Es geht um etwas Großes und es geht um Geschichte. Schließlich beginnt der Film „Rote Sterne überm Feld“ der Regisseurin Laura Laabs mit Walter Benjamins berühmten Zeilen zum Engel der Geschichte[1], gesprochen von zwei Frauenstimmen, während eine Kameradrohne Berlin von oben zeigt. Zentrale Begriffe des Textes werden auf die Leinwand geworfen, groß in jeweils unterschiedlichen Fonts und Farben. Schon bevor die Handlung einsetzt, ist klar, es wird geschichtsträchtig und experimentell. Auch politisch wird es, schließlich werden gleich rote Fahnen auf dem Reichstag wehen. Die Protagonistin Tine (Hannah Ehrlichmann) hat sie mit einem Freund an die Stelle der schwarz-rot-goldenen gehisst. Wir folgen Tine, nachdem sie vom Reichstag heruntergeklettert ist, fährt sie rasch nach Hause, packt ihre Sachen und steigt in den Zug nach Bad Kleinen, um dort bei ihrem Vater unterzutauchen. Das folgt nicht den Regeln der Konspiration, doch dient es der Dramaturgie. In einer fiktiven Sequenz aus der Tagesschau rätselt die Sprecherin, ob die Aktion Kunst oder Terror sei.
Der Bahnhof von Bad Kleinen steht auch für den Polizeieinsatz im Juni 1993, bei dem die beiden RAF-Mitglieder Birgit Hogefeld und Wolfgang Grams verhaftet werden sollten. Am Ende waren Wolfgang Grams und der Polizist Michael Newrzella tot. Aufgrund von Unregelmäßigkeiten bei der Spurensicherung konnte der Verdacht nicht gänzlich ausgeräumt werden, der schon am Boden liegende Grams wäre von der GSG-9 als Rache für den von ihm getöteten Kollegen mit einem aufgesetzten Kopfschuss exekutiert worden.[2] Geklärt wurden jedoch die Gerüchte um eine dritte Person, die nach den tödlichen Schüssen verschwunden ist. Es handelte sich um einen V-Mann des Verfassungsschutzes. Er wurde von der Polizei vom Tatort aus, in Sicherheit gebracht. Die Bundesrepublik als Rechtsstaat stand vor einer veritablen Legitimationskrise und die dritte Generation der RAF erlitten einen ihre Selbstauflösung einleitenden Schlag. In Bad Kleinen lebte auch Laura Laabs, die Regisseurin des Films. In ihrem Film nimmt sie die Gerüchte um eine dritte Person als weiter berechtigten Verdacht wieder auf: Bei den Untersuchungen wären Zeugenaussagen unterdrückt worden. Das dient der Dramaturgie, bedient aber gleichzeitig – widerlegte – Verschwörungserzählungen.
Linker Aktivismus, die RAF, damit verbundene Legenden und das Leben auf dem mecklenburgischen Land sind nur vier der im Film assoziativ verbundenen Handlungsstränge. Hinzu kommen der Zweite Weltkrieg, Familiengeheimnisse, die aus dem NS rühren, die LPG als Produktions- und Lebensform und ihre Abwicklung, das Moor und seine Leichen, die Stasi und der BND, Windräder, Kapitalismus, Wissenschafts- und Fördergelderkritik und Neonazis auf dem Dorf, Sex-Appeal, Drogen (Eierlikör, Wodka, Korn und Koks) und schließlich noch ein wenig Goethe. Zeilen des Erlkönigs werden zitiert und ein solcher geistert als mystische Schreckensgestalt durch den Film, gespielt von Till Lindemann, was beim achtung berlin filmfestival skandalisiert wurde.
Der Film ist lang (133 min). Vermutlich ist an dieser Stelle der Besprechung schon klar, dass die Rezensentin dem Film kritisch gegenübersteht. Trotzdem ist er für die aktuellen Debatten um die deutsche (Un-)Einheit und die Erfolge rechtsextremer Parteien in Ostdeutschland relevant, wie ich abschließend erläutere. Hier zunächst Anmerkungen zu einigen Handlungssträngen.
