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Das Portal des Auswärtigen Amts am Werderschen Markt in Berlin, Kurstraße
© Christian Mentel

Mit Zorn und Eifer: Die Debatte um „Das Amt und die Vergangenheit“
Teil 1 – Die Pressedebatte
von
Christian Mentel
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Am 28. Oktober 2010 stellte die Historikerkommission unter Leitung von Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes und Moshe Zimmermann das Buch Das Amt und die Vergangenheit – Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik vor.[1] Die „Übergabe des Abschlussberichtes“ der Historikerkommission – wie die Buchvorstellung genannt wurde – fand im Auswärtigen Amt in Berlin unter großer medialer Aufmerksamkeit statt. Nachdem das Buch in den ersten Wochen überwiegend positiv rezipiert wurde, hat sich bis ins Frühjahr 2011 und darüber hinaus eine vornehmlich in den Printmedien und im Hörfunk geführte Debatte um das Buch entsponnen, die in ihrer Heftigkeit und Schärfe außergewöhnlich war. Erstaunlich war insbesondere die überaus harte Kritik, die dem Buch und seinen Autorinnen und Autoren von einigen Historikerkollegen entgegenschlug. Nicht minder erstaunlich war die Breite, in der in der Tagespresse über historiographische Details gestritten wurde. Mit der ersten umfangreichen Rezension von Johannes Hürter in den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte begann sich die Debatte seit April 2011 schließlich in die Fachzeitschriften zu verlagern und allmählich zu versachlichen. Während diese Fachdebatte im zweiten Teil dieses Textes rekapituliert wird, soll im vorliegenden Text zunächst die Pressedebatte jenes ersten halben Jahrs nach Veröffentlichung in ihren wesentlichen Punkten dargestellt werden.

Die Kritik von Seiten einiger Kollegen an der Studie war schonungslos: Der Berliner Zeithistoriker Daniel Koerfer sprach von „Tendenzliteratur“ und von der „Arroganz der späten Geburt“, Hans Mommsen machte „massive Fehler“ aus und empfahl den Besuch eines historischen Proseminars, Gregor Schöllgen konstatierte „Unkenntnis oder Ignoranz der Aktenlage“, Horst Möller fand das Buch „skandalös“ und warf den Autoren „mangelndes Differenzierungsvermögen“ vor und der Historiker Rainer Blasius, der für eine lange Reihe umfangreicher Artikel zum Thema verantwortlich zeichnete, rückte die Studie mehrmals in die Nähe von Propagandapamphleten der DDR. Jedoch dürfen Schärfe und Lautstärke dieser Vorwürfe nicht verdecken, dass der Anteil der positiven Stimmen deutlich überwog. Die meisten Rezensenten und Fachhistoriker – allen voran Christopher Browning, Autor einer allseits hochgelobten Pionierstudie zum Auswärtigen Amt, aber auch zahlreiche weitere prominente Vertreter des Fachs von Ulrich Herbert, Saul Friedländer über Michael Stürmer bis hin zu Götz Aly – brachten zwar auch Kritik an, betonten aber ungleich mehr die Vorzüge und Leistungen der Studie. Ebenfalls darf nicht übersehen werden, dass es sich bei der im Folgenden beschriebenen Debatte um ein rein deutsches Phänomen handelt – nicht nur ist die Rezeption des Buches im Ausland durchweg positiv, auch wird Das Amt dort als weiterer Ausdruck der Bereitschaft der deutschen Gesellschaft wahrgenommen, die NS-Vergangenheit aufzuarbeiten.[2]

Es gehört offenbar zu den Charakteristika dieser Debatte, dass selbst die schärfsten Kritiker die Grundaussage des Buches nicht in Frage stellten – nämlich dass das Auswärtige Amt (AA) während der NS-Zeit eine verbrecherische Politik betrieb, in die Durchführung des Holocaust involviert war und zahlreiche, auch schwer Belastete im AA der Bundesrepublik ohne größere Probleme wieder Dienst verrichten konnten. Trotz des breiten und grundsätzlichen Konsenses in diesen Punkten erscheint vor allem erklärungsbedürftig, dass Vorwürfe mit derartiger Wucht und Schärfe geäußert wurden. Für Alexander Cammann stand die heftige Kritik „auch für einen Kampf um die Deutungshoheit“ zwischen Historikern mit und ohne „Stallgeruch“ (Zeit, 27.01.2011). Joachim Käppner brachte die Gründe für die Kontroverse in der Süddeutschen Zeitung auf folgenden Punkt: „Da ist der Unmut alter Meister, die gerne noch junge Meister wären, und jener Jungen, die noch keine Meister sind, sich aber so benehmen“ (SZ, 20.12.2010). Viele Beobachter und Kommentatoren äußerten sich ähnlich – dass bei der Kontroverse jedoch, wie Benedikt Erenz meinte, es sich lediglich um eine „Farce aus Mediengefuchtel und Professoreneitelkeiten“ (Zeit, 09.12.2010) handle, greift wohl deutlich zu kurz.

