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18. September 2018

Janine Funke (Potsdam) nimmt am Doktorandenforum des Historikertages mit dem Beitrag „Cyborgs in Uniform? Die Computerisierung in NVA und Bundeswehr teil.

 

ZOL: Wofür brauchen wir heute noch den Historikertag?

Funke: Wissenschaft lebt von Austausch und Vernetzung. Auch wenn sich der Möglichkeitsraum hierfür durch digitale Tools kontinuierlich erweitert, verliert der persönliche Kontakt nicht an Bedeutung- im Gegenteil. Darüber hinaus bündeln die Sektionen des Historikertags das Spektrum eines ganzen Faches auf ausgewählte Schwerpunkte. Sich derart umfassend über Nachwuchsprojekte, methodische und theoretische Ansätze und Forschungsergebnisse zu informieren, ist in einem auf das eigene Themenspektrum konzentrierten Alltag sonst kaum möglich.

 

ZOL: Ist die Institution „Historikertag“ heute noch zeitgemäß?

Funke: Der Historikertag ist zeitgemäß, solange das Konferenzformat offen genug ist, sich mit der Zeit zu bewegen und zu verändern. Ich denke zum Beispiel an alternative Formen der Kommunikation und Interaktion oder auch das wachsende Bedürfnis an Nachwuchswissenschaftler*innen sich zu vernetzen und ihre Arbeit als ebenso wichtigen Beitrag zur historischen Forschung präsentieren zu können.

 

ZOL: Was sagt die Teilnahme am Historikertag über die Arbeit des Historikers aus?

Funke: Der Historikertag ist eine Kommunikationsplattform. Es geht um Austausch innerhalb der Community, aber auch mit einer interessierten Öffentlichkeit. Diese gesellschaftliche Verantwortung ernst nehmend, bietet der Historikertag eine Möglichkeit Themen in den öffentlichen Diskurs zu bringen. Mit der Teilnahme an dem Konferenzformat wird diese Bereitschaft impliziert.

 

ZOL: Wie sinnvoll ist der Historikertag für die wissenschaftliche Arbeit der Geschichtswissenschaften?

Funke: Methodische Reflexion, Austausch und Debatte sind zentrale Angelpunkte der wissenschaftlichen Arbeit. Der Historikertag bündelt zentrale Fragen der Geschichtswissenschaft und gibt die Möglichkeit diese themenübergreifend zu diskutieren. In diesem Sinne leistet die Tagung einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Arbeit.

 

ZOL: Das Thema des diesjährigen Historikertages lautet „Gespaltene Gesellschaften“. Wie interpretieren Sie dieses Thema?

Funke: Es gehe ein Riss durch unsere Gesellschaft, heißt es in der letzten Zeit öfter in parlamentarischen Debatten und journalistischen Beiträgen. Mit Blick auf die jüngsten politischen Ereignisse in Deutschland erlangt das Thema „Gespaltene Gesellschaften“ eine aktuelle Dimension. Die Frage, wie verschiedene Formen der Spaltungen, seien sie politischer, religiöser, intellektueller oder auch sozio-ökonomischer Natur, Gesellschaften beeinflussen, ist allerdings nicht neu. Vielmehr ist es spannend und notwendig zu diskutieren mit welchem methodischen Gerüst dieser Beobachtung begegnet wird. Der Historikertag bietet die Chance multiperspektivisch auf diesen Komplex zu blicken, und an der ein oder anderen Stelle eine Botschaft in Richtung politischer Kommunikation zu schicken.

 

ZOL: Bekommt der Nachwuchs genügend Raum auf dem Historikertag?

Funke: Der Posterwettbewerb und der History-Slam, aber auch das Histocamp am Donnerstag sind gute Möglichkeiten sich als Nachwuchshistorikerin in der Community zu präsentieren. Die Eröffnung des Doktorandenforums am Dienstag, 16:00 Uhr ist eine alleinstehende Veranstaltung und läutet in den Historikertag hinein, genau wie auch andere Eröffnungsveranstaltungen. Das Histocamp gibt die Möglichkeit unkonventionell Themen zu setzen und neue Diskussions- und Präsentationsformen auszuprobieren. Auch wenn ich in keiner Sektion vortrage, bekomme ich für mein Empfinden auf dem Historikertag als Nachwuchswissenschaftlerin genügend Raum.

 

ZOL: Wie sinnvoll finden Sie das Doktorandenforum und den Poster-Wettbewerb? Und wie sind Sie mit der unkonventionellen Präsentationsform ihres Themas zurechtgekommen?

Funke: Es ist natürlich erst einmal eine Herausforderung das eigene Thema gestalterisch sinnvoll und optisch ansprechend auf ein Poster zu übertragen. Obgleich Auslassungen notwendig sind und sich bei mir zunächst das Gefühl einstellte, meine Thesen seien nur unvollständig repräsentiert. Nachdem ich nun die ein oder andere Krise überwunden habe, sehe ich die Erstellung des Posters eine gute Übung die eigenen Gedanken herunterzubrechen und zu überlegen, welche Kernbotschaft in der Arbeit steckt. Darüber hinaus bin ich nun auch Expertin für Photoshop.

 

ZOL: Welche Erwartungen haben Sie an den kommenden Historikertag? Gibt es etwas, worauf Sie sich jedes Mal freuen (oder auch nicht)?

Funke: Ich freue mich vor allem, viele Historiker*innen zu treffen, die ich Laufe meines bisherigen wissenschaftlichen Weges kennengelernt habe. Gerade auf einer Konferenz wie dem Historikertag herrscht eine besonders inspirierende Stimmung, die ich gern einfange und mit in meine kommende Schreibphase nehme. Ich habe mir einige Sektionen herausgesucht, die ich gern besuchen möchte, und finde das Workshopangebot sehr vielfältig. Gerade in diesem Jahr freue ich mich natürlich auch auf die Posterausstellung und den damit zusammengehenden Austausch.