Tine
Die Protagonistin Tine ist linke Aktivistin, Kunst ist ihr Medium. Sie kehrt zurück in ihr Elternhaus, zu ihrem Vater (Hermann Beyer), der in einem herrlichen alten Hof lebt. Er grummelt und erklärt „Der Sozialismus wird uns alle überleben“. Tine lebt sich schnell wieder im Dorf ein. Die Leute freuen sich über die Rückkehrerin. Sie springt über die Wiesen, trifft die alten Nachbarn, sitzt mit ihrem Jugendfreund auf dem Trecker, hat keine Scheu vor dem Dorfnazi, über dessen Hals groß DEUTSCHLAND tätowiert ist. Macht Filmprojekte mit der Dorfjugend und kramt die alten Geschichten aus. Auf dem Speicher findet sie alte Feldpost. Drei Söhne der zuvor im Haus lebenden Familie sind im 2. Weltkrieg gestorben, zwei hatten sich freiwillig zur Waffen-SS gemeldet. Ihre Geschichten werden in Schwarz-Weiß-Aufnahmen im 16 Millimeter-Format nachinszeniert. Nach und nach wandert ein gerahmtes Foto mit Trauerflor auf die Kommode der Bauersfamilie. Durch die eingesprochenen Passagen aus den Briefen der jungen Männer und die nachinszenierten Szenen auf dem elterlichen Bauernhof werden sie zu wiederbelebten Protagonisten des Films. Aus den Briefen erfahren wir, wie sie zuerst das Soldatenleben genießen und es irgendwann satthaben. In der Feldpost, ist naturgemäß vom Krieg kaum die Rede. Die Propaganda-Postkarte „Deutsche Jugend meldet sich freiwillig zur Waffen-SS“ wird zwar eingeblendet, doch werden die drei Söhne des Hofes als Opfer des Nationalsozialismus gezeigt, nicht als Täter.
In diesem Film wechseln verschiedenste experimentelle und phantastische Einsprengsel einander ab. So etwa eine Zeitreise, in der Tine den jüngsten Sohn motiviert, vor der Einberufung zu fliehen, um zu überleben. Doch ein Soldat mit einem roten Stern an der Mütze erschießt den Jungen in den Wiesen seines Heimatdorfs, denn der dieser nutzt sein Gewehr nicht. Tine und letztlich Laura Laabs wollen sich der NS-Geschichte und dem Nachleben stellen, doch was dabei herauskommt, irritiert. Laabs Film fällt hinter die Auseinandersetzungen mit den deutschen Kriegsverbrechen und den Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Zweiten Weltkrieg zurück. Stattdessen wird vor allem Verständnis für deutsche Opfer erzeugt.
Tines Mutter (Jenny Schily) taucht – in der Zeitebene der Gegenwart – erst am Ende des Films in einer Traumsequenz auf. Sie verschwand 1990 unter mysteriösen Umständen. Die Mutter war bei der RAF, klärt sich am Ende des Filmes. In einem alten Mantel findet Tine von ihr ein handschriftliches Rezept für Sprengstoff mit der Bemerkung: „Gelingt immer“. Tine tritt in ihre Fußstapfen, als Wiedergängerin Don Quichotes wird am Ende vermummt und zu Pferd mit einem Molotowcocktail ein Windrad zum Umfallen bringen. Die Windräder über Mecklenburgs Feldern stören schließlich doch die Optik. Zwar wird diskutiert, ob es nicht ein Problem sei, wenn man das Gleiche möchte wie die AFD, doch davon kann man sich nicht abhalten lassen. Die Windräder sind schließlich Symbol eines neoliberalen grüngewaschenen Kapitalismus.