 

Ursprünge der Debatte

Begonnen hat die in ihrem Verlauf immer stärker polarisierende und zunehmend hitzig geführte Debatte nicht erst mit der Vorstellung und Veröffentlichung der Studie am 28. Oktober 2010, auch nicht mit der zuerst von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) am 24. Oktober 2010 durchbrochenen und am folgenden Tag offiziell aufgehobenen Sperrfrist des Verlags. Der Ursprung der Debatte, und damit ihre prägende Grundstruktur, ist vielmehr bis ins Jahr 2005 zurückzuverfolgen – zu dem Konflikt, der der Einsetzung der Unabhängigen Historikerkommission selbst zugrunde liegt.

Diese oft beschriebene Auseinandersetzung innerhalb des AA sei an dieser Stelle kurz rekapituliert: Nachdem im Jahre 2003 in der internen Hauszeitschrift internAA ein ehrender Nachruf auf den NS-belasteten Diplomaten Franz Nüßlein erschien und mit Marga Henseler eine frühere Mitarbeiterin des AA dagegen protestierte, wurde vom damaligen Außenminister Joschka Fischer die Nachrufpraxis dahingehend geändert, dass zukünftig keine Ehrungen für ehemalige NSDAP-Mitglieder mehr vorgenommen werden sollten. Als diese neue Regelung Ende 2004 erstmalig angewandt wurde und folglich Nachrufe unterblieben, erhob sich im Januar 2005 eine beispiellose Protestwelle von ehemaligen Mitarbeitern des AA. Diese Ehemaligen – intern die „Mumien“ genannt – trugen ihren Protest vornehmlich durch die Leserbriefspalten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) in die öffentliche Arena, flankiert insbesondere durch Artikel des FAZ-Redakteurs und Honorarprofessors Rainer Blasius. Der Konflikt um die Nachrufpraxis des Amtes veranlasste Joschka Fischer im Sommer 2005 schließlich, eine Historikerkommission zu berufen, die „die Geschichte des Auswärtigen Dienstes in der Zeit des Nationalsozialismus, den Umgang mit dieser Vergangenheit nach der Wiedergründung des Auswärtigen Amts 1951 und die Frage personeller Kontinuität bzw. Diskontinuität nach 1945 erforschen“ sollte.[3]

 

Konfliktlinien innerhalb der Debatte

Es ist die Frontstellung des Jahres 2005 gegen die geänderte Nachrufpraxis, entlang derer auch die wichtigste Demarkationslinie der aktuellen Debatte um Das Amt verläuft. Man wird kaum fehlgehen, in der FAZ beziehungsweise Rainer Blasius das Gravitationszentrum der Kritik an Das Amt zu sehen: Nicht nur kommentierte er die Arbeit der Historikerkommission seit ihrer Einsetzung über die Jahre hinweg ausgesprochen kritisch, sondern widmete sich seit Veröffentlichung der Studie wie kein zweiter in zahlreichen umfangreichen Artikeln der Studie und der Kommission. Darüber hinaus räumte die FAZ – wie bereits während der Nachrufaffäre – einer beträchtlichen Menge vorwiegend kritischer Leserbriefe der Ehemaligen des AA bzw. ihres Umfelds breiten Raum ein.

Anders als etwa bei der fast reflexartig aufgerufenen Vergleichsinstanz Historikerstreit sind die zwei Lager, denen die Diskutanten durch die polarisierende Debattenstruktur jeweils unwillkürlich zugeschlagen werden, weniger deutlich benennbar. Nur bedingt kann hier von den zwei traditionellen Lagern die Rede sein, nämlich von einem politisch konservativen, das das AA und seine Vertreter tendenziell in Schutz nimmt (und der Studie eher ablehnend gegenübersteht) und einem linksliberalen, das das AA und seine Vertreter tendenziell anklagt (und der Studie eher zustimmt), sowie den jeweils zurechenbaren Medienhäusern und Debattenteilnehmern. Dieses allzu grobe Schema trifft bereits dann nicht zu, wirft man einen genaueren Blick auf die FAZ beziehungsweise FAS – denn während Herausgeber Frank Schirrmacher und das von ihm geleitete Feuilleton sich ausgesprochen wohlwollend und positiv in Bezug auf Das Amt äußerten, positionierte Rainer Blasius sich in dem von ihm verantworteten Ressort „Politische Bücher“ stets kritisch und ablehnend. Diese über Wochen mehr oder minder offen ausgetragene hausinterne Auseinandersetzung fand ihren deutlichsten Ausdruck, als Edo Reents die Andeutungen Blasius’, dass es der die Nachrufaffäre auslösenden Marga Henseler an persönlicher Integrität mangele, als „Gipfel der Infamie“ bezeichnete (FAZ, 28.10.2010). Dieses Beispiel zeigt, dass die Debatte nicht nur auf der Ebene von miteinander um die Meinungsführerschaft konkurrierenden Zeitungen, sondern auch auf der Ebene einzelner Ressorts und deren Profilbildungs- und Abgrenzungsstrategien analysiert werden sollte.

