investigating Group und der Atomic Bomb Casualty Commission (ABCC) gesammelt, gegenüber der Öffentlichkeit jedoch ein Jahr lang geheim gehalten.[17] In Japan hielt die amerikanische Besatzungsmacht Informationen über Atombombenabwürfe und ihre Folgen noch wesentlich länger geheim.[18]

Das Ringen um Erbe und Zukunft in der Gestaltung wissenschaftlicher Praxis nach 1945

Die Zerstörung der Wissenschaftsstrukturen in Europa durch Nationalsozialismus und Krieg bei gleichzeitiger Monopolisierung von Wissen und Expertise in den USA führte zu einer dauerhaften Verlagerung des geographischen Zentrums der naturwissenschaftlichen Forschung von Europa in die USA. Während vor dem Zweiten Weltkrieg ein Studienaufenthalt an einer der großen europäischen Universitäten noch Teil jeder exzellenten naturwissenschaftlichen Ausbildung in den USA gewesen war, wurde das Land zunehmend selbst Ziel der Bildungsmigration.[19] In der Folge wurde Englisch zur globalen Wissenschaftssprache. Während englischsprachige Wissenschaftskulturen sich nun leichter in den globalen Forschungsdiskurs integrieren konnten, bedeutete die neue Sprachpraxis zugleich die Marginalisierung von bisher zentralen Gruppen.[20] Ende 1945 noch hatte Werner Heisenberg die Bedeutung der Wiederaufnahme internationaler Kooperationen für den Fortgang der deutschen Wissenschaft betont, doch fand gerade er sich in seiner Forschung während der folgenden Jahre zunehmend isoliert. Während viele seiner deutschsprachigen Kolleginnen und Kollegen bereits durch ihre Emigration zum Wechsel der Wissenschaftssprache gezwungen gewesen waren, publizierte Heisenberg weiterhin auf Deutsch.[21]

Um ihre 1945 erreichte Monopolstellung zu wahren, schottete die US-Regierung ihre Nuklearforschung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges mehr als je zuvor ab, nun jedoch auch gegenüber Großbritannien. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges konnte das Militär über das Kriegsende hinaus Einfluss nehmen auf die US-amerikanische Wissenschaftspolitik. Zentral dafür war, wie die amerikanischen Soziologen Gregory McLauchlan und Gregory Hooks zeigen konnten, der radikale Bedeutungswandel von Raum und Zeit in militärischen Kalkulationen durch die Atombombe: Innerhalb weniger Minuten konnten die beiden Supermächte mittels Langstreckenraketen praktisch jeden Ort der Welt erreichen und nicht nur diesen Ort, sondern die Welt als solches zerstören.[22] Internationale Kooperationen waren zudem mit hohen Kosten und Sicherheitsrisiken verbunden, wie etwa der Fall Klaus Fuchs zeigen sollte. Der deutsch-britische Physiker hatte bereits während seiner Zeit beim britischen Atomprojekt in Birmingham nicht nur Informationen aus dem britischen Programm an die Sowjetunion weitergegeben, sondern auch jene Berichte, welche die WissenschaftlerInnen des Manhattan Project regelmäßig an ihre Kollegen in Großbritannien geschickt hatten.[23] Das vom Krieg geschwächte Großbritannien hatte den USA der späten 1940er Jahre wenig zu bieten, und so überwog in den Kalkulationen der US-Führung das Sicherheitsrisiko gegenüber den geringen Gewinnen durch eine Fortführung der wissenschaftlichen Kooperation. Die Abschottung der USA wiederum setzte in Großbritannien eine Dynamik in Gang, die dort, ebenso wie in der Sowjetunion und Frankreich, zum Aufbau eines eigenen nationalen Atombombenprogramms führte. Nicht nur das britische – alle nachfolgenden Nuklearwaffenprogramme profitierten auf die eine oder andere Weise von dem im Manhattan Project generierten Wissen. Im Fall des britischen Atombombenprojekts waren es die unmittelbar am Manhattan Project beteiligten britischen Wissenschaftler[24], die ihre Kenntnisse mit zurück nach Europa brachten.[25]

Eine Öffnung und Internationalisierung der naturwissenschaftlichen Forschung wurde seitens der US-Regierung erst wieder forciert, als nach dem erfolgreichen Test der ersten sowjetischen Wasserstoffbombe und dem "Sputnik-Schock"[26] deutlich wurde, dass die Monopolisierung des Wissens gescheitert war und seine Kontrolle nationenübergreifende Lösungsansätze forderte. Der Atomic Energy Act of 1954 bereitete in den USA den Weg für zivile Nuklearforschung, die internationaler Kooperation naturgemäß offener war. Im Dezember 1953 hielt US-Präsident Eisenhower vor der UN-Generalversammlung seine „Atoms for Peace“-Rede, in der er für die Gründung einer internationalen Organisation zur friedlichen Nutzung von Atomenergie eintrat.[27] Institutionen wie die 1957 gegründete International Atomic Energy Agency (IAEA) traten in den folgenden Jahren zunehmend als administrative Gremien an die Stelle nationaler Komitees und zementierten auf diese Weise die transnationalen Verflechtungen.[28] Internationale Zusammenarbeit förderte nicht nur den Wissensaustausch, sondern ermöglichte überhaupt erst den Bau vieler der für die moderne Kernphysikforschung notwendigen Großanlagen.

Institutionen wie die IAEA ebenso wie die ihr nahestehenden internationalen Großforschungsprojekte profitierten ganz wesentlich von den im Manhattan Project gesammelten organisatorischen Erfahrungen. Im Manhattan Project wurden institutionelle und soziale Strukturen für wissenschaftliche Großprojekte erprobt, die sich in der naturwissenschaftlichen Praxis durchsetzen sollten: hierarchisch, aber kooperativ strukturiert, multidisziplinär und staatlich, aber in Kooperation mit der Industrie, finanziert.[29] Dieses Strukturmodell war das Ergebnis einer Fusion aus einer egalitären anglo-amerikanischen Wissenschaftskultur, dem deutschen Vorbild staatlich finanzierter Forschung und einer – auch durch den Einfluss der Migration – geänderten innerfachlichen Kommunikation. Bis heute wird die Organisation des Manhattan Project über die Kernphysik hinaus als Beispiel für sogenannte Large Technical Programs (LTP) herangezogen.[30]

Zwischenfazit: Das Manhattan Project als Zukunftsmodell

Der Erfolg des US-amerikanischen Atombombenprogramms lag in der Konzentration globaler Spitzenforschung, in der Akkumulation von praktischer Expertise, Technologie und theoretischem Wissen. Zu diesem Zweck wurden sowohl bestehende Verbindungen und Informationskanäle genutzt als auch neue geschaffen. Zum Teil war der Informationsfluss von beiden Seiten intendiert, wie im Fall der britisch-amerikanischen Kooperation, zum Teil, wie im Fall der Spionage von Klaus Fuchs, von nur einer Seite.