Die LPG
Die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft mit dem Namen Glücksstern lernen wir in Rückblenden ins Jahr 1990 kennen. Im warmen Sommerlicht doch unter widrigen Umständen. Karikaturhaft, als (schlechtes) Kabarett inszeniert, ist der Auftritt der westdeutsche Berater. In pastellfarbenen Nylonhemden, mit ungelenken Bewegungen nötigen sie den Vorsitzenden Willi, die Genossen zu entlassen und die LPG in eine GmbH umzuwandeln. Willi kämpft und gibt alles, um die LPG zu retten: „Die LPG hat seit Jahren gute Arbeit gemacht“, ruft er und motiviert, noch mal anzupacken. Der goldene Weizen springt nur so in die alten Maschinen, mit seinem eigenen (West-)Geld bezahlt er die Genoss:innen, denn die LPG ist pleite. Am Lagerfeuer spielt Willi mit dem Akkordeon traurige Lieder, zum Feierabend spendiert er Schnittchen und Sekt. Zuvor gab‘s nur Korn. Alle machen mit und sind sich einig. Eine Gemeinschaft, in der alle zusammenhalten und wer hart arbeiten kann, kann auch gut feiern. Was heute oft als Wärme und Zusammenhalt in der DDR beschworen wird, ist hier vermeintliche Realität, zumindest in der Nachwendezeit. Laabs bedient hier das Ressentiment, es geht ihr nicht um faktengestützte Kritik an der Zerschlagung der LPG. Tines Mutter verschwindet in der letzten Nacht vor dem endgültigen Ende der LPG. Als ehemalige, mit Hilfe der Stasi in der DDR untergetauchte RAF-Terroristin ist sie im Osten nicht mehr sicher. Als die Landmaschinen beschlagnahmt sind, die LPG am Ende ist, spannt sich Willi selbst vor einen altertümlichen Pflug und gibt den Sisyphos. Dann ist er plötzlich verschwunden. Ist er die Moorleiche, die zu Anfang des Films aus dem Wasser gezogen wurde?
Frauen, Männer und ein Fremder
Zuerst der Bechdel-Test.[3] Gibt es zwei Frauen, die einen Namen haben, miteinander sprechen und zwar nicht über einen Mann? Kaum. Neben der – meist als Traumgestalt gezeigten - Mutter, gibt es als Gesprächspartnerin mit einen Namen nur Frau Prophet. Ihr Name ist zugleich ihre Funktion: Sie hat in einer ersten Aussage zu den Ereignissen am Bahnsteig von Bad Kleinen von einer dritten Person gesprochen, die dann verschwand. Hat sie damals die Wahrheit gesprochen, die dann unterdrückt wurde? Sie will sich nicht mehr erinnern und verschwindet auf ominöse Weise. War es wieder der Verfassungsschutz? Nun lebt der Film von seiner sehr präsenten weiblichen Heldin. Man kann argumentieren, Kritik in dem Film würden Geschlechterstereotype reproduziert und Frauen darauf reduziert, sich auf Männer zu beziehen, sei hinfällig. Tine ist diejenige, die den Handlungsverlauf bestimmt. Wenngleich sie die meiste Zeit nur mit einem Nachthemd bekleidet ist. Tine ist attraktiv, der Sex mit ihrem alten Jugendfreund aus dem Dorf und dem Archäologie-Doktoranden, der sich um die Moorleiche kümmert, werden nur angedeutet. Der plötzlich auftauchende Berliner Freund Tom, mit dem sie die Fahnen hisste, scheint abserviert. Mit dem Dorfnazi, der DEUTSCHLAND rund um seinen Hals tätowiert hat, flirtet sie, um Stärke zu beweisen. Nachdem sie das SS-Symbol auf seinem Arm gesehen hat, folgt sie ihm auf die Toilette, lässt sich eine Zigarette anzünden und öffnet sein Hemd. Dabei kommt das tätowierte Hakenkreuz ans Licht. Nun sind der linke Tom und der Dorfnazi (der repräsentativ für die größere Gruppe von Dorfnazis steht) Konkurrenten um Tine. Sie schickt die beiden in die Küche, dort koksen sie und finden zueinander. Sie sind einer Meinung: Das Problem ist die Mitte. Nicht sie sind radikal, die Mitte ist radikal und sie können mit genug Koks Freunde sein.
Es gibt für kurze Zeit eine Person im Dorf, die nicht dort aufgewachsen ist. Mischa, ein junger Archäologe, sein Herkunftsland wird nicht ausgesprochen, sondern mit postsowjetisch umschrieben. Er ist klug, sympathisch und hübsch. Kriegt aber in einer Szene, in der die vier um Tine buhlenden Männer (Martin, der Jugendfreund, Mischa, Tom und der namenlose Dorfnazi) nebeneinandersitzen von Martin auf die Fresse (der Nazi ist gerade in der Küche). Er geht zurück in sein Land. Er hat hier nichts verloren. Der Film endet mit einem völkischen Marsch aufs Feld zum Bändertanz im Kreis. Alle sind dabei: eine Volkstanzgruppe in Tracht, die Bauern, die inzwischen zu autonomen Kunstaktivisten mutierte Dorfjugend, die alten und die neuen Nazis und das Hakenkreuz wird jetzt auch offen getragen. Tine reiht sich ein (im Nachthemd). Im Hintergrund stürzt das Windrad ein, darüber zieht ein Kleinflugzeug ein Banner mit der Aufschrift „Fortschritt“.