Weiterhin scheint das holzschnittartige Muster „konservativer“ und „linksliberaler“ Medien, deren tendenzielle Ablehnung der beziehungsweise Zustimmung zur Studie sowie den vermeintlich jeweils zuordenbaren Autoren schon bereits dann nicht zu greifen, rückt man die stark unterschiedliche Involvierung der Blätter in den Fokus. So war insbesondere die FAZ in einem Maße engagiert, mit dem sämtliche andere Zeitungen, nicht nur auf der anderen Seite des Spektrums wie die Frankfurter Rundschau (FR) oder Die Tageszeitung (TAZ), nicht ansatzweise gleichzogen. Von einer klaren inhaltlichen Positionierung konnte zudem nicht bei allen Zeitungen die Rede sein – die Süddeutsche Zeitung (SZ) beispielsweise öffnete ihre Seiten nicht nur für harsche Kritik, sondern ermöglichte auch eine ganzseitige Entgegnung der Kommission (10.12.2010), ähnlich verhielt es sich mit der Welt. Vor dem Hintergrund anderer historisch-gesellschaftlicher Debatten konnte zumindest als erstaunlich gelten, dass sich mit den Redakteuren Klaus Wiegrefe und Jan Friedmann der dem linksliberalen Spektrum zurechenbare Spiegel auf die Seite der Kritiker der Studie stellte und sich damit zur FAZ gesellte. Erstaunlich war zudem, dass Die Zeit, die im Historikerstreit oder der Goldhagen-Debatte eine ungleich bedeutsamere Rolle spielte, sich generell zurückhielt. Gründe hierfür mögen auch in der Geschichte der Zeitung selbst zu finden sein, etwa in ihrem vehementen Eintreten für hoch belastete Diplomaten des AA wie Franz Rademacher Ende der 1940er und Anfang der 1950er Jahre sowie der Tatsache, dass die spätere langjährige Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff zum Unterstützerkreis Ernst von Weizsäckers zählte. Dies wurde von Alexander Cammann in der Zeit (28.10.2010) und von Zeit-Redakteur Volker Ullrich im Magazin Cicero (28.10.2010) dann auch angemerkt.

 

Aspekte der Kritik

Die gegen Das Amt vorgebrachte Kritik ist in ihrem jeweiligen Stil, ihrer Form, ihrer Substanz und Fundiertheit, sowie in ihrem Umfang ungemein vielgestaltig. Sie reicht von betont sachlich formulierten Anmerkungen, kollegial-wohlwollenden Ergänzungen über simple Korrekturen einzelner Aussagen und Details und teilweise harten, aber dennoch differenzierten und ausgewogenen Bewertungen von Abschnitten und des Gesamtwerkes hin zu Belehrungen, politisch-emotional gefärbten Unterstellungen und grundsätzlichen Ent- und Abwertungen der Studie und der Kommissionsmitglieder. Trotz dieser Heterogenität lässt sich die Kritik in fünf thematischen Großkomplexen zusammenfassen. Im Folgenden soll nun anhand dieser zentralen Kritikpunkte ein Überblick über die Debatte und ihren Inhalt gegeben werden, wobei das Augenmerk auf Äußerungen aus der Fachwelt liegt.

 

Kritikpunkt 1: „Falscher Fokus“ der Studie

Als erster Komplex kann die grundlegende Anlage der Studie, mithin also deren Schwerpunktsetzung und die daraus folgenden tatsächlichen oder vermeintlichen Leerstellen gelten. Hans Mommsen kritisierte etwa, dass sie zu sehr auf den Holocaust fokussiert sei und dadurch andere „Dimensionen der NS-Gewaltpolitik“ ausgeblendet würden (FR, 16.11.2010), ähnlich auch Daniel Koerfer (FAS, 29.11.2010). Koerfer verwies auch darauf, dass die „Frage nach Handlungsspielräumen in einer Diktatur […] an keiner Stelle gestellt“ würde, weiterhin kritisierte er wie Mommsen, dass in der Konzentration auf das AA die „Arbeitsteiligkeit“ des Holocaust nicht dargestellt werde. So würde, wie auch Blasius schrieb, der „Eindruck erweckt, als ob die Vernichtung der europäischen Juden zwischen dem Reichssicherheitshauptamt und dem Auswärtigen Amt einvernehmlich geplant worden sei“ (FAZ, 23.12.2010). Auch dass der Widerstand „eher kurz und stiefmütterlich-skeptisch“ abgehandelt würde, anstatt „die positive Vorbildfunktion dieser Taten“ zu betonen, monierte Koerfer. Er nannte es zudem „infam“, dass „die Lebensleistung von Männern, die dem Land über Jahrzehnte hinweg loyal gedient haben“, „beschmutzt“ würde, indem – wie der Politologe Christian Hacke es ausdrückte – nicht deren Verdienste nach 1951 und damit der „politische Bruch“ in den Vordergrund gestellt, sondern sie vielmehr stigmatisiert würden (DLF, 26.10.2010; Welt, 26.10.2010). Auch laut Blasius sei „das Buch für die Zeit vor 1945 auf die Verfolgungs- und Vernichtungspolitik, für die Zeit nach 1945 mit aneinandergereihten Mini-Biographien auf eine angeblich ‚braune‘ Personalpolitik“ konzentriert, „die großen Verdienste mancher Wilhelmstraßen-Leute um die Außenpolitik der Bundesrepublik“ würden jedoch „ignoriert oder marginalisiert“ (FAZ, 13.01.2011).

