Die Spiele im Schnee standen lange Zeit im Schatten des sommerlichen Ereignisses – erst als Nachzügler hatte sich das winterliche Pendant zu den „Olympischen Spielen der Neuzeit“, die bereits seit 1896 ausgetragen wurden, konstituiert: Zwei Jahre nach ihrem Stattfinden wurden Wettkämpfe im französischen Chamonix 1924 zu olympischen Winterspielen deklariert und damit ein neues Format für die olympische Bewegung erschaffen. Wie sehr die Winterspiele anfänglich als Anhängsel galten, ist daran zu ermessen, dass der Ausrichter der Sommerspiele zugleich das Vorrecht besaß, auch den Wintertermin zu veranstalten: Auf diese Weise kamen die Kombinationen Chamonix/Paris 2024, Lake Placid/Los Angeles 1932 und Garmisch-Partenkirchen/Berlin 1936 zustande (die Niederländer hatten 1928 verzichtet, so dass neben Amsterdam im Jahr 1928 St. Moriz zum Zuge kam.) Ähnlich den Sommerspielen erweiterte sich langsam das disziplinäre Portfolio:
Bob, Eislaufen, Eishockey, Skispringen, Langlauf, Nordische Kombination und Eisschnelllauf waren von Beginn an am Start. Nach langem Widerstand der im Nordischen Skisport exzellenten Skandinavier konnten die Schweiz und Österreich erstmals 1936 die Integration des Alpinen Skisports durchsetzen. Die sogenannte „Militärpatrouille“ war ebenfalls bereits in den ersten Wettbewerben zu sehen – bis sie 1960 als Biathlon fest ins Programm integriert wurde. 1964 folgte Rennrodeln, 1998 Snowboarden – in Cortina wurde erstmals Skibergsteigen olympisch.[1]
Die Geschichte der olympischen Wintertreffen war seit Ende des Zweiten Weltkriegs auch durch die Vereisungen des Kalten Krieges geprägt. Ursprünglich war es alles andere als ausgemacht gewesen, dass sich der Ost-West-Konflikt auch in der olympischen Arena niederschlagen würde. Denn bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs verweigerte die Sowjetunion den Anschluss an die aus ihrer Sicht bürgerlich-imperialistische olympische Bewegung und setzt dem ihre Tradition der sozialistischen Körperkultur und Völkerspartakiaden entgegen. Doch nachdem Stalin erkannte, welch wirkungsvolle Bühne das zyklisch wiederkehrende Sportereignis bot, schwenkte auch der sozialistische Sport in das olympische Fahrwasser ein. Und die schon aus topographischen Gründen im Wintersport reüssierende Sportmacht Sowjetunion setzte sich gleich bei ihrer ersten Teilnahme bei Winterspielen, in Cortina 1956, an die Spitze der Medaillentabelle.
Ein Dauerärgernis blieb das deutsch-deutsche Verhältnis: war es dem bundesdeutschen NOK gelungen, mittels des westdeutschen Alleinvertretungsanspruchs die DDR von den Spielen 1952 fernzuhalten, so verfügte IOC-Präsident Avery Brundage bald als Kompromiss, bei den nächsten olympischen Treffen ein gesamtdeutsches Team aufzustellen. Dies belastete auch die Winterspiele in Cortina (1956), Squaw Valley (1960) und Innsbruck (1964), denn beide Seiten wetteiferten um die höhere Anzahl von Teilnehmer*innen im olympischen Kader. Die DDR-Delegationsleitung wachte zudem darüber, dass es keine Kontakte zu den bundesdeutschen „Klassenfeinden“ im Team gab – eine höchst unglückliche olympische Ehe also, die jedoch auch nicht mehr als drei olympische Saisons überstand, so war bereits das letzte gesamtdeutsche Team 1964 im Angesicht des Mauerbaus 1961 zur Farce erstarrt.[2]
Republikfluchten: Innsbruck 1964 und Grenoble 1968
Die Mauer war errichtet worden, da dem SED-Regime die Menschen davonliefen, Tausende waren es Ende der 1950er Jahre. Und auch im Spitzensport suchten immer wieder Spitzenkräfte das Weite, was aus Sicht der Funktionäre ein schwerer Imageschaden war: Politisch peinlich war es, wenn ein „Diplomat im Trainingszug“ der DDR es vorzog, den Lebensweg beim „Systemgegner“ fortzusetzen. Sportlich ärgerlich wirkte sich zudem aus, dass die Abtrünnigen sich künftig dem Team des westdeutschen Gegenübers anschließen konnten.