Die Director’s note: Die Vergangenheit aus der Perspektive der Gegenwart
Laura Laabs, die aus einer Familie von privilegierten DDR-Intellektuellen stammt, hat ihrem Spielfilmdebüt eine Director’s note mitgegeben. „Mir geht es darum, die Sedimente des politischen Minenfelds offenzulegen, aus dem unsere Gegenwart besteht. Doch Geschichte spielt sich nicht nur auf den großen Bühnen der Hauptstädte und Parlamente ab. Es reicht ein Dorf, ein Haus, ein Quadratmeter deutscher Erde“, mit „Mut zur Komplexität“ will sie dazu beitragen, ostdeutsche Gegenwart zu verstehen. Doch scheint es ihr nicht zu genügen, das offen zu legen, das bei ihrem Graben in der Geschichte des Dorfes zutage kommt. Sie zielt auf Verständnis und Versöhnung. Laabs schreibt: Der Film „schlägt eine Umdeutung der jüngeren deutschen Geschichte von unten vor“. Sie will der ostdeutschen Provinz „narrative Teilhabe“ gewähren.
Die Sedimente der Geschichte, die sie hervorkehrt, sind mit Emotionen verknüpft: Dass sich die zwei der drei Söhne des Hauses, in dem Tine groß wurde, zur Waffen-SS gemeldet haben, ruft negative Gefühle hervor, doch erzählerisch wird auf Verständnis und Mitleid abgezielt: Wenigstens der Jüngste soll nicht zur SS gehen, sondern von Tine gerettet werden. Leider wird er von einem Russen erschossen. Der Nationalsozialismus ist über die Symbole und Parolen präsent, die die Dorfnazis am Körper tragen. Keinesfalls sind sie sympathisch, doch sie gehören zum Dorf. Es sind unsere Jungs. Anders als Mischa. Und auch das Sediment der oktroyierten Abwicklung der LPG gerät zu einer kitschigen Opfererzählung: Die fleißigen, lustigen, trinkfesten Bäuerinnen und Bauern der LPG wurden mit ihren prima funktionierenden Maschinen von westdeutschen Witzfiguren platt gemacht. Mut zur Komplexität ist hier nicht zu erkennen.
Nun setzt Laabs eine Szenerie ins Bild, die man auch als ironisches Diskursangebot verstehen kann. So wird am Beispiel des Widerstandes gegen die Windräder zur Diskussion gestellt, ob man diese als zerstörerische Landmarke des Westens (der Vater), als Symbol eines sich grünwaschenden Kapitalismus (Tine und Tom) oder wie die AFD (auf einer Postkarte) als Zerstörung der Heimat ablehnen, oder ob man sie stumpf mit „ist doch normal“ (die Jugendlichen) hinnehmen soll. Zur ironischen Brechung zählt auch ein punk-rockiger Song des Filmes, dessen Refrain „niemand braucht diesen Staat, niemand braucht dieses Volk, ich hasse Deutschland“ immer wieder zu hören ist – variierend mit Benjamins Zeilen zum Engel der Geschichte: „Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet.“ [4]. Distanziert sich die Regisseurin von der Volksgemeinschaft, die sie in Szene gesetzt hat? Beim sommerlichen Kreistanz auf dem Feld ist niemand mehr dabei, der nicht dazu gehört. Mischa, der einzig Fremde, ist weg. Ins Dorf Zugezogene wurden nie gezeigt. Visuell ist es ein Idyll, das lang und ausführlich am Ende des Filmes steht. Vielleicht soll der Song die Funktion der ironischen Brechung erfüllen. Mir erscheint er als musikalische Hintertür, die sich die Regisseurin offenhält. Narrativ und visuell tanzt am Ende des Films die Volksgemeinschaft in munteren Kreisen.