Die Vernetzung der Wissenschaft über Ländergrenzen hinweg war nicht neu – neu aber war deren Institutionalisierung unter der Federführung von einzelnen Staaten. Neu war auch die Reichweite der im Manhattan Project gewonnenen Erkenntnisse und die zerstörerische Kraft, die sich daraus entfaltete. Mit ihr sollte sich nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Rolle der WissenschaftlerInnen global verändern.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die internationale Vernetzung der naturwissenschaftlichen Forschung und deren Institutionalisierung, die bereits Anfang des 20. Jahrhunderts begonnen hatte, in der zweiten Jahrhunderthälfte weiter voranschritt. Trotz nationaler Abschottungstendenzen im Zweiten Weltkrieg und während des beginnenden Ost-West-Konflikts konnte die internationale Vernetzung, mit der Kernphysik in einer Vorreiterrolle, sogar eine neue Qualität erreichen, mehr als dies – wie beim Manhattan Project oder später beim CERN – im Interesse der nationalen Regierungen lag; sie waren es, die neben dem gesetzlichen Rahmen auch einen Großteil der finanziellen Mittel stellten.[31]

Der ambivalente Einfluss der Atombombenproliferation auf die globalen Strukturen der Nachkriegszeit
(Susanne Quitmann)

Nach der erfolgreichen Entwicklung der ersten Atombombe 1945 dauerte es nur drei Jahre, bis die USA ihre nukleare Monopolstellung verloren. Während US-amerikanische Geheimdienste vor und – noch strikter – nach 1945 um die Abschottung des eigenen Nuklearforschungsprogramms bemüht waren, arbeiteten sowjetische Geheimdienste daran, diese Barriere zu durchbrechen, so wie dies auch umgekehrt geschah. Während der „Eiserne Vorhang“ den offenen wissenschaftlichen Austausch verhinderte, konnte der transnationale Informationsfluss durch Spionage nie ganz unterbunden werden. Geheimdienste, die in nationalen Organisationsrahmen und für nationale Interessen arbeiteten, agierten über Grenzen hinweg und wurden so zu Agenturen der Abschottung ebenso wie zu Agenturen der Verflechtung.[32]

Die folgende Skizze zur Proliferationsgeschichte der Atombombentechnologie soll einen Einblick geben in eine vielfältig vernetzte Parallelwelt, in der transnationale Verbindungen im selben Maße geknüpft wurden, wie sie auf der Oberfläche gekappt wurden. Es ist aus diesem Grund nicht ganz korrekt, wenn die Historikerin Christine von Oertzen beschreibt, das mit dem Kalten Krieg „die Ära des Internationalismus unweigerlich zu Ende“ gegangen sei.[33] Exemplarisch wird zudem gezeigt, wie die nukleare Aufrüstung und deren Überwachung zur Entwicklung der US-amerikanischen Geheimdienste und zur Entstehung bi- und multinationaler Geheimdienstkooperation beitrug.

Das Manhattan Project als Mutter aller Atombomben

Um das US-amerikanische Atomprogramm auszuspähen, rekrutierte die Sowjetunion im Verlauf des Zweiten Weltkriegs zahlreiche AgentInnen. Die Spionage sollte es erlauben, ihr Atomprogramm mit weit weniger Ressourcen, als die USA sie benötigt hatte, durchzuführen. Als besonders wichtig für den waffentechnologischen Fortschritt der UdSSR wird in der aktuellen Forschung die Spionagetätigkeit Theodore Halls gesehen. Der junge amerikanische Physiker gab während seiner Arbeit im Manhattan Project detaillierte Informationen über den Aufbau der plutoniumbasierten Atombombe an die Sowjetunion weiter, wurde aus politisch-strategischen Gründen in den USA jedoch nie wegen Spionage verurteilt.[34] Auch die Atomprogramme Großbritanniens und Frankreichs, die beiden nachfolgenden Nuklearmächte, basierten auf dem Wissen aus dem Manhattan Project, weitergegeben von ehemaligen Mitarbeitern. Gleiches gilt für das israelische Atomprogramm. So reiste etwa Edward Teller zwischen 1964 und 1967 wiederholt nach Israel, um als Berater des dortigen Atomwaffenprogramms zu wirken. Auch Frankreich unterstützte Israels Atomprogramm durch Technologietransfers.[35] Die chinesische Regierung betonte zwar stets, die Atombombe unabhängig vom US-amerikanischen Nuklearprogramm entwickelt zu haben, profitierte aber nicht zuletzt indirekt über Technologieimporte aus der Sowjetunion. Ferner wurde dem taiwanesisch-amerikanischen Wissenschaftler und Mitarbeiter des aus dem Manhattan Project hervorgegangenen Los Alamos Laboratory Wen Ho Lee in den 1990er Jahren vorgeworfen, geheime Informationen über das US-Atomwaffenarsenal an die Volksrepublik China weitergegeben zu haben.[36] Auch das pakistanische Atomprogramm, das wiederum Quelle des iranischen, des libyschen und des nordkoreanischen Atomprogramms war, baute, wie im Folgenden gezeigt werden wird, auf Wissen aus Europa und den USA auf. [37]

Geheimdienste als Agenturen der Nationalisierung und Globalisierung von Wissen

Geheimdiensten kommt in dieser globalen Proliferationsgeschichte eine wesentliche Bedeutung zu. Sie arbeiten in einer Doppelfunktion gegen den Wissenstransfer nach außen und für den Wissenstransfer von außen nach innen. Sie wirken dadurch paradoxerweise sowohl als Agenten der „Nationalisierung“ als auch der „Globalisierung“ von Wissen. Da die Ressource „Wissen“ von einem einzelnen Träger beziehungsweise jeder einzelnen Trägerin prinzipiell in unbegrenzten Mengen weitergegeben werden kann, führte der Versuch der Wissensmonopolisierung durch US-Geheimdienste zu einem Prozess ständigen Scheiterns.[38] Statt eines Monopols entstand ein von Nationalstaaten und zunehmend auch inter- und supranationalen Institutionen sicherheitspolitisch definierter, globaler Wissensmarkt. Als klassische ökonomische Ware wurde das Wissen für die Atombombenentwicklung insbesondere vom pakistanischen Physiker A. Q. Khan etabliert. Durch sein Netzwerk machte er Wissen zur Ware und Pläne zu Produkten, die auf dem weltweiten Schwarzmarkt einen konkreten monetären Gegenwert hatten.[39] Das Ziel der Geheimdienste der USA und ihrer Verbündeten war es daher, die Kosten für die Wissensbeschaffung in die Höhe zu treiben. Bereits 1975 hatten die USA, die Sowjetunion, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Japan und Kanada als Reaktion auf den erfolgreichen Atombombentest Indiens die internationale Nuclear Suppliers Group (NSG) gegründet, um die Kontrollen für den Handel mit Nuklearprodukten zu verschärfen.[40]

