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Foto: Director of the Berlinale Dieter Kosslick 2018 von Harald Krichel. Quelle: Wikimedia Commons. Lizenz: CC BY-SA 4.0

„It´s time for a change - again?“
Der Anfang vom Ende des „Besten Gastgebers der Welt“. Über die Neubesetzungsdebatte des langjährigen Berlinale Direktors Dieter Kosslick
von
Rebecca Wegmann
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Veröffentlicht am 23. Juni 2018

Die NachfolgerInnen des noch amtierenden, aber bald scheidenden Festivaldirektors der Berlinale Dieter Kosslick stehen fest. Kulturministerin Monika Grütters gab am Freitag, den 22. Juni 2018 bekannt: Es wird erstmals eine Doppelspitze geben. Die künstlerische Leitung, das war bereits Anfang der Woche durchgesickert, wird künftig bei Carlo Chatrian liegen. Der 46 Jahre alte Italiener hatte seit 2012 sehr erfolgreich die Locarno Filmfestspiele geleitet. Wieder ein Mann, dem nun aber eine Frau beiseitegestellt wird. Für die geschäftsführende Leitung ist die gebürtige Niederländerin und Münchner Film-Managerin Mariette Rissenbeek berufen. Anlässlich der Postenverkündung der neuen Festivalleitung schaut Zeitgeschichte-online auf die die Neubesetzung initiierende Debatte um den langjährigen Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.

Ein langer schwarzer Mantel, auf dem Kopf ein schwarzer Hut und um den Hals sein markantestes Markenzeichen: ein roter Schal. Wer kann das nur sein? Für deutsche FilmliebhaberInnen keine schwere Frage: Der langjährige Direktor der Internationalen Filmfestspiele Berlin Dieter Kosslick besitzt Charme und hat Wiedererkennungswert. Die Presse feiert ihn als „Mister Gute Laune“, „Schwäbische Frohnatur“ oder titelt ihn als „Besten Gastgeber der Welt“. Alle Jahre wieder holt Dieter Kosslick, seit 2001 Festivaldirektor der Berlinale, die Stars und Sternchen aus Hollywood ins kalte Berlin, um mit ihnen die Internationalen Filmfestspiele Berlin, die neben Cannes und Venedig als eines der drei großen A-Filmfestivals weltweit gehandelt werden, zu feiern. Zwar wurden in seiner sechzehnjährigen Amtszeit immer mal wieder kritische Stimmen gegen Kosslick und dessen künstlerische Leitung des Festivals laut. Aber spätestens im Angesicht der euphorischen Festivalstimmung, wenn führende Filmschaffende der internationalen und nationalen Filmbranche sich in Berlin feiern lassen und das Publikum in Scharen in die Kinosäle pilgert, verebbten die Vorwürfe - bisher. Doch eine kritische Erklärung vom 24. November 2017, die sich im fordernden Ton für die Neubesetzung der Position der Berlinale-Direktion aussprach, traf den „Gute Laune Direktor“ als öffentliche Misstrauenserklärung gegen seine Person wohl mitten in sein filmliebendes Herz. Sein siebzehntes Amtsjahr war für Dieter Kosslick sein turbulentestes: Die Debatte um seine Person entfachte tiefgreifenden Ärger, Unsicherheit und verletzte Gemüter in der deutschen Filmbranche. Bis Ende Januar überschattete die Personal-Debatte Kosslick, um seine Nachfolge und sein Erbe, die Vorbereitungen für die 68. Internationalen Filmfestspiele in Berlin.

Die Anklage

Am 24. November 2017 veröffentlichte SPIEGEL-Online eine Erklärung von 79 bedeutenden und aufstrebenden Filmschaffenden[1], die eine Neubesetzung der Leitungsstelle und die inhaltliche Neuformierung des Berliner Filmfestivals forderten. Der genaue Wortlaut der Erklärung der Filmschaffenden lautet:

„Die Berlinale ist eines der drei führenden Filmfestivals weltweit. Die Neubesetzung der Leitung bietet die Chance, das Festival programmatisch zu erneuern und zu entschlacken. Wir schlagen vor, eine internationale, zu gleichen Teilen mit Frauen und Männern besetzte Findungskommission einzusetzen, die auch über die grundlegende Ausrichtung des Festivals nachdenkt. Ziel muss es sein, eine herausragende kuratorische Persönlichkeit zu finden, die für das Kino brennt, weltweit bestens vernetzt und in der Lage ist, das Festival auf Augenhöhe mit Cannes und Venedig in die Zukunft zu führen. Wir wünschen uns ein transparentes Verfahren und einen Neuanfang.“[2]