Bereits die letzte gesamtdeutsche Wintermannschaft in Innsbruck 1964 belastete eine solche „Republikflucht“: Die gesamtdeutsche Olympia-Mannschaft hatte sich hocherfolgreich bei den Rennrodelwettbewerben gezeigt: Zwei Gold-, zwei Silber-, eine Bronzemedaille war die Bilanz. Insbesondere die ostdeutschen Schlittensportler*innen glänzten. Ortrud Enderlein und Thomas Köhler errangen den Olympiasieg. Die nicht zum Einsatz gekommene DDR-Spitzenrodlerin Ute Gähler nutzte die Zeit, um sich heimlich vom Team abzusetzen: Schon lange fühlt sie sich von den Funktionären drangsaliert. Zuletzt hatte man noch am Wettkampfort in Innsbruck mit ihr ein „Tribunal“ veranstaltet, da sie Post von ihrer „West-Verwandtschaft“ erhalten hatte. „Diese Bespitzelung – das kann ein Mensch nicht aushalten“, schilderte sie rückblickend ihre damalige Verfassung. Abgeschreckt durch die Fehlinformation, Österreich werde Flüchtige ausliefern, ließ sie sich von einem bundesdeutschen Teamkameraden unter einer Decke versteckt im VW-Käfer über die Grenze nach Rottach-Egern schmuggeln. Im olympischen Lager fiel ihr Fehlen bald auf – auch weil Gähler treuherzig ihre Zahnbürste eingepackt hatte. Der westdeutsche Boulevard stürzte sich auf die Neuigkeit: „Zonen-Rennrodlerin blieb im Westen“, titelte die Bild-Zeitung. Zwei Jahre lang blieb sie im Visier des Verfassungsschutzes: Für Ute Gähler blieb unklar, ob man sie vor einer Entführung durch die Stasi schützen wollte, oder sie selbst für eine Spionin hielt. „Viele haben mich gefragt, hast Du es bereut, dass Du in der Bundesrepublik geblieben bist?" Der Preis für ihre Familie war zweifellos hoch: Ihre Mutter litt, als Tochter einer „Verräterin“ unter der sozialen Isolation in der Heimatstadt. 1968 war die Athletin wieder bei den Olympischen Winterspielen dabei – in Grenoble startete sie nun für das bundesdeutsche Team, für das sie einen achten Platz erreichte.[3]
Die Mühsal und Querelen der gesamtdeutschen Mannschaften waren 1968 vorüber, DDR und Bundesrepublik traten unabhängig voneinander an, und vor allem die Medaillen wurden künftig getrennt gezählt. In Grenoble sollte die DDR das erste und einzige Mal im Medaillenranking hinter der Bundesrepublik bleiben – in den kommenden Jahren gelang es ihr durchgehend, sich in der Medaillenbilanz bei allen Sommer- und Winterspielen vor den bundesdeutschen „Polarisierungszwilling“ zu schieben.
Angesichts der neuen, offenen Rivalität erreichte das innerdeutsche Klima 1968 den absoluten Gefrierpunkt. Hierzu hatte auch eine weitere Flucht beigetragen: denn kurz vor Beginn der Spiele verschwand Ralph Pöhland, die große Hoffnung der Nordischen Kombinierer in der DDR, aus einem Trainingslager in der Schweiz. Auch er wollte der Enge der SED-Diktatur entfliehen, allerdings wurde sein Abgang tatkräftig vom bundesdeutschen Skisport unterstützt. „Abwerbung“ – diese stereotype Propagandaformel, mit der die SED-Agitation jede Flucht als Ergebnis westlicher Machenschaften und „Menschenhändler“ wegerklärte – dieses Schlagwort hatte hier tatsächlich einmal einen Sitz in der Wirklichkeit. Denn als Raph Pöhland um Mitternacht im Januar 1968 vom Balkon seines Teamhotels im schweizerischen Les Brassus sprang, wartete unten bereits ein prominenter Fluchthelfer im startbereiten Porsche: Georg Thoma, bundesdeutscher Ski-Weltmeister von 1966. Thoma war nicht aus eigenem Antrieb zur Stelle, sondern auf Weisung des westdeutschen Skiverbandes. Ralph Pöhland schätzte die Konstellation rückblickend so ein: „Durch meine Flucht hatten die Westdeutschen bei der ersten olympischen Konkurrenz mit der DDR einen wichtigen Gegner weniger“. Das SED-Regime rächte sich bitter an Pöhlands Eltern. Fristlos verloren sie ihre Anstellungen in volkseigenen Betrieben. Die Akte, die das MfS über Pöhland führte, enthüllt auf jeder Seite die Perfidie der Machthaber. Das Regime erließ Haftbefehl, das MfS durchsetzte das Umfeld der Familie in der DDR mit Inoffiziellen Mitarbeitern.