Das 2003 aufgedeckte Proliferationsnetzwerk um A. Q. Khan, der Informationen und Technologien aus Europa für das pakistanische, libysche und nordkoreanische Atomprogramm bereitgestellt hatte, macht deutlich, welche Vielzahl globaler Verbindungen die nukleare Proliferation und deren geheimdienstliche Überwachung bis heute in Gang hält; staatliche und nicht-staatliche Akteure, Bildungsmigration, Entwicklungszusammenarbeit, zwischenstaatliche Konflikte und globale Wirtschaftszusammenhänge, aber auch internationale Geheimdienstkooperation kamen hier zum Tragen.[41] Die Identifizierung des Netzwerks um A. Q. Khan war der erste Erfolg der internationalen Proliferation Security Initiative (PSI).
Für den Ausbau ihres Geheimdienstes zu Beginn des Zweiten Weltkriegs orientierten sich die USA am britischen Vorbild. Während des Krieges gelang es den USA vor allem durch Rekrutierung europäischer Emigrantinnen und Emigranten, ein weltweites Informationsnetzwerk aufzubauen.[42] Jeder Schritt in der US-amerikanischen Geheimdienstentwicklung regte zugleich die Aktivitäten fremder Geheimdienste an, besonders des sowjetischen. Der Zweite Weltkrieg und später der Ost-West-Konflikt beförderten, insbesondere in der Atomspionage, die Kooperation der anglo-amerikanischen Geheimdienste und prägten deren „Special Relationship“.[43] Nachdem die USA sich vor dem Krieg Anregungen für den Aufbau ihres Geheimdienstes aus Großbritannien geholt hatten, wurde nun zur Optimierung der Zusammenarbeit das britische Spionagewesen analog zum amerikanischen organisiert. Die Notwendigkeit zur Kooperation, in die in den 1950er Jahren auch Kanada und Australien eingebunden wurden, ergab sich auch, wie der Spionagefall Fuchs deutlich macht, aus den Migrationsbewegungen unter Wissenschaftlern sowie aus der britisch-amerikanischen Kooperation in der Nuklearforschung.
Ein Beispiel für die enge Kooperation ist die gemeinsame Alsos Mission, eine Geheimdienstoperation, die vor allem der Untersuchung deutscher Tätigkeiten im Bereich der Atombombenforschung dienen sollte. Durch die anglo-amerikanische Kooperation im Rahmen dieser Mission konnten auch die USA die geographische Lage Großbritanniens und seines Empires nutzen: Zunächst in London beheimatet, konnte die europäische Zentrale der Alsos Mission Mitte September 1944 rasch nach Paris verlegt werden, um von dort Kontakte zu dem die Uranminen in Belgisch-Kongo betreibenden belgischen Unternehmen zu knüpfen.[44] Über den Commonwealth erstreckt, konnte Großbritannien – zusätzlich zu den US-amerikanischen Stationen in Westeuropa – ein breites Netz an Messstationen aufbauen, um sowjetische Atomwaffentests zu registrieren.[45] Die bei solchen Kernwaffentests in die Erdatmosphäre ausgestoßene Radioaktivität zeigt eine weitere Facette der globalen Dimension der Atomwaffenentwicklung.
Die Unterschätzung des sowjetischen Atomprogramms durch die US-Geheimdienste war einer der Gründe, weshalb die erst kurz vor dem ersten sowjetischen Atombombentest 1949 gegründete CIA schon ab 1950 um- und ausgebaut wurde.[46] Beim Thema Atomspionage fand schließlich die Hysterie der amerikanischen Behörden der McCarthy-Ära ihren stärksten Ausdruck. Die 1953 wegen Atomspionage für die Sowjetunion verurteilten Eheleute Rosenberg sind bis heute die einzigen ZivilistInnen, die zum Tode verurteilt wurden.[47] Die Anhörungen des der Spionage bezichtigten Robert Oppenheimers wiederum wurden zum Austragungsort interner Konflikte der Wissenschaftscommunity, unter anderem über die Entwicklung einer Wasserstoffbombe.[48] Dem US-Historiker Michael Warner zufolge war es das umfangreiche Geheimdienstsystem, das den beiden Großmächten die sicherheitspolitische Grundlage für Abrüstungspolitik und Non-Proliferationsvereinbarungen bot.[49]

Zwischenfazit: Die Entstehung vernetzter Parallelwelten

Aufgabe der WissenschaftlerInnen des Manhattan Project war es gewesen, neues Wissen zu generieren. Für die nachfolgenden Atombombenprogramme dagegen waren WissenschaftlerInnen besonders dann von Bedeutung, wenn sie Zugang zu bereits vorhandenem Wissen hatten. WissenschaftlerInnen wurden Wissensträger – als Spione und Spioninnen ein Sicherheitsrisiko, als InformantInnen eine begehrte Ressource. Durch nationale Geheimhaltungsbestrebungen wurde der transnationale Austausch freier Wissenschaft behindert, und schnelle Fortschritte in der Atombombenentwicklung waren zunehmend abhängig von erfolgreicher Spionagetätigkeit[50] und damit dem Versuch, wissenschaftlichen Informationsfluss zumindest in eine Richtung offen zu halten. Diese Dynamik beförderte und prägte, hier dargestellt am Beispiel der USA, den Ausbau nationaler Geheimdienste und deren internationaler Kooperation. So entstand mit der Proliferationsgeschichte der Atombombentechnologie eine eng vernetzte Welt der Geheimdienste, die nationale Abschottungstendenzen untergrub.

Die Ressourcenbeschaffung für den Atombombenbau – ein Take-Off ins Uranzeitalter?
(Samuel Lissner)

Aus wirtschaftshistorischer Perspektive hat sich die Forschung zur Geschichte der Atombombenabwürfe von 1945 vor allem den technischen und betriebswirtschaftlichen Bedingungen des Produktionsprozesses gewidmet. Am Rande wurde auch die Frage der Rohstoffbeschaffung beschrieben und diskutiert, inwieweit die enormen Kosten dieser Beschaffung die Entscheidung hätte beeinflussen können, die Bomben tatsächlich einzusetzen. Inwieweit sich die Produktion der Bombe auf die Entwicklung der Weltwirtschaft ausgewirkt hat, scheint jedoch von geringerem Interesse für die historische Forschung zu sein.[51] Im Folgenden wird diskutiert, ob und inwiefern sich strukturelle Effekte der Atombombenentwicklung auf die Weltwirtschaft globalgeschichtlich erforschen lassen? Im Mittelpunkt steht dabei die Gewinnung des Rohstoffs Uran.

Die Urangewinnung war von zentraler strategischer und ökonomischer Bedeutung, um die Atombomben von 1945 überhaupt herstellen zu können. Globalhistorisch relevant daran ist, dass die rasant zunehmende Nachfrage nach Uran strukturelle Vernetzungsanstrengungen auf weltweiter Ebene nach sich zog. Der Zugang zu diesem Rohstoff war für den Bau weiterer Bomben nötig. Allerdings überschattete bereits der sich abzeichnende Systemkonflikt des Kalten Krieges zwischen dem kapitalistisch-westlichen und dem sozialistisch-östlichen Block die Erschließung des Rohstoffes.