Der offene Brief wurde als direkte Kritik an Dieter Kosslick und seiner Führungsposition verstanden. Die Filmschaffenden forderten angesichts des ihrer Ansicht nach sinkenden Prestiges einen grundlegenden Neuanfang der Filmfestspiele. Dabei haben viele der Unterzeichnenden in der Ära Kosslick ihre Filme selbst auf der Berlinale präsentiert und von dem ungeheuren internationalen Ansehen der Berlinale profitiert. Gestandene Filmemacher wie Volker Schlöndorff, aber auch jüngere Regisseure wie Fatih Akin, der mit seinem Film „Gegen die Wand“ auf der Berlinale 2004 einen Goldenen Bären gewann, finden sich unter den KritikerInnen. Mit der Erklärung wollen sie dem von ihnen formulierten Bedeutungsverlust der Festspiele entgegenwirken. Die ihrer Meinung nach sinkende Geltung der Berlinale schieben die Erklärenden vor allem auf die etwaigen Progamm- und Sektionserweiterungen, die besonders der „Beste Gastgeber der Welt“ Dieter Kosslick enthusiastisch vorangetrieben habe. Das Festival sei nun zu einem wuchernden Wald der Sektionen und Sonderveranstaltungen geworden der von Panorama, Generation, Forum, neben historischen und lokalen Sparten Perspektive Deutsches Kino, Retrospektive und Hommage über das publikumsnahe Berlinale goes Kiez bis hin zum weithin kritisierten Kulinarischen Kino reicht und in dem sich sowohl viele Berlinale-BesucherInnen als auch das Fachpublikum, nach Meinung der KritikerInnen, verirren würden. Vor der Unübersichtlichkeit des Berlinale-Programms verliere gerade der wirkungsmächtige Wettbewerb an Aufmerksamkeit und Bedeutung, so der Vorwurf. Hinzu komme, dass im internationalen Vergleich mit den Internationalen Festspielen in Venedig und in Cannes das Staraufgebot der letzten Festivaljahre der Berlinale eher mager ausfalle. Von einem programmatischen Neuanfang versprechen sich die erklärenden Filmschaffenden, das inhaltliche Profil des Festivals zu stärken und zu konzentrieren. Mit dem offenen Brief der FilmemacherInnen wurde der Wunsch nach mehr Transparenz und Partizipation bei der Neubesetzung der Festspielleitung laut. So wurde seit November 2017 öffentlich über Dieter Kosslicks Position als Direktor eines der größten und bedeutendsten Filmfestivals der Welt und dessen Zukunft diskutiert und viel spekuliert. Fragen danach, wie das Profil eines Filmfestivals mit Weltgeltung in der deutschen Hauptstadt zukünftig zu gestalten sei und wer als potentielle Nachfolge Kosslicks in Betracht gezogen wird, kursierten in der deutschen, aber auch internationalen Presse. Der Aufsichtsrat der KBB Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin sprach Dieter Kosslick in seiner Position als Berlinale Direktor im November geschlossen sein Vertrauen aus und distanzierte sich von dem kritischen Aufruf. Tom Tykwer, Produzent der deutschen Serie “Babylon-Berlin” und diesjähriger Präsident der internationalen Berlinale-Jury, gehörte ebenfalls nicht zu der Gruppe der kritischen UnterzeichnerInnen. Auch die deutschen Filmregisseure Dominik Graf und Andreas Dresen bekundeten öffentlich ihre Unterstützung Kosslicks in der Debatte.[3] Und im Ausland trifft die Debatte um Kosslicks Person auf großes Unverständnis.

