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Westeuropäische Frauenbewegungszeitschriften, Foto: privat.

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Mehr als nur eine Randnotiz in der Zeitgeschichte

Ein Gespräch über das FemMag Projekt und die Forschung zu Frauenbewegungszeitschriften

Aus den Bewegungen des Second Wave Feminism gingen zahlreiche Zeitschriften hervor, denen sich die zeithistorische Forschung bisher nur zögerlich gewidmet hat. Das Projekt “FemMag – Feminist Magazines in Western Europe” möchte diese Vielfalt westeuropäischer Frauenbewegungszeitschriften sichtbar machen und Impulse für die Forschung setzen. Zu diesem Zweck werden derzeit in einer Datenbank Metadaten zu Frauenbewegungszeitschriften aus allen westeuropäischen Demokratien zusammengetragen, die im Zeitraum zwischen 1968 und 1989 erschienen sind. In einem zweiten Schritt soll eine Webpräsenz entstehen, die durch Beiträge von Expert:innen eine Einführung in die feministische Presse verschiedener europäischer Länder gibt und mit der Datenbank vernetzt wird.

Die zeitgeschichte|online Redakteurin Alina Müller arbeitete im Herbst 2024 eine Zeit lang am FemMag Projekt mit und recherchierte die skandinavischen Zeitschriftentitel. Sie sprach im Anschluss mit den beiden Initiatorinnen Prof. Dr. Sonja Levsen, Direktorin des Seminars für Zeitgeschichte an der Universität Tübingen und der dort forschenden Doktorandin Kassandra Hammel über den aktuellen Stand sowie die Chancen und Herausforderungen eines so grundlegenden Forschungsprojekts innerhalb der Frauenbewegungsforschung.

Alina Müller (AM): Wie kam die Idee für das Projekt zustande?

Kassandra Hammel (KH): Als ich nach meiner Masterarbeit mit der Recherche für meine Doktorarbeit zu Sexualität als Thema der britischen und westdeutschen Frauenbewegung angefangen habe, war ich total überrascht, wie viele Zeitschriftentitel es gab. Da ich bereits mit dem Medium gearbeitet hatte, habe ich mir zu Beginn des Projekts vorgenommen, mir alle feministischen Zeitschriften in beiden Ländern anzuschauen. Meine Liste wurde länger und länger und ich habe dann relativ schnell festgestellt, dass ich eine Auswahl treffen muss.

Sonja Levsen (SL): Genau. Kassandra hat für ihre Doktorarbeit nach Zeitschriften recherchiert, die im weiteren Sinne den Frauenbewegungen zuzuordnen sind und allein in der Bundesrepublik über 200 verschiedene Titel gefunden. Das hat mich ebenso wie sie erstaunt. Fast niemand kennt diese breite Publikationslandschaft, nur die Emma und dann allenfalls noch die Courage haben einen größeren Bekanntheitsgrad. Sie stehen aber eben gerade nicht für die Frauenbewegung.

Mit einer Datenbank und einem digitalen Einführungswerk, so unsere Idee, kann man die Breite und Vielfalt dieser Publikationslandschaft zeigen, gleichzeitig erste Grundlagen für neue Forschungen legen und Möglichkeiten zur Quellenarbeit für die Lehre eröffnen.

Was mich zudem sehr interessiert hat, ist, die Vielfalt nicht nur der deutschen Frauenbewegungslandschaft und ihrer Presse darzustellen, sondern dezidiert den Blick weiter zu öffnen: Die Zahl der Zeitschriften, die in Westeuropa[1] zwischen den 1960er und 1980er Jahren entstanden, ist unglaublich groß und breit und bietet einen tollen Fundus für neue Forschungen. Die Historiografie zur zweiten Frauenbewegung orientiert sich noch sehr stark in nationalen Rahmungen. Gerade löst sich dies zwar ein wenig auf: Es wird in der Forschung zur Frauenbewegung gegenwärtig durchaus nach Kontakten und Transfers gefragt und es werden Sammelbände publiziert, die Fallbeispiele aus verschiedenen Ländern aufnehmen. Schaut man sich aber empirische Forschung an, dann arbeitet meist immer noch eine Person mit Quellen zu einem Land. Die Forschung zur ersten Frauenbewegung ist bereits sehr viel stärker in transnationalen und vergleichenden Perspektiven erforscht als jene zu den Bewegungen der 1970er und 1980er Jahre. Für den Second Wave Feminism sehen wir da noch viel ungenutztes Erkenntnispotenzial und versuchen, mit unserer Datenbank Impulse zu geben für eine Stärkung transnationaler und vergleichender Perspektiven in Forschung und Lehre.

Mir erschien es immer als Widerspruch, der die Zeitgeschichte im Allgemeinen betrifft, dass gerade die Zeit, die als Ära der Transnationalisierung gilt, die 1970er Jahre, noch recht stark in nationalen Rahmungen erforscht wird.