USA erschließen Uran entlang etablierter Kolonialökonomien

Bevor mit dem Bau der Atombombe begonnen werden konnte, galt es zunächst herauszufinden, wo überhaupt Uranvorkommen vorhanden waren. Die amerikanische Regierung initiierte die Erforschung der Uranvorkommen bereits zu Beginn des Krieges. Dieses Anliegen wurde zunächst von außen an die US-Administration herangetragen. Noch vor Kriegsbeginn, im Juli 1939, kontaktierten die Wissenschaftler Leó Szilard und Eugene Wigner Albert Einstein. Dieser sollte die belgische Regierung dazu bewegen, ihre bereits bekannten Uranvorkommen im Kongo vor dem Zugriff der NationalsozialistInnen zu schützen. Weitere Treffen von Mitgliedern dieser Gruppe folgten, zum Beispiel mit Alexander Sachs, einem einflussreichen Bankier der Lehman Corporation. Sachs verfügte über Verbindungen ins Weiße Haus und schlug vor, Präsident Roosevelt direkt zu kontaktieren. Am 11. Oktober 1939 übergab Sachs einen Brief von Einstein und Szilárd an Roosevelt. Diese schlugen vor, die Kernspaltung für einen etwaigen Einsatz von Atomwaffen stärker zu erforschen. Roosevelt berief daraufhin unter anderem das Advisory Committee on Uranium ein. In diesem Zusammenhang leitete der Präsident die ersten Untersuchungen zur Erschließung von Uran in die Wege. [52]

1942 gründeten dann die USA das Murray Hill Area-Projekt. Dieses sollte die weltweiten Uranvorkommen systematisch untersuchen. Zwischen Juni 1943 und Oktober 1944 durchforschte ein Team von GeologInnen und anderen WissenschaftlerInnen 67.000 Bände geologischer Berichte. Als im Herbst 1944 drei britische Forscher dem Projekt beitraten, kann man auch von einem ersten internationalen Austausch ausgehen. Schließlich kamen 20 Länder als “friendly or neutral foreign countries” in Frage, wo die ForscherInnen insgesamt 37 Auslandsexkursionen zum Zweck der Feldforschung unternahmen. Im Laufe der Untersuchungen kam man zu dem Ergebnis, dass im Kongo exzellente und zugängliche Uranvorkommen zu finden seien. Zudem wären in Kanada und in Großbritannien weitere gute Bezugsquellen vorhanden. Die Reserven von Portugal und Südafrika wurden indes als mittelmäßig eingestuft.[53]

So kam der Shinkolobwe-Mine in der kongolesischen Provinz Katanga besondere Bedeutung zu. Neben einem kanadischen Standort hat diese Mine das Manhattan-Projekt maßgeblich mit Uran versorgt.[54] Betrieben wurde die Mine von der Union Minière du Haut Katanga unter Leitung des Bergbauingenieurs Edgar Sengier. Sengier befand sich darüber hinaus im Laufe des Krieges in den Vereinigten Staaten. Er floh vor den Kriegshandlungen von Belgien nach New York. Dort verwaltete er das Unternehmen im Kongo. Gleichzeitig nahm er Kontakt mit der amerikanischen Regierung auf.[55]

Zum Abtransport der Rohstoffe waren Infrastrukturen, wie der Hafen von Lobito an der portugiesisch-angolanischen Atlantikküste, von besonderer Bedeutung.[56] Hafen und Mine waren verbunden durch die Benguela-Eisenbahnstrecke. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg das Handelsvolumen rasant an, das über Benguela beziehungsweise Lobito abgewickelt wurde. Wenig verwunderlich ist, dass sowohl 1938 als auch 1948 nahezu 98 Prozent sämtlicher Exporte unter die Kategorie „Mineralien“ fielen. Wurden 1938 noch 46.680 Tonnen exportiert, lautet die Ziffer für 1948 ganze 351.169 Tonnen.[57]

Am 13. Juni 1944 vereinbarten die USA und Großbritannien, einen Combined Development Trust zu gründen. Dieser hatte nach Punkt 2 die Aufgabe: „to gain control of and develop the production of the uranium and thorium supplies situate in certain areas other than the areas under the jurisdiction“.[58] Es ging also gezielt darum, ausländische Uranvorkommen zu finden, sie strategisch zu sichern und die technischen Voraussetzungen zu schaffen, um diese Vorkommen schließlich systematisch auszubeuten. In einer geheimen Vereinbarung vom 26. September 1944 beschlossen die USA, Großbritannien und Belgien, sämtliche Uran- und Thoriumvorkommen, die sich in belgischen Territorien befanden, zum Zweck der „protection of civilization“ der „effektiven Kontrolle“ zu unterstellen. Die galt für die Zeit während und nach dem Kriege.[59]

Die Grundlage der internationalen Kooperation in der Urangewinnung zwischen Belgien und den USA fußte auf Vertrauen – und der Tatsache, dass sich mit der Sowjetunion ein gemeinsamer Feind abzeichnete, den es in einer atomaren Nachkriegsordnung strategisch einzuhegen galt. Der Historiker Jonathan Helmreich hat intensiv zur Uranfrage, der Rolle Belgiens und seiner damaligen Kolonie Kongo geforscht. Er erwähnt, dass keine Preise im Abkommen genannt wurden. Stattdessen war es die Pflicht aller Beteiligten, Informationen bezüglich der Liefermengen und Preise für die Uranlieferungen streng geheim zu halten. Dies brachte die belgische Regierung gegenüber jenen ParlamentarierInnen in Bedrängnis, die bereits kritische Nachfragen stellten. Geheimhaltung hatte jedoch auf Grund des sich abzeichnenden Systemkonflikts mit der Sowjetunion und der Verteidigungsfähigkeit des westlichen Bündnisses oberste Priorität. Für den Bau der Bomben, aber auch für die Folgezeit, erwiesen sich die Produktionskosten der Shinkolobwe-Mine als weitaus geringer als zum Beispiel in Kanada oder den USA. Dies lag laut Helmreich an der extremen Ausbeutung kongolesischer und ruandischer Arbeitskräfte, die unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten mussten.[60] Dabei konsolidierten die einheimischen Arbeitskräfte durch ihre Arbeit mittelbar die ökonomischen Strukturen der eigenen kolonialen Abhängigkeit. Sie verhalfen gezwungenermaßen dem wesentlichen Bündnis zur Bombe und damit zu großer Macht.