Andererseits: Die Berliner Filmfestspiele manifestieren einen der wichtigsten kulturellen Höhepunkte des Jahres in der Hauptstadt und sind immer noch - oder vor allem - unter Kosslicks kuratorischer Leitung zum Publikumsmagneten avanciert. Jedes Jahr im Februar pilgern die FilmliebhaberInnen von nah und fern, aus ganz Europa und weltweit nach Berlin, um die Filmfestspiele zu besuchen und die Festivalstimmung und Filmeuphorie in der deutschen Hauptstadt mitzuerleben. Besonders beliebt unter den Cineasten sind die Festspiele aufgrund ihrer einzigartigen Mischung aus Wettbewerbs- und Publikumsfestival. Als internationaler Filmwettbewerb vergibt die Berlinale wie auch die Internationalen Filmfestspiele von Cannes, die im Mai die Goldene Palme verleihen und den Internationalen Filmfestspielen von Venedig, die im September den Goldenen Löwen verleihen, jedes Jahr den Goldenen Bären. Gleichzeitig gilt die Berlinale als das größte Publikumsfestival weltweit. Als Wettbewerbsfestival unterscheiden sich die Berliner Filmfestspiele von anderen führenden Publikumsfestivals wie zum Beispiel dem Internationalen Film Festival in Toronto ohne Wettbewerb.

„It is time for a change! - Again?“

Seit Mai 2001 stehen die Internationalen Filmfestspiele Berlin unter der künstlerischen und organisatorischen Verantwortung von Dieter Kosslick. Der gebürtige Schwabe, der dieses Jahr am 30. Mai 70 Jahre alt wurde - man könnte meinen, noch kein Rentenalter - studierte Politik, Kommunikationswissenschaften und Pädagogik an der Universität München. Bis 1979 blieb er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität tätig. Danach zog es ihn als Redenschreiber und Büroleiter des damaligen Hamburger Bürgermeisters Hans-Ulrich Klose in den Norden Deutschlands. Später wurde er Pressesprecher der Leitstelle für die „Gleichberechtigung der Frau“ in Hamburg. Seit 1983, nunmehr 35 Jahren, ist Kosslick in der Filmförderung tätig. Zunächst als Geschäftsführer der kulturellen Filmförderung Hamburg. 1992 wechselte er das Bundesland und wurde Geschäftsführer der gerade neugegründeten Filmstiftung Nordrhein-Westfalen. Im Jahr 2000 schließlich beauftragten das Land Berlin gemeinsam mit der damaligen Bundesregierung den mittlerweile sehr erfahrenen Cineasten, die Leitung der Internationalen Filmfestspiele Berlin zu übernehmen. Die aktuelle Kritik kommt interessanterweise aus jenen Reihen deutscher Filmschaffender, die bereits Kosslicks Vorgänger kritisiert hatten. Als Kosslick das Amt am 1. Mai 2001 übernahm, war er der vierte Mann, der die Direktionsposition der Berlinale antrat. Im Sommer 1951 debütierte die Berlinale unter der kuratorischen Leitung des Filmhistorikers Alfred Bauer (1911-1986), der 1976 - nach 25 Jahren Amtszeit - mit 65 Lebensjahren in den Ruhestand ging. Ihm folgte der Filmkritiker und Publizist Wolf Donner (1939-1994) in das Amt der Festspielleitung. Donners kurze Amtszeit, er blieb nur zwei Jahre von 1976 bis 1978 im Amt, war turbulent und folgenreich. Viele kuratorische Veränderungen fielen in seine Amtszeit. Unter anderem veranlasste Donner die Terminverlegung der Filmfestspiele von einem Zeitpunkt, an dem das Festival zwischen Cannes und Venedig eingezwängt war, auf den damals viel attraktiveren Februar. Auf Donner folgte als dritter Festspieldirektor und unmittelbarer Vorgänger Kosslicks der Schweizer Moritz de Hadeln [4](1940*), unter dessen künstlerischer Leitung die Internationalen Filmfestspiele Berlin im Jahr 2000 ihr 50. Jubiläum feierten. Auch de Hadelns Abgang wurde von kritischen Stimmen gegen seine Person eingeläutet, die unter der Parole „It´s time for a change“ eine Veränderung der Berlinale und ihres Programms forderten.[5] Im Jahr 2001 war es Dieter Kosslick, der die eingeforderten Veränderungen der Filmfestspiele und frischen Wind ins Programm brachte. Dieter Kosslick war es, der die deutsche Filmbranche, die unter de Hadelns Leitung der Berlinale misstrauisch und ärgerlich gegenüberstand, mit dem Festival aussöhnte. Damals war er der „Erneuerer“.