 

Kritikpunkt 2: „Mangelhafte Quellenarbeit“

Ein zweiter Komplex umfasst die – so der Vorwurf – fehlerhafte Interpretation von Quellen bzw. deren Überstrapazierung und als Folge ebenso pauschale, unzutreffende wie weitreichende Schlussfolgerungen, nicht zuletzt seien unbelegte Behauptungen zu verzeichnen und fehlten wichtige biographische Episoden einzelner Diplomaten. Mommsen sprach davon, dass es eine „Tendenz der Autoren“ gebe, „die Pläne zur Deportation der jüdischen Bürger oder zur Schaffung von ‚Judenreservaten‘, mit der später praktizierten Massenvernichtung zu identifizieren“ (FR, 16.11.2010), also die „Entstehung des ‚Endlösungs‘-Konzepts in den Zeitraum von 1938/39 vorzudatieren“ (SZ, 27.12.2010). Koerfer nannte es „schlichtweg Unsinn“, dass dem AA mit Verweis auf eine Unterredung von Hitler mit Ribbentrop im Herbst 1941 „die ‚Initiative zur Lösung der Judenfrage auf europäischer Ebene‘ untergeschoben wird“ (FAS, 29.11.2010) – ähnlich äußerte sich wiederum Mommsen, der betonte, das Amt sei „nicht maßgebend beteiligt“ gewesen an der Entscheidung zum Judenmord (SZ, 27.12.2010). Auch der beim Spiegel für das Ressort „Zeitgeschichte“ zuständige Klaus Wiegrefe (Spiegel, 06.12.2010) stimmte Koerfer zu, das Buch mache es sich an vielen Stellen zu einfach, etwa wenn unterstellt würde, dass über die Tätigkeit des Legationssekretärs Franz Krapf in Tokio „wenig bekannt“ sei, jedoch trotzdem unterstellt werde, dass „selbst im fernen Asien […] deutsche Diplomaten mit der Endlösung der Judenfrage befasst“ waren. Diese Schlussfolgerung nannte auch Christopher Browning „eine ebenso willkürliche wie unbewiesene Verallgemeinerung“. Weiterhin verwies er darauf, dass Das Amt „hätte deutlicher unterscheiden können zwischen aktiver […] und passiver Komplizenschaft“ (FAZ, 10.12.2010). Und erneut kritisierte Mommsen, dass „in Form einer ‚Enthüllungs‘-Strategie“ anhand von Einzeldokumenten ohne Betrachtung des jeweiligen Entstehungs- wie des zeitlichen Kontextes vorgegangen würde (SZ, 27.12.2010).

 

Kritikpunkt 3: „Fehlende Objektivität“

Drittens wurde die (politische) Unabhängigkeit beziehungsweise Unparteilichkeit der Historikerkommission und damit die Ausgewogenheit ihrer Bewertungen und des Berichts insgesamt in Zweifel gezogen. Blasius’ Wort von der „Fischerkommission“ (FAZ, 19.11.2010; FAZ, 27.11.2010) und der „Auftragsarbeit“ (FAZ, 23.12.2010), Horst Möllers Anschuldigung, die Kommission erfülle durch „Ignorierung von Fakten“ und „Falschdarstellung“ ihren von Fischer erhaltenen Auftrag (FAZ, 18.01.2010), trat neben Koerfers Verdikt, es handle sich bei Das Amt um „Tendenzliteratur“ mit einem „hämischen, süffisanten Unterton“ und die Autoren urteilten „durchweg abschätzig und […] ohne Gespür für die bittere Ausweglosigkeit der Situation“. Vor allem aber sei Das Amt „kein Buch der Erklärung und kein Buch der Versöhnung“, ebenso nicht „der anteilnehmenden, sorgfältigen Ermittlung, sondern der pauschalisierenden Wertung“. „Es ist“, so Koerfer weiter, „ein Buch der Ausgrenzung[,] […] der Rache und des Ressentiments“. Die Kommission knüpfe damit an die Haltung des Anklägers Kempner an, der die ‚Herren mit der blutbespritzten weißen Weste‘ habe „hängen sehen“ wollen (FAS, 29.11.2010).[4] Auch für Hacke singen „die Verfasser kritiklos das Lied ihres Aufraggebers“, dem es offenbar „um Diskreditierung der (außenpolitischen) Elite der alten Bundesrepublik“ gegangen sei, womit „der couragierte Neuanfang einer schwer gebeutelten Generation“ übergangen werde (Welt, 26.10.2010).[5] Blasius sah im Amt nicht nur „eine Ost-Berliner ‚Braunbuch‘-Perspektive […] mit einem gesamtdeutschen Ritterschlag belohnt“ (FAZ, 23.12.2010), sondern meinte auch feststellen zu können, dass sich die Studie „an DDR-Pamphleten orientierte, in denen, propagandistisch geschickt, Richtiges mit Lügen und Entstellungen vermischt war“ (FAZ, 13.01.2011). Einseitige Bewertungsmaßstäbe und eine „ideologisch-moralisierende Betrachtung“ machte auch Mommsen aus, nahm trotz Warnungen vor der Unterminierung „der Autonomie der Wissenschaft […] auf dem Wege der Fremdfinanzierung“ Das Amt jedoch von weitergehenden Vorwürfen „staatlich dirigierte[r] Geschichtswissenschaft“ aus (DLF, 30.11.2010; SZ, 27.12.2010).[6]

 