Folgt man also dieser Argumentation, so war die Mine im Kongo – zumindest für die Phase des Bombenbaus und die frühen 1950er Jahre – von herausragender wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung.[61] Auch die GeografInnen Hance und van Dongen erwähnen in einem Fachartikel von 1956, in welcher Form Belgien als dominierende Kolonialmacht Zentralafrikas sowohl Infrastruktur als auch Logistik für die wirtschaftliche Ausbeutung der Mineralien zur Verfügung stellte.[62] Diese Strukturen gewährleisteten der US-Regierung den Zugriff auf die Ressourcen, die zum Bau der Atombomben benötigt wurden. Weil die USA sich logistisch und politisch mit der belgischen Kolonie Kongo und Portugiesisch-Angola vernetzten, konnten sie sich mit eigenem, unmittelbarem wirtschaftlichen Engagement in Afrika zurückhalten. Die US-amerikanische Regierung nutzte die etablierten logistischen Strukturen der europäischen Kolonialwirtschaften, ohne dass sie gezwungen gewesen wäre, direkte administrative Kontrolle über diese Territorien auszuüben. Die Vernetzung zwischen bereits bestehenden Kolonialwirtschaften mit der aufkommenden Nuklearwirtschaft der USA war also entscheidend. Ohne die bereits vorhandenen Infrastrukturen wäre es vermutlich nicht so schnell möglich gewesen, die Hochtechnologiestandorte in den USA mit den zum Bau benötigten Rohstoffen zu versorgen.

Die Uranwirtschaft expandiert nach dem Zweiten Weltkrieg

Die Suche nach Uranvorkommen endete nicht mit dem Manhattan Project. Produktion und Einsatz der Bomben können vielmehr als Auftakt gesehen werden, weltweit Uranminen zu suchen und zu erschließen. Dadurch erhielten zuvor uninteressante Erze auf einmal eine große strategische Bedeutung:

„Before the last war they were little known, and apparently unimportant, metals. Their names were probably unknown to most people. Now they are magic words associated with atomic bombs and atomic energy.“[63]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ging der Geologe J. K. Gustafson 1947 als Berater der US-Regierung den Fragen nach, wo sich die weltweiten Uranressourcen befänden, wie groß ihr Umfang sei und wie sie sich am effizientesten gewinnen ließen. Diese Informationen waren strategisch wertvoll und sollten vor der Öffentlichkeit geheim gehalten werden. Die Eldorado-Mine in Kanada, Joachimsthal (Böhmen) im Erzgebirge und nach wie vor die Shinkolobwe-Mine im Kongo galten als Radium-Uran-Hauptvorkommen. Als weitere potenziell ertragreiche, aber kaum erschlossene Abbauregionen nennt er Colorado und Südafrika.[64]

Die Frage danach, ob es ausreichend Uran geben würde, um die Kerntechnologie sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke einzusetzen, ist zwar aus heutiger Perspektive selbstverständlich, in den 1950er Jahren jedoch schien sie noch umstritten. Ohne AutorInnen zu nennen, erwähnte Gustafson das Lager, das damals behauptete, es gäbe nicht genügend Uran als Rohstoff für ein Atomzeitalter:

„Recently a number of distinguished men in scientific fields have made some guesses as to the availability of uranium- and have come up with gloomy answers. One of these prophets has concluded that there never will be ‘an atomic age.’ Another believes that: ‘the use of uranium for atomic power will be extremely limited.’”[65]

Dagegen vertrat Gustafson die Meinung, dass ausreichend Uran vorhanden wäre. Kerntechnologie ließe sich nicht nur als Waffe einsetzen, wie in Hiroshima und Nagasaki, sondern auch zur Energiegewinnung. Dies sollte sich sehr bald bestätigen, was bereits ein Blick auf die ansteigende Nachfrage nach noch unverarbeitetem Uran nahelegt. Vor dem Zweiten Weltkrieg betrug die Jahresproduktion von Uranerzen 30.000 Tonnen. Ein Großteil davon wurde in der Eldorado-Mine in Kanada, also auf Territorium des Commonwealth, produziert. Im Jahr 1958 wurden allein in der Blind River-Gegend rund 35.000 Tonnen Erze täglich gefördert.[66] Daraus hervor ging eine Großindustrie, die diese Mengen von Rohstoff als nutzbares Uran aufbereitete. Der folgende Graph der World Nuclear Association legt dies zumindest nahe. Die grün eingefärbte Serie zeigt die globale Weltproduktion von nutzbarem Uran sämtlicher Minen. Ab 1945 bis Ende der 1950er Jahre ist ein exponentielles Wachstum zu erkennen. War die Produktion 1945 noch sehr gering, beträgt sie um 1958 bereits nahezu 50.000 Tonnen. Zu erkennen ist ebenfalls, dass das Wachstum bereits eingesetzt hat, bevor Uran zum Betrieb von Kernkraftwerken in den 1960er Jahren nachgefragt wurde. Dies bekräftigt die These, dass der Einsatz der Atombomben und seine militärische Signalwirkung einen Boom in der Uranwirtschaft ausgelöst hat.

 

 

Weltweite Uranproduktion- und Nachfrage (1945-2012), © World Nuclear Assosiation[67]

 

Die amerikanische Regierung schob diese Industrialisierung durch Subventionen an. Am 31. Dezember 1946 übernahm die Atomic Energy Commission das Atomprogramm von der US-Armee. Im April 1948 verkündete die Kommission einen Drei-Punkte-Plan. Dieser sollte den Uranabbau massiv fördern. Zu jener Zeit war die Uranindustrie noch eine “infant industry”, mit nicht mehr als 400 Fachkräften, die hauptsächlich für Regierungsstellen arbeiteten.[68] Der Plan sah unter anderem vor, einen festen Kaufpreis für Uran und eine Prämie für neu entdeckte Uranvorkommen festzulegen, um den Uranabbau für die Privatwirtschaft attraktiv zu machen. Nicht zuletzt um weniger von ausländischen Importen abhängig zu sein, verkündete die US Atomic Energy Commission 1948, alle Uranerze der USA zu einem Festpreis aufzukaufen. Dies löste einen Boom der Bergbauindustrie aus. Im Zeitraum vom Zweiten Weltkrieg bis zum Jahr 1971 wurden die USA zum Hauptabnehmer der weltweit geförderten Uranvorkommen.[69] Die erhöhte Bergbautätigkeit schlug sich auch in wissenschaftlichen Nachrichten nieder. So meldete beispielsweise im Jahr 1952 der Science News Letter, dass die Nachfrage nach Uran stark gestiegen sei. In Nordwest Saskatchewan sei ein regelrechter „Boom“ um die „Uranium City“ entstanden. Dennoch befürchtete der Autor Monahan in derselben Meldung, dass die kanadischen und belgisch-kongolesischen Uranvorkommen nicht ausreichen würden, die damalige „freie Welt“ mit dem Rohstoff zu versorgen. Die systematische Suche nach Uranerzen hätte aber bereits neue aussichtsreiche Vorkommen, zum Beispiel in Australien, ergeben.[70] Im Jahr 1958 befanden sich die weltweit produktivsten Uranquellen der westlichen Welt in Kanada, den USA und Südafrika. Trotz des Booms waren sich die Wissenschaftler aber der Endlichkeit der Uranvorkommen bewusst.[71]