„Mr. Berlinale“ - Ein Direktor auf der Anklagebank

Dieter Kosslick reagierte am 24. November 2017 auf die kritische Erklärung gegen seine Person im ersten Augenblick gewohnt gut gelaunt und erstaunlich verständnisvoll:

„Ich kann den Wunsch der Regisseur*innen nach einem transparenten Prozess der Neugestaltung der Berlinale verstehen. Die Zukunft der Berlinale ist uns allen ein Anliegen. Das Berufungsverfahren liegt in Händen der Staatsministerin für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters. Mein Vertrag endet am 31. Mai 2019. Der Aufsichtsrat hatte mich aufgefordert, einen Vorschlag zu einer möglichen Neustrukturierung der Berlinale zu unterbreiten. Diesen Vorschlag werde ich – völlig unabhängig von meiner Person – dem Aufsichtsrat vorlegen.“[6]

Dennoch, der Mann mit dem roten Schal ist verletzt, seine Leitungsposition angeschlagen. In der zum Teil sehr hässlichen Diskussion über seine Person versuchte Kosslick, seinen Humor und die gute Laune, die er als „bester Gastgeber der Welt“ für die 68. Filmfestspiele in Berlin braucht, nicht zu verlieren.[7] Nach eigenen Aussagen messe er seinen Erfolg nicht an der Beurteilung anderer, sondern an den Reaktionen des Publikums der Berlinale.[8] Und die Publikumszahlen der Filmfestspiele seiner Amtszeit sprechen für ihn. Allein im Jahr 2017 wurden insgesamt 334.478 Tickets verkauft. Viele BesucherInnen stehen – unter Umständen Stunden lang - an den Berlinale Ticketkassen Schlange, um Karten für die Berlinale-Filme zu erstehen. Die 67. Berlinale hatte 496.471 Kinobesucher, die 365 Filme der Berlinale gesehen haben. Die diesjährige 68. Berlinale 2018 zählte 489.791 Kinobesucher, 332.403 verkaufte Kinokarten der rund 380 gespielten Filme. Auch wenn viele der im November formulierten Vorwürfe, die die Probleme und Schwierigkeiten der Berlinale offenlegen, nicht vollkommen unberechtigt und aus der Luft gegriffen sind, die Errungenschaften Kosslicks als Berlinale-Direktor überwiegen bei weitem. Er krempelte bei seinem Amtsantritt im Jahr 2001 das Festivalprogramm gründlich um. Unter seiner Leitung zog die Berlinale 2000/2001 zum Potsdamer Platz, weil es rund um den Zoo-Palast zu eng geworden war. Kosslick ließ das Filmfestival neue, unbekannte Wege in Richtung Digitalisierung gehen. Er beendete die Provinzialität des Filmfestivals und machte es hauptstädtischer. Schon damals per Du mit den Stars und Sternchen dieser Welt brachte er Glanz und Glamour zurück nach Berlin. Unter der Leitung des Charmeurs Kosslick wurden die Filmfestspiele generalüberholt und erhielten ein attraktives und charmant lockendes Profil. Von der bereits genannten Versöhnung der deutschen Filmbranche mit dem Filmfestival einmal abgesehen, stellte sich die Berlinale unter Kosslicks Hand zunehmend der Verantwortung eines gesellschaftskritischen und politischen Filmfestivals.[9] Zudem sorgt Kosslick seit Jahren dafür, dass im Februar die internationale Filmbranche nicht nur nach Berlin kommt, sondern lenkt während der Berlinale die Aufmerksamkeit der Internationalen Filmbranche auf das deutsche Kino. 