AM: Könnt ihr einschätzen, wie leicht die später in der Datenbank aufgelisteten Zeitschriften für Forscher:innen zugänglich sind? Stichwort Digitalisierung?

KH: Ich würde sagen, dass maximal 10 % der Zeitschriften online zugänglich sind, wenn überhaupt. Digitalisierung und Verfügbarkeit hängen stark von nationalen Bedingungen ab. Die bekannteste britische Zeitschrift beispielsweise, Spare Rib, ist aufgrund der geänderten Gesetzeslage seit dem Brexit nicht mehr online über die British Library zugänglich. Einzelne, weniger bekannte Titel, wie die radikalfeministische Zeitschrift Trouble and Strife, gibt es aber durchaus online.

Wurden Zeitschriften digitalisiert, dann handelt es sich meist um die größeren und bekannteren Projekte. Oft blieb es dann dabei. Ich vermute, dass die Klärung der Rechte sehr zeit- und ressourcenaufwendig ist. In Deutschland sind beispielsweise Emma und Courage online, in Frankreich u.a. Cahiers du féminisme, in Spanien Vindicación Feminista und in Italien Effe.

Über die Datenbank können Forscher:innen schnell herausfinden, ob und wo Digitalisate verfügbar sind bzw. wenn nicht, wo es Informationen über Bibliotheks- bzw. Archivbestände gibt. Sie erhalten einen raschen Einblick, welche Periodika es überhaupt gab. Ein Anfang ist das immerhin.

SL: Kurz dazu: Der Fokus der Digitalisierungsprojekte auf die größeren Zeitschriften hat zur Folge, dass dann immer nur mit diesen Zeitschriften gearbeitet wird. In vielen Lehrveranstaltungen arbeiten Studierende inzwischen mit Emma und Courage als Quellen. Das ist schön, verstärkt aber die Kluft zwischen den wenigen bekannten Periodika und der Vielfalt an Zeitschriften, die unbekannt bleiben, und verzerrt das Bild „der“ Frauenbewegung. Wir können mit unserer Sammlung nun die Vielfalt der zeitgenössischen Stimmen sichtbarer machen und zugleich auf die Größe und Breite der Bewegungen verweisen, die bisher in vielen Darstellungen zur Zeitgeschichte immer noch als Randnotiz behandelt werden. Eine Digitalisierung wäre ein wichtiger nächster Schritt.

AM: Wenn immer mit der Emma oder der Courage gearbeitet und nicht wahrgenommen wird, wie viele dezidiert lesbische Zeitschriftenprojekte es beispielsweise gab, entsteht doch auch eine bestimmte Erzählung der Frauenbewegung. Oder wie seht Ihr das?

SL: Ja, das stimmt…

KH: Ja, die Vielfalt der Bewegung lässt sich gut an und in den Zeitschriften erkennen. Marginalisierte Stimmen schufen auch innerhalb der feministischen Medienöffentlichkeit Räume und gründeten eigenen Publikationen. Bekannt sind sie in der Regel nicht. Das LUQS - Lesbenarchiv und Queere Sammlung Frankfurt etwa erschließt aktuell noch lesbische Zeitschriften aus dem Rhein-Main Gebiet.

Durch den Blick auf die bekannteren Exemplare der feministischen Presselandschaft laufen wir auch Gefahr, die Bewegungen selbst immer auf die größeren Zentren zu reduzieren. Also Berlin, Köln, London oder Paris.

Dabei gibt es gibt viele andere Blätter, die an abgelegeneren Orten entstanden sind, wie bspw. im Nordosten Schottlands (Msprint, Dundee / Aberdeen) oder in Baden-Württemberg (Schamlos, Heilbronner Frauenzeitung) oder in Nordisland (Kvennalistinn á Akureyri). Auch die Zeiträume, in denen die Publikationen entstanden, erstrecken sich teilweise lokal über längere Perioden als bisher gängige Periodisierungen der Frauenbewegungsgeschichte es vermuten lassen würden.

AM: Wie kann die Datenbank die aktuelle Geschichtsschreibung über die Frauenbewegung darüber hinaus noch ergänzen oder gar verändern?

KH: Wir weiten wie gesagt den räumlichen Blick dadurch, dass wir lokalisieren, wo die einzelnen Projekte entstanden. Gesammelt auf einer Karte und grafisch aufbereitet, können wir die Vielfalt der Orte, an denen Frauengruppen entstanden, eindrücklich darstellen, im besten Fall auch Vernetzungen erkennen, „HotSpots“ und Leerstellen.