Kritikpunkt 4: „Fragwürdigkeit der Kommission“

Es lässt sich ein vierter Komplex bilden, innerhalb dessen nicht nur die Eignung der Kommissionsmitglieder, sondern vielmehr deren historiographische Kompetenz sowie die Forschungs- und Arbeitspraxis angezweifelt wurde. Auch hier gab Mommsens Wort, dass „die Herren Herausgeber, die übrigens selber die Arbeit ja nicht unbedingt gemacht haben, sich noch mit einem historischen Proseminar“ befassen sollten und dass man zumindest einen Holocaustspezialisten mit der „Korrektur des Textes“ hätte befassen sollen, den Ton an (DLF, 30.11.2010).[7] Mommsen, Blasius (FAZ, 19.11.2010) und in größerem Maße Gregor Schöllgen kritisierten, dass Vorarbeiten nicht mit einbezogen oder erwähnt wurden: Die Editionsgeschichte der Akten zur deutschen auswärtigen Politik (ADAP) werde „vollständig ausgeblendet“, Quellen würden nur „äußerst selten und selektiv“ nach den ADAP zitiert, sodass der falsche Eindruck entstehe, das AA habe „der Öffentlichkeit seine Geschichte jahrzehntelang konsequent vorenthalten“ und jene „bewusst in die Irre geführt“ – für Schöllgen sprach dies für „Unkenntnis oder Ignoranz der Aktenlage“ oder aber für die „Absage an die Maximen wissenschaftlicher Redlichkeit“ (SZ, 07.12.2010).[8] Zudem sei die Studie – zumindest in Teilen – nicht auf der Höhe des aktuellen Forschungsstandes, wie Blasius (FAZ, 13.01.2011) oder Wiegrefe kritisierten (Spiegel, 06.12.2010). Auch die in Das Amt und in verschiedenen Interviews formulierte Kritik an der Kooperationsbereitschaft des Politischen Archivs (Spiegel, 25.10.2010; Zeit, 28.10.2010) wurde thematisiert: Während Götz Aly dies für das Politische Archiv (PA) der Bonner Zeit bestätigte, nannte er solche Vorwürfe an das heutige PA hingegen „Denunziation“ (DLF, 02.12.2010), Horst Möller bezeichnete den Vorwurf, das PA habe „die Erforschung seiner Rolle im NS-Regime behindern“ wollen, generell als „Verschwörungstheorie“ und „aus der Luft gegriffene Behauptung“, die „mehr als dreist“ sei (FAZ, 18.01.2010). Kritisiert wurden auch nicht nur von Blasius mehrfach die „Recherche- und Schreibtruppen“ der Kommission, die der Grund seien, dass man „getrost annehmen [könne], dass die auf der Titelseite von ‚Das Amt‘ prangenden Herausgeber offenbar keine Zeile selbst geschrieben haben“ (FAZ, 23.12.2010), auch seien Conze und Frei lediglich einen Tag im PA zugegen gewesen (FAZ, 02.12.2010).

 

Kritikpunkt 5: „Lust an der Sensation“

Als ein letzter Komplex sind Vorwürfe anzuführen, die Kommission habe kaum neue Erkenntnisse vorzuweisen, diese aber in reißerischer Art und Weise als neu präsentiert und zudem zwar medienwirksame, aber unzutreffende Schlagworte geliefert. Laut Blasius stand die Kommission „unter Erwartungsdruck und Rechtfertigungszwang“, sodass die Studie von Conze und Frei so vorgestellt worden sei, „als hätten sie letzte Wahrheiten zu verkünden; vor allem als müssten sie endlich die Legende von der Wilhelmstraße als einem ‚Hort des Widerstandes‘ zerstören“ (FAZ, 23.12.2010). Auch Möller fragte: „Warum lassen sich viele Meinungsführer in Öffentlichkeit, Politik und Wissenschaft von einem in Teilen fehlerhaften […] und tendenziös vermarkteten, skandalösen Buch derartig täuschen?“ (FAZ, 18.01.2011). Ein Vorwurf bezog sich auf die – nicht von der Kommission, sondern vor allem durch die Berichterstattung transportierte – Aussage, bei Franz Rademachers Reisekostenabrechung („Liquidation von Juden in Belgrad“) handle es sich um eine Neuentdeckung. Vor allem Blasius prangerte an, dass die Kommission mit dem Schriftstück „das Interesse auf sich zu lenken“ gewusst habe, obwohl es schon „längst bekannt ist“: Bereits 1952 habe die FAZ über die Reisekostenabrechung berichtet (FAZ, 12.11.2010). Beachtliche Kritik hat zudem der im Amt nicht enthaltene, sondern zuerst in einem Interview von Eckart Conze gebrauchte Begriff vom AA als „verbrecherischer Organisation“ hervorgerufen (Spiegel, 25.10.2010). Auch von den wohlwollenden Rezensenten gab es kaum einen Historiker, der Conze hierin folgen mochte, Browning nannte den Begriff „nicht sehr hilfreich“ (Tagesspiegel, 27.10.2010), selbst für Frei half er „analytisch nicht weiter“ (Zeit, 28.10.2010). Aly nannte ihn „ganz falsch“ und „in die Irre“ gehend (DLF, 02.12.2010), vor allem gehöre diese Formel aber „zu den Versuchen, die Verantwortung für die NS-Verbrechen auf möglichst kleine Gruppen von Horrorgestalten abzuwälzen“ (FR, 15.11.2010). Der ehemalige ADAP-Mitherausgeber Roland Thimme beklagte gar, dass nach dem Mythos, das AA sei ein „Hort des Widerstands“ gewesen, nun ein neuer Mythos entstehe, der des AA als „verbrecherischer Organisation“ (FAZ, 10.11.2010) und der Mainzer Geschichtsprofessor Sönke Neitzel nannte die Verwendung des Begriffs gar „Geschichtspornographie“, mit dem es nur um die Erregung von Aufmerksamkeit gegangen sei (Spiegel, 06.12.2010).