 Die Zukunft der Berlinale

Am 4. Dezember 2017 kamen einige der UnterzeichnerInnen des offenen Briefes und Dieter Kosslick auf Einladung der Kulturministerin Monika Grütters zu einer Podiumsdiskussion unter dem Titel „Filmfestival heute“ zusammen, um gemeinsam über die Zukunft der Berlinale zu verhandeln. Es war ein Abend des Ideen- und Schlagabtausches über Chancen und Perspektiven des Filmfestivals. Vor allem zwei Themen standen im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussionsrunde: die Personalfrage um Dieter Kosslick und die Neukonzeptionalisierung des Festivals. Einige Tage später, am 6. Dezember gab Grütters als Konsequenz der Diskussion bekannt, dass, um den Forderungen der Filmschaffenden vom November 2017 nach mehr Transparenz und Partizipation entgegenzukommen, eine zu gleichen Teilen aus Frauen und Männern bestehende Findungskommission[10] zur Neubesetzung eines Programmleiters der Internationalen Filmfestspiele Berlins ins Leben gerufen werden soll. Damit legte Grütters den Grundstein für eine Zukunft der Berlinale ohne Dieter Kosslick. Die Suche nach möglichen NachfolgerInnen begann. Seitdem tuschelte die Gerüchteküche der deutschen Filmbranche. Es fielen Namen potentieller KandidatInnen für das Amt wie der von Kirsten Niehuus, die seit 2004 Geschäftsführerin der Filmförderung des Medienboard Berlin-Brandenburg ist, oder auch von Petra Müller, aktuelle Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW. Den Gerüchten um eine gewünschte und geforderte weibliche Nachfolge Kosslicks versuchte Grütters bereits im Dezember 2017 mit offiziellen Kommentaren wie, es müsse keine Frau und kein Deutscher sein,[11] zu begegnen.
Außerdem war früh die Trennung der kuratorischen und der Verwaltungsarbeit der Position im Gespräch. So kursierten schon früh Spekulationen über eine mögliche Doppelspitze, gar mit drei LeiterInnen wurde gehandelt. Auf einer außerordentlichen Sondersitzung des Aufsichtsrates der Kulturveranstaltungen des Bundes in Berlin am 31. Januar 2018 kam es schließlich zu ersten Beratungen mit der Findungskommission über die konzeptionelle und personelle Zukunft des Berliner Filmfestivals.[12]

Klar ist, dass Kosslicks Vertrag Ende Mai 2019 ausläuft und nach der kraftvollen öffentlichen Kritik an seiner Person auch nicht verlängert werden sollte. Für die Findungskommission war es in den folgenden Monaten nicht leicht, eine oder mehrere passende KandidatInnen zu finden, die geeignet dafür sind, in die Fußstapfen Kosslicks zu treten und seine Rolle als „Bester Gastgeber der Welt“ adäquat auszufüllen. Über 50 potentielle KanditatInnen wurden von der Findungskommission zum Gespräch gebeten. Wichtige Voraussetzung für BewerberInnen waren Festivalerfahrung, exzellente Filmkenntnisse, beste Kontakte in die nationale und internationale Filmbranche sowie zur Weltfilmszene. Ein krönendes Kriterium wäre eine hohe Affinität zur Hauptstadt. Außerdem sollte ja das Konzept und die Organisationsstruktur des Festivals „entschlackt“ werden. Programmatisches Ziel ist es, den Wunsch der Filmschaffenden, den Fokus des Festivals wieder mehr auf den Wettbewerb zu legen und die Vielzahl der wuchernden Sondersektionen abzuspecken, zu erfüllen.

Freitag war es nun offiziell soweit. Bereits Anfang der Woche sickerte durch, dass wieder ein Mann, der Italiener Carlo Chatrian, noch künstlerischer Leiter des Filmfests von Locarno, neuer kuratorischer Leiter der Berlinale werden soll. Am Freitag verkündete Kulturministerin Monika Grütters dann offiziell die Doppelspitze mit Carlo Chatrian, der die künstlerische Leitung übernehmen wird, und Mariette Rissebeek, die zukünftige Geschäftsführerin der Berliner Filmfestspiele.

Die 69. Internationalen Filmfestspiele Berlin vom 7. bis 17. Februar 2019 werden die letzten der Ära Kosslick sein. Und 2020 zum 70. Jubiläum der deutschen Filmfestspiele wird vielleicht wieder einmal der erhoffte Neuanfang kommen.

 

 