Uran als begehrtes Gut im Kalten Krieg

Mit dem Bau und dem Einsatz der Bomben war die Vormachtstellung der USA als Atommacht noch keineswegs gesichert. Auf Grund der strategischen Bedeutung des Urans und seiner Knappheit wurde der Rohstoff zu einem begehrten und umkämpften Gut während des Kalten Krieges. Ein Monopol auf Uran bedeutete gleichzeitig ein Monopol auf Atomwaffen (und auf atomare Energiewirtschaft):

“The USA, Canada, and the UK were hoping that they could monopolize all of the world’s uranium so as to prevent the Soviet Union and others from making atomic bombs.”[72]

Im atomaren Wettbewerb war es also nötig, die Versorgung an „atomaren Treibstoff“, dem Uran, sicherzustellen. War dies für die AlliiertInnen zunächst im Rahmen kolonialer Strukturen relativ problemlos möglich, wurde es durch die sich abzeichnende Dekolonisation in den frühen 1960er Jahren schwieriger.[73] Im Kongo verfolgten die USA deshalb eine Rohstoffpolitik, die auch ohne Zugriff über europäische Kolonialwirtschaften in Afrika erfolgen sollte.[74] Auf Seiten der Sowjetunion war die erfolgreiche Detonation der Bombe im Trinity-Test vom 16. Juli 1945 der endgültige Beweis, dass die Bombe auch tatsächlich funktionieren würde. Stalin bewegte dies unter anderem dazu, umgehend Uranvorkommen abschöpfen zu lassen. Ohne Uran hätte auch die Sowjetunion keine Atombombe bauen können. Der Zugang zu Uran wurde als eine existenzielle Voraussetzung betrachtet, um sich als Großmacht im atomaren Zeitalter behaupten zu können.[75]

In der Tat befanden sich wichtige Uranvorkommen in Gebieten, die – aus Sicht der USA – ausgerechnet innerhalb oder nahe der geopolitischen Einflusssphäre der Sowjetunion lagen: Deutschland (Erzgebirge), Tschechoslowakei (Jachymov/Joachimsthal), Bulgarien (Buhovo), Ural und Zentralasien (Urbek, Khazak).[76] Bereits gegen Ende des Krieges, von April 1944, beauftragte das Manhattan-Projekt die sogenannte Alsos-Mission. Bis Oktober 1945 sollte diese die deutschen Uranvorkommen auskundschaften und sie gleichzeitig vor dem Zugriff der Sowjetunion und Frankreich bewahren.[77] Faktisch bezog die Sowjetunion zu Beginn ihr Uran hauptsächlich aus Mittel- und Osteuropa, darunter auch die Minen in Joachimsthal und im Erzgebirge der sowjetisch besetzten Zone. Bis 1948 konnten weitere Minen erschlossen werden, darunter Abbaustätten in der Ukraine, Estland, in der Umgebung von Leningrad, im Kaukasus, im Uralgebirge, in Sibirien und in der Kolyma Region.[78]Für den Bau der chinesischen Atombomben ab den 1950ern stand die Suche nach zugänglichen Uranquellen ebenfalls im Zentrum der Bemühungen von Regierung und Militär. Allerdings verfügte China über keine koloniale Einflusssphäre. Es erschloss Uran vor allem innerhalb des eigenen Landes. Für den Bau der Bombe kam dabei Uran aus dem Süden und dem Nord-Osten in Betracht.[79]

Der Atombombenabwurf kann schließlich als Globalisierungs- beziehungsweise Industrialisierungsimpuls beschrieben werden. Als Take-off Moment verhalf er der strategisch wichtigen Uranindustrie weltweit zum Durchbruch. Mit der Nachfrage nach Uran expandierten nicht nur die wissenschaftliche Erforschung der Atomenergie und die Montanwirtschaft. Es erwuchs auch in wenigen Jahren aus einem eher marginalen Wirtschaftsbereich eine Industrie von globaler Bedeutung. Die Kontrolle der wichtigsten Uranquellen verblieb dabei bis in die 1950er Jahre überwiegend bei den USA. Diese schafften es, die kolonialen Netzwerke ihrer Bündnispartner für eigene Zwecke einzubinden. Im Systemwettstreit mit der Sowjetunion kam allerdings die ganze Welt als möglicher Förderort in Frage. Dies bewirkte schließlich eine globalwirtschaftliche Neukartierung. Ferne Rohstofflager, überseeische Transportkanäle, konzentrierte und streng geheime Hochtechnologie- und Produktionsstandorte − dies alles waren nun wichtige Knotenpunkte im globalen Zusammenspiel und Gegeneinander der neuen Atomwirtschaften.

 

 