Das Unbehagen
Ich habe mir den Film zweimal angeschaut, beim zweiten Mal mit intergenerationeller Begleitung. Die beiden Mitschauenden fingen nach etwa einer Stunde Laufzeit an zu stöhnen und zu zappeln. Danach hatten wir viel zu diskutieren.[5] Am nächsten Tag, bekam ich noch folgende Nachricht: „Dieser blöde Film geht mir nicht aus dem Kopf. Zusammenfassend würde ich sagen, wenn die Aufgabe darin bestanden hätte, alle visuellen Gestaltungsmittel, die sie im Studium gelernt hat, mit der maximalen Anzahl von Ideen, die ihr durch den Kopf schwirren, zusammen zu schütten, ohne lange darüber nachzudenken - dann wäre das ausgezeichnet gelungen.“ Es gibt auch andere Stimmen („Einer der schönsten Filme des Jahres“, www.swr.de) und die Roten Sterne über dem Feld wurden auch ausgezeichnet, z.B. mit dem Max-Ophüls-Preis der Filmkritik. Juroren, die sich anscheinend nicht am Narrativ des Filmes stören. Meine Kritik zielt vor allem auf die historisch-fiktionale Gegenerzählung[6] die Laabs mit dem Film auf die Leinwand bringt. Mitglieder der Waffen-SS lernen wir als nette Jungs kennen, die sterben mussten; die Nazis von heute, reihen sich doch irgendwie ins Dorf ein, sind keine wirkliche Gefahr; die DDR kollabierte grundlos, er herrscht doch Wärme und Zusammenhalt; Windräder sind ein Problem, weil sie kapitalistisch sind und die Landschaft verschandelnd. Die von Laabs beabsichtigte „Umdeutung der jüngeren deutschen Geschichte von unten“, hat keinen Platz für diejenigen, die nicht in eine homogene, weiße, bio-deutsche, heterosexuelle, antimoderne Gemeinschaft passen.
Rote Sterne überm Feld
Regie und Buch: Laura Laabs, Deutschland/Österreich 2025.
(133‘)
Der Film wird derzeit von verschiedenen Streaminganbietern zum Kauf angeboten: Die Liste der Anbieter findet hier.
[1] Es sind Zeilen aus Walter Benjamins, These IX in „Über den Begriff der Geschichte“: Es gibt ein Bild von Klee, das Angelus Novus heißt. Ein Engel ist darauf dargestellt, der aussieht, als wäre er im Begriff, sich von etwas zu entfernen, worauf er starrt. Seine Augen sind aufgerissen, sein Mund steht offen und seine Flügel sind ausgespannt. Der Engel der Geschichte muß so aussehen. Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft und sie ihm vor die Füße schleudert. Er möchte wohl verweilen, die Toten wecken und das Zerschlagene zusammenfügen. Aber ein Sturm weht vom Paradiese her, der sich in seinen Flügeln verfangen hat und so stark ist, daß der Engel sie nicht mehr schließen kann. Dieser Sturm treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft, der er den Rücken kehrt, während der Trümmerhaufen vor ihm zum Himmel wächst. Das, was wir den Fortschritt nennen, ist dieser Sturm., online hier.
[2] Petra Terhoeven, Die Rote Armee Fraktion : eine Geschichte terroristischer Gewalt, München 2017, S.105.
[3] Der Bechdel-Test stellt diese Fragen, um in einfacher Weise zu prüfen, wie sexistisch/patriarchal/frauenignorierend ein Film ist.
[4] Siehe Fußnote 1.
[5] Ich danke Annette Leo und Marek Enzenbach.
[6] Gideon Botsch, Die historisch-fiktionale Gegenerzählung des radikalen Nationalismus, in: In: Jahrbuch für Politik und Geschichte, (2011) 2, S. 27-40.
Zitation
Isabel Enzenbach, Wenn Walter Benjamin für Ostalgie herhalten muss. „Rote Sterne überm Feld“. Eine deutsch-deutsche Geschichte, in: zeitgeschichte|online, , URL: https://zeitgeschichte-online.de/wenn-walter-benjamin-fuer-ostalgie-herhalten-muss