[1] Maren Ade, Fatih Akin, Irene von Alberti, Thomas Arslan, Anne Zohra Berrached, Bettina Böhler, Hermann Bohlen, Jan Bonny, Jutta Brückner, Dietrich Brüggemann, Florian Cossen, Ebbo Demant, Doris Dörrie, Andreas Dresen, Maximilian Erlenwein, Katrin Gebbe, Stephan Geene, Hans W. Geißendörfer, Almut Getto, Ulrich Gerhardt, Hans-Dieter Grabe, Dominik Graf, Valeska Grisebach, Henk Handloegten, Thomas Heise, Sonja Heiss, Benjamin Heisenberg, Christoph Hochhäusler, Barbara Junge, Winfried Junge, RP Kahl, Fred Kelemen, Barbara Klemm, Ulrich Köhler, Nicolette Krebitz, Lars Kraume, Michael Krummenacher, Jakob Lass, Tom Lass, Aron Lehmann, Caroline Link, Max Linz, Pia Marais, Jeanine Meerapfel, Elfi Mikesch, Franz Müller, Peter Nestler, Asli Özge, Christian Petzold, Hans Helmut Prinzler, Lola Randl, Axel Ranisch, Edgar Reitz, Michael Ruetz, Helke Sander, Thomas Schadt, Sebastian Schipper, Volker Schlöndorff, Hans-Christian Schmid, Jan Schomburg, Maria Schrader, Robert Schwentke, Christian Schwochow, Jan Soldat, Hans Steinbichler, Oliver Sturm, Isabel Suba, Sven Taddicken, Tamara Trampe, Georg Stefan Troller, Simon Verhoeven, Achim von Borries, Julia von Heinz, Rosa von Praunheim, Margarethe von Trotta, Nicolas Wackerbarth, Christian Wagner, Henner Winckler, David Wnendt. Hannah Pilarczyk: Streit um Kosslick-NachfolgeFilmemacher wollen Berlinale revolutionierenIn: Spiegel-Online vom 24.11.2017 (zuletzt abgerufen am 22.06.2018).
[2] Hannah Pilarczyk: Streit um Kosslick-NachfolgeFilmemacher wollen Berlinale revolutionierenIn: Spiegel-Online vom 24.11.2017 (zuletzt abgerufen am 22.06.2018).
[3] Kommentar auf ZEIT-Online vom 29.11.2017 (zuletzt abgerufen am 22.06.2018).
[4] Berlinale Programm (zuletzt abgerufen am 22.06.2018).
[5] Harriet Dreier: Berlinale-Chef de Hadeln. Abgesägt mit deutschen Grüßen. In: Spiegel-Online vom 14.02.2001 (zuletzt abgerufen am 22.06.2018). Außerdem das Interview in der Berliner Morgenpost vom 4. Februar 2018 :„"je ne regrette rien!", um es mit Edith Piaf zu sagen. Ich habe jetzt noch mal einen alten „Spiegel-Artikel“ gelesen aus der Zeit, als ich hier angetreten bin und Moritz de Hadeln "entlassen" wurde. Das könnte man so wieder abdrucken. Offensichtlich gibt es immer dieselben Argumente und Vorbehalte gegen einen Festivalchef. Offenbar ist es auch nicht möglich, ihn "in Würde" abtreten zu lassen. Das ist schade.“ Peter Zander und Felix Müller: Dieter Kosslick: "Als Festivalchef muss man kaltblütig sein" In: Berliner Morgenpost vom 04.02.2018 (zuletzt abgerufen am 22.06.2018).
[6] Offizielles Statement des Festivaldirektors zu den Vorwürfen gegen seine Person vom 24.11.2017. (zuletzt abgerufen am 22.06.2018).
[7] Peter Zander und Felix Müller: Dieter Kosslick: "Als Festivalchef muss man kaltblütig sein" In: Berliner Morgenpost vom 04.02.2018 (zuletzt abgerufen am 22.06.2018).
[8] Im Interview am 2. Februar 2018 mit der „Stuttgarter Zeitung“ spricht Kosslick offen über die Vorwürfe gegen seine Person. Vgl.: Katja Bauer: Interview mit Berlinale Direktor Kosslick. In: Stuttgarter Zeitung vom 02.02.2018 (zuletzt abgerufen am 22.06.2018).
[9] „Under his leadership, the festival has retained its distinctly political outlook while embracing world cinema, particularly works from developing nations. Among Kosslick’s many contributions is the World Cinema Fund, which helps finance films from Latin America, Africa, Asia and the Middle East.“ aus: Ed Meza: Directors Call for Overhaul of Berlin Film Festival After Dieter Kosslick Departs. In: Variety vom 24.11.2017(abgerufen am 22.06.2018).
[10] Pressemitteilung der Bundesregierung vom 06.12.2017 (zuletzt abgerufen am 22.06.2018).
[11] Gunda Bartels: Diskussion zur Zukunft der Berlinale. Grütters: Berlinale-Chef muss weder deutsch noch weiblich sein. In: Der Tagesspiegel vom 05.12.2017 (abgerufen am 22.06.2018).
[12] Pressemitteilung der Bundesregierung vom 06.12.2017 (abgerufen am 22.06.2018).