Pöhland wurde für die Spiele von Grenoble gesperrt. Ein erwartbarer Schritt. Der letzte Eintrag in seiner Stasi Akte stammt aus dem Jahr 1985, dort firmierte der Vorgang - noch 18 Jahre nach Pöhlands Flucht - unter „Operative Personenkontrolle - Verräter".[4]
Und noch ein weiterer Ost-West-Konflikt brach während der Spiele auf: Die Rodlerinnen aus der DDR wurden von einem polnischen Kampfrichter disqualifiziert: Sie sollten, so der Vorwurf, ihre Kufen erhitzt haben, um sich einen unrechtmäßigen Vorteil zu verschaffen. Die DDR ließ ihre Sportlerinnen empört Eid versichern, dass ihre Schlitten nicht manipuliert worden seien. Vom Ausschluss der DDR-Sportlerinnen profitierten dann ausgerechnet zwei bundesdeutsche Athletinnen, die nun Silber und Bronze erhielten. Die DDR-Propaganda schäumte, wähnte eine Intrige und einen „Bonner Anschlag auf DDR-Rodlerinnen“.[5] Die Ereignisse wurden nie ganz aufgeklärt.
1984 DDR-Triumph in Sarajewo
Im Februar 1984 ereignete sich eine sportpolitische Sensation, als es der DDR bei den Winterspielen in Sarajevo gelang, sich erstmals auf Rang eins der Medaillenliste zu schieben. Sarajevo war von Beginn an als ein besonderer Höhepunkt für die Annalen der Sportgeschichte erwartet worden, entsprechend umfassend war die Berichterstattung in Fernsehen, Rundfunk und Printmedien.[6] Die von der DDR schließlich erkämpften 24 Auszeichnungen waren mehr, als je zuvor vom SED-Staat bei Winterspielen erreicht wurden. Mit neun Gold-, neun Silber- und sechs Bronzemedaillen stellte die DDR damit zudem die erfolgreichste Mannschaft der Wettkämpfe in Jugoslawien – und hatte damit vor allem sogar den „großen Bruder“, der eigentlich auf Platz 1 abonniert war, geschlagen. Beim festlichen Empfang erklärte Egon Krenz als Mitglied des Politbüros und für Sport zuständiger Sekretär des ZK der SED, dass mit den Leistungen zugleich der „35. Geburtstag unserer DDR“ gewürdigt werde. Andere freuten sich weniger. So nahmen die Sowjets den Coup ihres Satellitenstaates alles andere als erbaut auf – denn die „Klassenfeinde“ Bundespublik und USA hinter sich zu lassen, war hochwillkommen, nicht jedoch die Degradierung der sozialistischen Führungsmacht im Sport. Konsequenzen blieben nicht aus: So erinnerte sich der ostdeutsche Olympiasieger und Sportfunktionär Thomas Köhler, dass die Wintersportler der DDR künftig „keine Flocke sowjetischen Schnees“ mehr zu sehen bekamen, als sie im nächsten Olympiazyklus vergeblich darum baten, erneut zu Trainingswochen in die sowjetischen Höhenlagen einreisen zu dürfen.[7]
Zudem versuchte die eifersüchtige Hegemonialmacht, nun das offenkundig erfolgreichere Dopingsystem der DDR zu sabotieren oder zumindest zu erschweren.[8] Der Sieg von Sarajewo war mithin ein Faktor, der in den kommenden Jahren zu einem Zerwürfnis zwischen DDR und Sowjetunion beitrug. Während das Lächeln der Eisläuferin Katarina Witt beim Olympiasieg von 1984 den größten Triumph der Sportmacht der DDR symbolisierte, sollte der erzwungene Boykott der Sommerspiele im gleichen Jahr die wohl bitterste sportpolitische Unterwerfung des SED-Staats unter den Willen der Sowjetunion darstellen. Ein Ereignis kann, wenn auch nur in der Retrospektive, als böser Vorbote betrachtet werden: Am 15. Februar 1984, noch während der Spiele, wehten in Sarajewo die Flaggen auf Halbmast – denn der Tag der Beisetzung des am 9. Februar verstorbenen sowjetischen Staatschef Juri Andropow wurde zum Trauertag erklärt. Der Tod des Befürworters einer Teilnahme in Los Angeles machte den Weg frei für eine erbitterte und fatale Diskussion, an deren Ende für zahlreiche sozialistische Staat ein unfreiwilliger Boykott der Spiele 1984 stand.[9] Und in Ost und West machte das Gerücht die Runde, dass die Sorge der Sowjetunion, erneut der DDR unterlegen zu sein, eines der Motive für die Boykottentscheidung gewesen sei.[10]
In der Propaganda-Schleife