[1] Es waren vor allem in der Wissenschaft tätige emigrierte Männer, die für das Projekt engagiert wurden, aber es gab auch einige wenige Frauen, beispielsweise die in der Tschechoslowakei geborene und von Berlin aus in die USA emigrierte Chemikerin Lilli Hornig.
[2] Die US-amerikanische Atomphysikforschung konnte sich erst mit Ernest Lawrence etablieren; vgl. De Groot, Gerard J: The Bomb. A Life, Cambridge, Mass. 2005, S. 12f.: Auf der internationalen Solvay Konferenz 1933 in Brüssel, einem der wichtigsten Momente in der aufkommenden Kernphysik, war Lawrence der einzige Nicht-Europäer; vgl. Herken, Gregg: Brotherhood of the Bomb. The Tangled Lives and Loyalties of Robert Oppenheimer, Ernest Lawrence, and Edward Teller, New York 2013, S. 9f.
[3] Quebec Agreement. Articles of Agreement Governing Collaboration Between The Authorities of the U.S.A. and the U.K. in the Matter of Tube Alloys, The Citadel, Quebec 19.08.1943.
[4] Siehe MAUD Committee: Report by MAUD Committee on the Use of Uranium for a Bomb. Outline of Present Knowledge, London 1941; Smyth, Henry De Wolf: Atomic Energy for Military Purposes. The Official Report on the Development of the Atomic Bomb under the Auspices of the United States Government, 1940-1945, Princeton 1947, S. 52f.
[5] Gowing, Margaret; United Kingdom Atomic Energy Authority: Britain and Atomic Energy, 1939-1945, New York 1964, S. 64–66, 115–146 ; Herken: Brotherhood of the Bomb, 2013, S. 39f.
[6] Mackby, Jenifer; Cornish, Paul; Hamre, John J. u. a.: U.S.-UK Nuclear Cooperation After 50 Years, Washington, DC 2008, S. 27f.
[7] Vgl. Gumbel, Emil Julius: Arische Naturwissenschaften?, in: Gumbel, Emil Julius (Hg.): Freie Wissenschaft. Ein Sammelbuch aus der deutschen Emigration, Strasbourg 1938, S. 49f.
[8] Fischer, Klaus: Identification of Emigration-Induced Scientific Change, in: Ash, Mitchell G.; Söllner, Alfons (Hg.): Forced Migration and Scientific Change. Emigré German-Speaking Scientists and Scholars After 1933, Cambridge 1996, S. 34f ; Hoddeson, Lillian; Henrikssen, Paul W.; Meade, Roger A. u. a.: Critical Assembly. A Technical History of Los Alamos during the Oppenheimer Years, 1943 - 1945, Cambridge 1993, S. 58f; Duggan, Stephan; Drury, Betty: The Rescue of Science and Learning. The Story of the Emergency Committee in Aid of Displaced Foreign Scholars, New York, NY 1948.
[9] Voices of the Manhattan Project: Andre, Jay, Emilio Segrè und Laura Fermi: To Fermi ~ with Love. Part 1, 1971.
[10] Gowing; United Kingdom Atomic Energy Authority: Britain and Atomic Energy, 1939-1945, 1964, S. 134–136.
[11] Makhijani, Arjun: “Always” the Target? While U.S. Bomb Scientists were Racing Against Germany, Military Planners were Looking toward the Pacific, in: The Bulletin of the Atomic Scientists 51 (3), 1995, S. 23–27.
[12] Vgl. Russell, James A.; Wirtz, James J. (Hg.): Globalization and WMD Proliferation: Terrorism, Transnational Networks and International Security, 2009 (Routledge Global Security Studies), S. 41.
[13] Jones: Manhattan: The Army and the Atomic Bomb, S. 8.
[14] De Groot: The bomb, 2005, S. 39 .
[15] Richard Rhodes’ Interview, Manhattan Project Voices.
[16] Smyth: Atomic Energy for Military Purposes, S. 308.
[17] Gusterson, Hugh: People of the Bomb. Portraits of America’s Nuclear Complex, Minneapolis 2004, S. 68 ; vgl. Selden, Kyoko Iriye; Selden, Mark: Metahistory and Memory: Making/Remaking the Knowledge of Hiroshima’s Atomic Bombing, 2008, S. 137–140.
[18] Wittner, Lawrence S.: The Struggle Against the Bomb, Stanford 1993, S. 45–48.
[19] Die globalen Zentren physikalischer Forschung befanden sich in Göttingen (mit Max Born, James Franck und David Hilbert), Berlin, München und neben Cambridge (dem Cavendish Laboratory unter Ernest Rutherford), Kopenhagen (mit Niels Bohr), in Rom und in Leiden. Vgl. Schirrmacher, Arne: Wiederaufbau ohne Wiederkehr. Die Physik in Deutschland in den Jahren nach 1945 und die historiographische Problematik des Remigrationskonzepts, in: Bruch, Rüdiger Vom; Gerhardt, Uta; Pawliczek, Aleksandra (Hg.): Kontinuitäten und Diskontinuitäten in der Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts, 2006 (Wissenschaft, Politik und Gesellschaft 1), S. 131–151, S. 149.
[20] Siegmund-Schultze: Mathematicians Fleeing from Nazi Germany, Princeton 2009.
[21] Rechenberg, Helmut: Farm-Hall-Berichte. Die abgehörten Gespräche der 1945/46 in England internierten deutschen Atomwissenschaftler. Ein Kommentar von Helmut Rechenberg, Bd. II, Stuttgart 1994 (Naturwissenschaftliche Rundschau 47, Supplement 2 (Kapitel III und IV)), S. 65–74,  S. 70.
[22] McLauchlan, Gregory; Hooks, Gregory: Last of the Dinosaurs? Big Weapons, Big Science, and the American State from Hiroshima to the End of the Cold War, in: The Sociological Quarterly 36 (4), 1995, S. 749–776.
[23] Gibbs, Timothy: Catching an Atom Spy. MI5 and the Investigation of Klaus Fuchs, in: Johnson, Loch K. (Hg.): The Oxford Handbook of National Security Intelligence, 20101, S. 558f.
[24] Mir sind keine britischen Wissenschaftlerinnen bekannt, die vom britischen Tube Alloys Programm zum Manhattan Project wechselten und anschließend zurück in die britische Atombombenforschung gingen.
[25] Mackby u. a.: U.S.-UK Nuclear Cooperation After 50 Years, 2008, S. 32, 62.
[26] Zum Sputnik als Anstoß internationaler Wissenschaftskooperation der USA siehe Logdson: Reamifications and Reactions, in: Lanius, Roger D.; Logsdon, John M.; Smith, Robert W. (Hg.): Reconsidering Sputnik. Forty Years Since the Soviet Satellite, London 2002 (Studies in the History of Science, Technology and Medicine 11), S. 261–266.
[27] Eisenhower, Dwight D.: Atoms for Peace Speech. Address by Mr. Dwight D. Eisenhower, President of the United States of America, to the 470th Plenary Meeting of the United Nations General Assembly (8. December 1953).
[28] Hoffmann, Hans Falk: The Role of Open and Global Communication in Particle Physics, in: Renn, Jürgen (Hg.): The Globalization of Knowledge in History, Berlin 2012, S. 51–57.
[29] Reed, Bruce Cameron: The History and Science of the Manhattan Project, Heidelberg 2014.
[30] Ewertsson, Lena; Ingelstam, Lars: Large Technical Systems. A Multidisciplinary Research Tradition, in: Olsson, Mats-Olov; Sjöstedt, Gunnar (Hg.): Systems Approaches and Their Application. Examples from Sweden, Dordrecht, Boston, London 2004, S. 291–312, S. 292, Anm. 2.
[31] Vgl. weiterführend Ash; Söllner (Hg.): Forced Migration and Scientific Change, 1996 ; und Ruffert; Steinecke: The Global Administrative Law of Science, 2011.