 

Reaktionen der Autorinnen und Autoren

Die Kritik, die Ende November 2010 Fahrt aufnahm und Mitte Januar 2011 zunächst ihren Höhepunkt erreichte, fand nicht nur zwischen Kritikern und Verteidigern der Studie statt – schon bald äußerten sich auch die Autoren der Studie selbst zu den Vorwürfen. Zimmermanns Replik im Deutschlandfunk (01.12.2010) auf die harsche Kritik Mommsens an selber Stelle nur einen Tag zuvor kann als erste direkte Reaktion gelten. Zimmermann warf Mommsen und anderen vor, „beleidigt“ und in der eigenen Eitelkeit verletzt zu sein. Aus diesem Grunde werde auf „sehr unfaire Art und Weise“ der Kommission „Ignoranz oder Dokumentenfälschung“ vorgeworfen und damit „die Leute im Auswärtigen Amt“ exkulpiert. Auch die Amt-Autoren Norbert Frei und Annette Weinke zogen eine erste Bilanz der Wirkung von Das Amt in der Dezember-Ausgabe der Blätter für deutsche und internationale Politik.[9] Sie sahen die Diskussion als Deutungskampf, „als das Ergebnis einer jahrzehntelang eher unterschwellig geführten Kontroverse“ um die „Kontinuität der Funktionseliten“ und konstatierten, dass „es um die ‚Mumien‘ einsam“ werde, auch wenn FAZ-Redakteur Blasius nach wie vor zur „Attacke“ auf die Kommission blase.

Dem folgte am 10. Dezember 2010 eine ganzseitige Antwort der vier Autoren Conze, Frei, Hayes und Zimmermann in der SZ. Dort beklagten sie mit Blick auf Koerfer, dass manche Kritiker „sämtliche Maßstäbe verloren“ hätten und konstatierten eine „Kampagne“, die durch „raunende Fragen, beleidigende Unterstellungen und Falschbehauptungen“ von Blasius in der FAZ geführt werde. Dennoch zeigten sie sich nicht überrascht, dass „wissenschaftliche Kritik nun auch in die Argumentation derjenigen eingebaut wird, die die Untersuchung aus ganz anderen Gründen ablehnen“. Der wahre Stein des Anstoßes sei wohl, dass das Buch die Bemühungen und Mechanismen darlege, „mit denen sich die Deutschen und zumal ihre Eliten nach dem Krieg ihrer Mitverantwortung für die verbrecherische Politik des Nationalsozialismus zu entziehen versuchten“. Auf die Kritik Mommsens antworteten die Autoren mit einer erneuten Darlegung ihrer „Interpretation einiger Dokumente und Ereignisverläufe“, auch klärten sie über die Gründe auf, wann sie Dokumente nach Akteneditionen, Forschungsliteratur oder dem archivarischen Original zitierten. Besonders betonten sie, dass es ihrem Buch um eine Institutionsgeschichte, nicht um eine „Sammlung biographischer Porträts“ gegangen sei, auch wenn solche „konkretisierende oder illustrierende Funktion“ besäßen. Auch habe man in Hinsicht auf einen breiten Rezipientenkreis einen Mittelweg gewählt zwischen dem Einbezug „längst bekannter“ Einzelheiten und neuer Details.

Conze stand in einem ausführlichen Radiointerview (RBB Inforadio, 15.01.2011) Rede und Antwort bezüglich der Detailkritik an einzelnen Quelleninterpretationen und Belegstellen und verteidigte die Verwendung des Begriffs der „verbrecherischen Organisation“, den er „gerade nicht“ auf den Nürnberger Prozess bezogen habe, sondern der eine „Bewertung aus dem Jahr 2010 und 2011“ darstelle. Er verteidigte den geringen Umfang, in dem der Widerstand im Buch behandelt ist, als proportional zu seinem tatsächlichen Vorkommen und wies deutlich zurück, dass die Studie moralisch urteile. Weiterhin wandte er sich in einem Leserbrief an die FAZ (18.01.2011), wo er von „einer befremdliche[n] Kampagne“ Blasius’ sprach, die den journalistischen Standards nicht entspreche und einer ernsthaften Auseinandersetzung nicht dienlich sei. Auch im Interview mit Zeitgeschichte-online (21.02.2011) ging Conze auf mehrere Kritikpunkte ein und betonte, dass „Kommissionsmitglieder und wissenschaftliche Mitarbeiter […] gemeinsam die Autoren des Buches“ seien; er verteidigte auch die Schwerpunktsetzung auf den Holocaust, bei dem es sich um „die zentrale Frage“ handle. Auch Weinke führte an selber Stelle aus, dass die Geschichte der Akteneditionen des AA „zu Recht angemahnt“ worden sei und begründete deren Fehlen mit den begrenzten Ressourcen, die der Kommission zur Verfügung gestanden hätten.