Im Jahr 1987 schienen die eingespielten Mechanismen des Ost-West-Konflikts kurzzeitig aufzubrechen. Erich Honecker besuchte die Bundesrepublik und ein von SED und SPD verfasstes Papier „Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit“ suchte nach Verständigung. Im Apparat des Leistungssports machte sich Verunsicherung breit. Diskutiert wurde insbesondere, welche Konsequenzen aus der Formulierung „statt Propagierung pauschaler Feindbilder und der Weckung von Bedrohungsängsten“ für die Schulung im Leistungssport abzuleiten seien. Besonders diejenigen, „die jahrelang als ein wichtiges Anliegen der politisch-ideologischen Arbeit mit den Sportlern die Herausbildung klarer Feindbilder angesehen“ hatten, äußerten nun „Zweifel und Unklarheiten“ im Hinblick auf ihre künftigen Aufgaben.[11] Weltanschauliche Konstanten drohten ins Wanken zu geraten. Am Ende fiel man in die Muster der politischen Abgrenzung zurück, weshalb es kurz vor den letzten Winterspielen im Kalten Krieg zum Skandal kam: In einer von zwei Professoren der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport verfassten Anleitung für das Verhalten bei den Olympischen Winterspielen 1988 im kanadischen Calgary wurden die martialischen Bedrohungsvorstellungen reaktiviert. Die vertrauliche Handreichung an Funktionäre und Trainer forderte als Stimulans ausdrücklich „die Festigung und Aktualisierung prinzipieller Feindbilder“. Das Papier war das Gegenbild zur stilisierten Fassade des völkerverbindenden Sports. Der Spiegel machte den Vorgang öffentlich, der DDR-Sport versuchte, die eigene Vorgabe als „provokatorische Erfindung“ zu verharmlosen.[12] Wie intakt die Propagandamaschinerie des DDR-Sports bis zuletzt noch war, davon zeugt eine Kampagne aus dem Sommer 1989: Im Mittelpunkt stand der eigene Goldsieger der Olympischen Winterspiele 1976 in Innsbruck, der Skispringer Hans-Georg Aschenbach. Er hatte sich 1988 ebenfalls in den Westen abgesetzt und über die Dopingmethoden der DDR öffentlich berichtet. „Das ist die Antwort unserer Athleten auf solchen Schmutz“, titelte die Junge Welt. Darunter fanden sich Statements von DDR-Größen wie Jens Weißenflog, der mit der Aussage zitiert wurde: „Ich sage, daß Aschenbach lügt.“[13] Als bald darauf das DDR-System zerbrach, wurde deutlich, dass Aschenbach die Wahrheit gesagt hatte.
Als die olympischen Winterspiele 1992 in Albertville begannen, lag eine historische Jahrhundertzäsur hinter allen Beteiligten. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und mit dem Weg in die deutsche Einheit war auch der Sport in West- und Ostdeutschland fusioniert. Und wenn auch das Sportsystem der Bundesrepublik mit dem Vereinssport als Basis nun die neue Grundlage stellte, hofften doch viele, die enorm erfolgreichen Elemente des DDR-Sports zu „retten“ – in abgewandelter Form wurden etwa die Kinder- und Jugendsportschulen fortgeführt. Vor allem hoffte der vereinte Sport auf das Potential der ostdeutschen Athlet*innen im ersten vereinten Team seit 1964. Und tatsächlich gelang die Sensation. Als der letzte Wettkampf in den französischen Alpen vorüber war, stand der Triumph fest: Erstmals überhaupt in der olympischen Geschichte hatte es eine Mannschaft unter der Flagge der Bundesrepublik geschafft, sich unangefochten auf Platz 1 der Medaillenliste zu setzen. Die „Asse aus dem Osten machten Deutschland zur Wintersportnation Nummer eins“, schrieb die Neue Zeit am 24.2.1992.[14]
Doch noch während der Winterspiele hatte die Vergangenheit ihren Schatten auf die Gegenwart geworfen: Denn just im gleichen Monat, im Februar 1992, öffnete der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BStU) erstmals seine Türen für eine Akteneinsicht. Der DDR-Sport, der aufgrund der notorischen Sorge vor „Republikfluchten“ mit Fäden der Staatssicherheit eng durchwirkt gewesen war, stand nun vor der Aufarbeitung der Geheimdienstaktivitäten. Noch während der Wettkämpfe in Albertville geriet ein Bobpilot aufgrund seiner Stasi-Kontakte ins öffentliche Kreuzfeuer[15] – es sollte der Auftakt für kaum zählbare ähnliche Enthüllungen in den folgenden Jahren sein.