[32] Vgl. auch Russell, James A.; James J. Wirtz (Hg.): Globalization and WMD Proliferation. Terrorism, Transnational Networks and International Security (Routledge Global Security Studies 4), Oxon und New York 2009, S. 41.
[33] Oertzen, Christine von: Strategie Verständigung. Zur transnationalen Vernetzung von Akademikerinnen 1917–1955, Göttingen 2012, S. 395.
[34] Vgl. Haynes, John Earl, Harvey Klehr und Alexander Vassiliev: Spies. The Rise and Fall of the KGB in America, New Haven (CT) 2009, S. 110–117; Zum Spion Klaus Fuchs vgl. Gibbs, Timothy: Catching an Atom Spy. MI5 and the Investigations of Klaus Fuchs, in: The Oxford Handbook of National Security Intelligence, hg. von Loch K. Johnson, Oxford 2010, S. 555–568.
[35] Rabinowitz, Or: Bargaining on Nuclear Tests. Washington and Its Cold War Deals, Oxford 2014, S. 82;  Nolan, Peter: Capitalism and Freedom. The Contradictory Character of Globalisation, London 2008, S. 233f.
[36] Stober, Dan; Hoffman, Ian: A Convenient Spy. Wen Ho Lee and the Politics of Nuclear Espionage, New York, N.Y., United States 2001. Darüber hinaus wird angenommen, dass 15 der chinesischen Atomentwickler ihre Ausbildung in Europa, den USA und der Sowjetunion erhielten, Hudson, Geoffrey: Paper Tigers and Nuclear Teeth, in: The China Quarterly 39, 1969, S. 65.
[37] Über die Volksrepublik China soll Pakistan – ebenso wie Saudi Arabien – Informationen aus den USA erhalten haben: Stober, Dan und Ian Hoffman: A Convenient Spy, First Chapter in: The New York Times (17. Februar 2002); Kan, Shirley A.: China. Suspected Acquisition of U.S. Nuclear Weapon Secrets (CRS Report for Congress) (pdf-Dokument), in: Congressional Research Service. The Library of Congress.
[38] Richelson, Jeffrey T.: Spying on the Bomb. American Nuclear Intelligence from Nazi Germany to Iran and North Korea, New York 2006.
[39] Clay, Christopher: Dr. Khan’s Nuclear WalMart, in: Disarmament Diplomacy, 76 (2004), S. 31–36.
[40] Weiner, Tim: CIA. Die ganze Geschichte, übers. von Elke Enderwitz, Frankfurt am Main 52008, S. 606f.
[41] Corera, Gordon: Shopping for Bombs. Nuclear Proliferation, Global Insecurity, and the Rise and Fall of the A. Q. Khan Network, Oxford 2009.
[42] Warner, Michael: The Rise of the U.S. Intelligence System, 1917–1977, in: The Oxford Handbook of National Security Intelligence, hg. von Loch K. Johnson, Oxford 2010, 107–121, S. 110.
[43] Goodman: Spying on the Nuclear Bear, S. 2f., 7, 98–104.
[44] Jones, Vincent C.: Manhattan, the Army and the Atomic Bomb, Washington D.C. 1985, S. 286f.
[45] Goodman: Spying on the Nuclear Bear, S. 46f., 106–109, 181–183.
[46] Weiner: CIA, S. 88. Langfristig scheint der Erfolg gering: Auch den ersten Atomwaffentest Indiens 1974 hatte die CIA nicht antizipiert (vgl. Ebd., S. 606f.).
[47] Carlston, Erin: Double Agents. Espionage, Literature, and Liminal Citizens, New York 2013, S. 237f.
[48] Oppenheimer setzte sich gegen die Entwicklung der Wasserstoffbombe ein, ein Projekt unter Aufsicht der Atomic Energy Commission. Siehe U.S. Department of Energy (Hg.): J. Robert Oppenheimer Personnel Hearings Transcripts.
[49] Warner: Intelligence System, S. 115f.; Treaty on the Non-Proliferation of Nuclear Weapons. INFCIRC/140, in: International Atomic Energy Agency.
[50] Das Patentrecht als eine Form eigentumsbedingter Aneignung fand, trotz zahlreicher Patenanmeldungen im Bereich der Nuklearforschung, in der internationalen Proliferation wenig Beachtung.
[51] Kort, Michael: The Columbia Guide to Hiroshima and the Bomb, Irvington 2007, S.Kort, S. 14–27; Coulmas 2010, S. 16; Goldberg 1995, S. 828; Schirach 2012, S. 118; Herrera 2007, S. 118 Coulmas, Florian: Hiroshima. Geschichte und Nachgeschichte, München 2010, S. 16.
[52] Groves 1983, 33-37, 170-184; 218-221; 238-241; Robison 2014, S. 196.
[53] Robison, Roger F.: Mining and Selling Radium and Uranium, Heidelberg 2015, S. 231–232.
[54] Gustafson, J. K.: Uranium resources, in: Nucleonics 4 (5), 1949, S. 23–28.Gustafson 1949, S. 119.
[55] Nichols, Kenneth David: The road to Trinity, New York 1987 Nichols 1987, S. 47.
[56] Weigend 1958.
[57] Hance, William A.; Dongen, Irene S. van: The Port of Lobito and the Benguela Railway, in: Geographical Review, 1956, S. 460–487 Hance und van Dongen 1956, 466-467, 471-472, 477.
[58] „Memorandum of Agreement Between the United States, the United Kingdom, and Belgium Regarding Control of Uranium“, auch Tripartite Agreement genannt. Abgedruckt in: Foreign Relations of the United States (Hg.): United States Department of State / Foreign Relations of the United States Diplomatic Papers, 1944, S. 1026–1030, hier S. 1027.
[59] Foreign Relations of the United States (Hg.): United States Department of State / Foreign Relations of the United States Diplomatic Papers, 1944, S. 1026–1030, hier S. 1029, arabisch 1.
[60] Helmreich, Jonathan E: The Negotiation of the Belgian Uranium Export Tax of 1951, in: Revue belge de philologie et d’histoire 68 (2), 1990, S. 320–351, S. Helmreich 1990, S. 322.
[61] Helmreich, Jonathan E: US Foreign Policy and the Belgian Congo in the 1950s, in: Historian 58 (2), 1996, S. 315–328, S. 316.
[62] Hance und van Dongen 1956, S. 487.
[63] Bowie, S. H.U.: The uranium and thorium resources of the Commonwealth: Royal Soc, in: Arts Jour 107, 1959, S. 704–715, S. 704.
[64] Gustafson 1949, S. 115.
[65] Gustafson 1949, S. 117.
[66] Bowie 1959, S. 706.
[67] World Nuclear Association: Uranium Markets, Dezember 2016.
[68] Gustafson 1949, S. 119–120.
[69] Brugge, Doug; Goble, Rob: The History of Uranium Mining and the Navajo People, in: American Journal of Public Health 92 (9), 2002, S. 1410–1419, S. 1410–11. Gustafson sah das staatliche Uranmonopol als so stabil an, dass er sich nach dem Krieg keinen freien Handel auf den Weltmärkten vorstellen konnte. „Because uranium is everywhere controlled by the governments of the countries in which it exists, it is unlikely that it will ever appear on free competitive world markets in the sense that lead or copper does“ Gustafson 1949, S. 118.
[70] Monahan, A. C.: Uranium Needs Increasing, in: The Science News-Letter 62 (14), 1952, S. 218–219.
[71] Bowie 1959, S. 707.
[72] Robison 2014, S. 232.
[73] Bowie 1959, S. 705.
[74] Helmreich 1996, S. 317–319.
[75] Robison 2014, S. 234.
[76] Goodman 2007, 30-31, 138-139.
[77] Robison 2014, S. 238–239.
[78] Holloway, David: Stalin and the Bomb: The Soviet Union and Atomic Energy, 1939-1956, New Haven 1994, S. 176.
[79] Lewis, John W.; Xue, Litai: China Builds the Bomb, Stanford, CA 1988, S. 78–79.