Am deutlichsten erwiderte Zimmermann den scharfen Ton der Vorwürfe: In einem Text für den Tagesspiegel (20.12.2010) machte er bei Kritikern Neid aus und konstatierte, dass unter Vorgabe „angeblich wissenschaftlicher Kritik“ versucht werde, das AA „von Schuld freizusprechen“, kritisierte Textstellen seien „falsch gelesen und zitiert“ worden. Zimmermann verwies des Weiteren auf den seiner Meinung nach antisemitischen Anklang in dem Vorwurf Koerfers, als israelischer Historiker sei er „rachsüchtig und unfähig den Holocaust sine ira anzugehen“. Im Israel Journal of Foreign Affairs sprach Zimmermann mit Hinblick auf die Kritik von „a well-organized counterattack […] by a coalition of frustrated historians, who did not participate in the committee’s work, former diplomats interested in whitewashing their guild, and guardians of German respectability“.[10] Es handle sich um einen „Kreuzzug“ gegen das Buch von jener „ganz bestimmten Gruppe“ – nicht alle Kritiker, so Zimmermann mit Blick auf Neitzel, seien jedoch „satisfaktionsfähig“ (Potsdamer Neueste Nachrichten, 26.01.2011).

 

Zu einigen Hintergründen der Kritik

Die unterschiedlichen Kritikpunkte und die Art und Weise, wie sie jeweils vorgebracht wurden und wie auf sie reagiert wurde, verweisen auf verschiedene Kontexte und Hintergründe, die für eine Gesamtbewertung der (Historiker-)Debatte um das Amt relevant sind. Ein Hintergrund von besonderer Bedeutung dürfte hier der institutionelle sein. Etwa, dass FAZ-Redakteur Rainer Blasius als Vortragender Legationsrat zehn Jahre lang die im Auswärtigen Amt angesiedelte Außenstelle des von Horst Möller geleiteten Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) führte und dort als wissenschaftlicher Leiter der Edition der Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland (AAPD) fungierte. Neben dem Hauptherausgeber Möller ist auch Gregor Schöllgen als Mitherausgeber in dieses Editionsprojekt involviert. Gerade Schöllgen drückte aus, dass er den Umgang der Autoren von Das Amt mit den ADAP bzw. AAPD auch als „Zweifel an der Kompetenz der Herausgeber“ und damit als Angriff auf sich selbst sowie auf seinen Kooperationspartner Auswärtiges Amt beziehungsweise das Politische Archiv deutete (SZ, 07.12.2010).

Auch persönliche Hintergründe sind wohl nicht unbedeutend; so dürfte durchaus eine Rolle spielen, dass der ausgesprochen scharf urteilende Daniel Koerfer nicht bloß als Zeithistoriker, sondern explizit auch als Enkel des – seiner Meinung nach – unzureichend thematisierten, widerständigen Diplomaten Gerhart Feine sowie als Patenkind des Weizsäcker-Anwalts Hellmut Becker Auskunft gab. Inwiefern die politische Ausrichtung und Überzeugung der Rezensenten von Bedeutung sind, wird ebenfalls nicht ausgeblendet werden können. Dies umso mehr, als gerade Kritiker ihren politischen Standpunkt ausdrücklich thematisierten, etwa indem sie Das Amt als politische und moralische Bewertung des AA und seiner Diplomaten aus der Sicht der Achtundsechziger in persona Joschka Fischers charakterisierten. Weit weniger greifbar scheinen hingegen eher ins Wissenschaftssoziologische reichende Faktoren zu sein, die einzelnen Kritikern als Motiv – insbesondere von Zimmermann – vorgeworfen wurden: Wenn nicht gar Neid, dann spiele zumindest verletzte Eitelkeit durch die Nichtberufung in die Kommission eine Rolle. Deutlich besser nachweisbar ist dagegen der Einfluss der Fachdiskussion um die Entschlussbildung und die Ingangsetzung des Holocaust, der sich gerade in der Kritik Hans Mommsens spiegelt. Man wird Ulrich Herbert wohl darin zustimmen können, dass der „alte Schulenstreit“ zumindest in einem Teil der Kritik durch die gegensätzlichen Standpunkte von Mommsen und Zimmermann eine nennenswerte Rolle spielte (TAZ, 09.12.2010).

Nicht weniger als bei vergleichbaren Kontroversen scheinen also auch hier mehrere Ebenen miteinander verflochten zu sein. Bei einer Gesamtbewertung der Debatte um Das Amt und seiner Bedeutung für die politische Kultur werden diese Ebenen entsprechend zu berücksichtigen zu sein – neben der angesprochenen institutionellen, persönlichen und politischen auch die fachliche und die handwerklich-methodische. Nicht zuletzt wird auch die mediale Ebene angemessen thematisiert werden müssen, darunter die Gesetzmäßigkeiten der Tagespresse zur Erzielung von Aufmerksamkeit und der entsprechend anvisierte Rezipientenkreis, aber auch generell die Konkurrenzsituation, die zwischen Medienhäusern, Zeitungen und einzelnen Ressorts genauso besteht wie zwischen einzelnen Historikern und Forschungseinrichtungen.