Das Jahr 1992 bedeutete in vielerlei Hinsicht eine olympische Zäsur: Die Deutschen waren wieder sportlich vereint. Teile der ehemaligen „UdSSR“ traten im olympischen Jahr 1992 erstmalig und letztmalig als „Vereintes Team“ an (Russland, Ukraine, Kasachstan, Armenien, Usbekistan und Belarus). Vor allem aber nahte das nächste Winter-Olympia nun bereits nach zwei Jahren im norwegischen Lillehammer: Denn 1986 war beschlossen worden, die Winterspiele ab 1994 im Wechsel mit den Sommerspielen stattfinden zu lassen. Die Spiele in Schnee und Eis hatten sich damit endgültig als Sportereignis emanzipiert, eine „neue olympische Zeitrechnung“ begann.[16]
[1] Vgl. David Goldblatt: Die Spiele. Eine Weltgeschichte der Olympiade. Göttingen 2016.
[2] Vgl. Jutta Braun: Wettkampf der Systeme. Sport im geteilten Deutschland. Berlin 2024.
[3] Zur Biografie von Ute Gähler und den Zitaten siehe den Ausstellungskatalog: Jutta Braun/René Wiese/Claudia de la Garza: ZOV Sportverräter. Spitzensportler auf der Flucht. Berlin 2011.
[4] Zu Ralph Pöhland: Jutta Braun: Sportler zwischen Ost und West, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 29/30 2008, S. 38-45.
[5] Bonner Anschlag auf DDR-Rodlerinnen. Erlogene Anschuldigungen sollen das Ansehen der DDR-Mannschaft schädigen. Berliner Zeitung, 14.2.1968.
[6] Über 15 Stunden täglich mit Sarajevo verbunden. Berliner Zeitung, 2.2.1984.
[7] Thomas Köhler: Zwei Seiten der Medaille. Thomas Köhler erinnert sich. Berlin 2010, S. 166.
[8] Hans Joachim Teichler: Bruderzwist an der Doping-Front – Die Doppelmoral der Sport-Supermächte: Als die Sowjetunion der DDR das Handwerk legen wollte, in: Seppelt, Hans-Joachim/Schück, Holger (Hg.): Anklage: Kinderdoping: das Erbe des DDR-Sports. Berlin 1999, S. 299-306.
[9] So urteilt auch Robert Edelmann: „Even before he assumed power in 1982, Andropov had favoured participation, and he fully supported the intensive preparations Soviet athletes were making for 1984. His death on February 9, 1984, spelled danger for Los Angeles-1984.” Robert S. Edelman: The Russians Are Not Coming! The Soviet Withdrawal from the Games of the XXIII Olympiad, in: International Journal of the History of Sport 32 (2015) 1, S. 9-36, hier S. 12.
[10] Vgl. Jutta Braun: East Germany´s Struggle on the Boycott Frontline, in: Journal of Olympic Studies 7 (2026) 1, S. 107-124 (i.E.).
[11] Braun, Wettkampf der Systeme, S. 32-33.
[12] Festigung prinzipieller Feindbilder, in: Der Spiegel, 25.1.1988.
[13] Das ist die Antwort unserer Athleten auf diesen Schmutz, in: Junge Welt, 30.6.1989.
[14] Albertville erlebte historische Spiele. Neue Zeit, 24.2.1992.
[15] Stasi-Lawine erreicht nun auch Albertville. Neue Zeit, 8.2.1992.
[16] Albertville steht am Beginn einer neuen olympischen Zeitrechnung. Berliner Zeitung, 3.2.1992.
Zitation
Jutta Braun, Politische Eiszeiten . Vom Kalten Krieg zum ersten vereinten Team (Teil 2), in: zeitgeschichte|online, , URL: https://zeitgeschichte-online.de/politische-eiszeiten