Auch wenn die Debatte in der Presse seit Februar 2011 deutlich abgeflaute, war dies noch nicht deren Ende: Bereits im April 2011 flackerte sie mit einer umfangreichen Rezension in der Fachzeitschrift Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte wieder auf. Der Transformationsprozess von einer – wenn auch in der Mehrzahl von Historikern ausgetragenen – hitzigen Debatte in den Publikumsmedien hin zu einer sachlicheren Auseinandersetzung in den Fachorganen wird im zweiten Teil dieses Textes näher beleuchtet.

 

 

Abkürzungen:

AA Auswärtiges Amt

AAPD Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland

ADAP Akten zur deutschen auswärtigen Politik

DLF Deutschlandfunk

DLR Deutschlandradio Kultur

FAS Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung

FR Frankfurter Rundschau

IfZ Institut für Zeitgeschichte

PA Politisches Archiv

RBB Rundfunk Berlin-Brandenburg

SZ Süddeutsche Zeitung

TAZ Die Tageszeitung

 

 


[1] Eckart Conze/Norbert Frei/Peter Hayes/Moshe Zimmermann, Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik, unter Mitarb. v. Annette Weinke u. Andrea Wiegeshoff, München: Blessing Verlag 2010.

[2] Deutlich wurde diese Außenwahrnehmung etwa in der Aussage des Vizepräsidenten der American Gathering of Holocaust Survivors and their Descendants, Elan Steinberg: „Germany has taken an honest and painful look at its past“. Ähnliches spiegeln auch die kurz nach der Veröffentlichung am 30. Oktober 2010 in der FAZ wiedergegebenen internationalen Pressestimmen wider. Auch Historiker äußerten sich positiv – unbeeindruckt von der kontroversen Debatte in Deutschland nannte der in Großbritannien lehrende (deutsche) Historiker Holger Nehring Das Amt im April 2011 „history at its very best“ und charakterisierte es als „possibly one of the most important books on contemporary German history in the last decade“ (Times Literary Supplement, 15.04.2011). Hier und im Folgenden sind bei Verweisen auf Presseartikel vorzugsweise die Publikationsdaten der Printausgaben angegeben. Die verlinkten Onlineausgaben weichen in der Regel um einen bis mehrere Tage von jenem Datum ab.

[3] http://www.historikerkommission-aa.uni-marburg.de/auftrag.html

[4] Vgl. auch die – im Vergleich zum offiziell publizierten Text schärfere – unredigierte Langfassung (Stand: 04.12.2010) des von Frank Schirrmacher geführten und am 24.10.2010 publizierten Interviews, betitelt als „Das Amt und die ‚Vergangenheit‘ – ‚Damnatio memoriae‘: Geschichte als Waffe“, S. 2, 47, 67, 43.

[5] Eine erweiterte Version der Rezension in Die Welt findet sich im März-Heft von Die Politische Meinung (Christian Hacke, Eine ungelöste Aufgabe, in: Die Politische Meinung 55 [2011], H. 3, S. 61-66). Hier spricht Hacke u.a. auch davon, dass es „in der modernen deutschen Geschichte kaum eine arrogantere Generation gegeben [habe] als die der sogenannten 68er“, als deren prononcierter Vertreter Joschka Fischer „dieses Buch in Auftrag gegeben“ habe.

[6] Mommsen geriet daraufhin selbst in die Kritik und musste sich etwa von Ulrich Herbert vorhalten lassen, dass auch er im Auftrag des Volkswagenkonzerns geforscht und „anschließend mehrfach laut gegen die Forderung nach Entschädigung für Zwangsarbeiter gewettert“ habe (TAZ, 09.12.2010). Auch anderweitig wurde Mommsen diesbezüglich kritisiert und dessen Arbeit für VW sogar ein ganzer Artikel gewidmet (Otto Köhler, Warum „Das Amt“ missfällt, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 56 [2011], H. 2, S. 35-38).

[7] Es sei erwähnt, dass Mommsen in einer ersten Rezension trotz der bereits dort geäußerten Kritik noch ungleich wohlwollender von der Studie sprach – hier lobte er Conze, Frei, Hayes und Zimmermann noch als „ganz hervorragende Zeithistoriker zusammen mit hoch qualifizierten Mitarbeitern“ (FR, 16.11.2010).

[8] Zu weiterer Detailkritik vgl. auch die Leserbriefe des ehemaligen Leiters des PA, Hans Jochen Pretsch, FAZ, 04.11.2010 oder von dem ehemaligen ADAP-Mitherausgeber Roland Thimme, FAZ, 10.11.2010. Vgl. aber auch die Entgegnungen von Dieter Maier, FAZ, 17.11.2010 und Manfred Steinkühler, FAZ, 13.12.2010.

[9] Norbert Frei/Annette Weinke, Warum es um die „Mumien“ einsam wird. Das Ende der Legende vom „anständig“ gebliebenen Auswärtigen Amt, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 55 (2010), H. 12, S. 75-83.

[10] Moshe Zimmermann, Secrets and Revelations: The German Foreign Ministry and the Final Solution, in: Israel Journal of Foreign Affairs 5 (2011), H. 1, S. 115-123.