Eine andere Sache, die mir durch die Arbeit am Projekt aufgefallen ist, ist das Narrativ von „der“ Frauenbewegung als „autonomes” Projekt. Dieses gerade in Deutschland gängige Narrativ kann mit Blick auf das Medium Zeitschriften hinterfragt werden, gerade wenn man Skandinavien und Südeuropa mit einbezieht. Durch die breitere, neue Quellenbasis können wir auch die Erzählung über die Frauenbewegungen erweitern, die teilweise nach wie vor auf älterer Sekundärliteratur basiert, die die Zeitgenossinnen noch selbst geprägt haben. Diese Literatur suggeriert, dass Frauenbewegungen außerparlamentarisch und vor allem im autonomen Spektrum aktiv waren. Vielleicht waren Akteur:innen der Frauenbewegung aber auch in Parteien aktiv?

Damit landen wir bei einer aktuellen Forschungsdiskussion, die darüber geführt wird, was „Feminismus” war oder ist.

SL: Das Narrativ der außerparlamentarischen Frauenbewegung ist besonders stark in der deutschen Geschichtsschreibung. Die westdeutsche Frauenbewegung hat die Bezeichnung „autonom” besonders stark herausgestellt, weil es eine starke gefühlte Distanz zum Staat gab und ihr die Abgrenzung wichtig war. Das war aber zweifellos nicht in allen europäischen Ländern gleich und unterlag Wandlungsprozessen, die vergleichend zu untersuchen ausgesprochen fruchtbar wäre. Erst wenn eine Person anfängt, mehrere Länder gleichzeitig vergleichend zu betrachten, erkennt man auch solche Unterschiede.

KH: Bei der Arbeit mit Zeitschriften aus unterschiedlichen Ländern ist auch spannend zu sehen, wie regionale Besonderheiten hervortreten, etwa durch Dialekte oder andere Sprachen wie Baskisch oder Katalanisch. Zu beobachten ist, wie unterschiedlich Aktivist:innen Identität über die Region stiften.

SL: Diese Frage nach der Relevanz des Regionalen steht in Bezug auf andere Neue Soziale Bewegungen, wie die Anti-Atom Bewegung, schon länger im Vordergrund. So wurde dazu geforscht, was die regionale Verankerung oder die Vorstellungen lokaler/regionaler Zugehörigkeit für die Legitimität und die Identitätsbildung von Akteur:innen sozialer Bewegungen bedeutet; für die Frauenbewegungsforschung sind hier noch spannende Ergebnisse zu erwarten.

AM: Was ich bei meinen Erkundungen in den wenigen digitalisierten Zeitschriften besonders spannend fand, waren Berichte über Frauengruppen aus anderen Ländern. In einer dänischen Zeitschrift wurden bspw. Eindrücke der deutschen Frauenbewegung in Folge eines Besuchs auf dem 1. Internationalen Lesbenpfingsttreffen geschildert. In ihrem Bericht hielten sie fest, dass sich die Frauenbewegung in Dänemark und Westdeutschland mit anderen inhaltlichen Problemstellungen beschäftigten. Vor allem die im Blatt zum Ausdruck gebrachte zeitgenössisch unterschiedliche Verwendung von Begriffen wie „Feminismus“ fand ich interessant.[2]

KH: Dafür sind Frauenbewegungszeitschriften eine super Quelle. Die Redaktionskollektive hatten in der Regel Austausch-Abos mit verschiedenen Zeitschriftenprojekten – europaweit und international. Das zeigt sich in Deutschland bspw. sehr schön an den Beständen der feministischen Archive und Bibliotheken. Nicht nur die Hefte zirkulierten, die Seiten sind auch voll von Informationen über internationale Konferenzen, Sommercamps, Nachrichten oder theoretische Debatten. Die Publikationen boten Räume für Austausch, Diskussion und kollektive Selbstvergewisserung obwohl sie formal sehr unterschiedlich sein konnten: von intern zirkulierenden Newslettern bis hin zu größeren, professionell vertriebenen Hochglanzmagazinen. Und obwohl zentrale Themen wie Abtreibungsrechte, Bildung, Arbeit oder Gewalt gegen Frauen in vielen Kontexten präsent waren, wurde darüber doch in jeweils sehr unterschiedlicher Weise diskutiert – mit verschiedenen diskursiven Strategien, politischen Rahmungen und rhetorischen Mitteln. Gerade diese Vielfalt in der Auseinandersetzung eröffnet ein großes Potenzial für vergleichende Perspektiven.

SL: Wir wissen aus anderen Bereichen der Zeitgeschichtsforschung, dass es vor allem ab den 1970er Jahren zwar Transnationalisierungsprozesse gab, aber dass transnationale Kooperation auch nie einfach war, es fortbestehende nationale Unterschiede, teils gravierende Kommunikationshürden (allein schon sprachlicher Natur), Missverständnisse und manchmal auch Desinteresse gab. Noch wissen wir aber zu wenig darüber, welche Konturen die Räume transnationaler Imaginationen, Wissenszirkulationen und realer sozialer Kontakte – etwa durch Reisen, Kongresse usw. – eigentlich hatten.[3] Um Prozesse der Transnationalisierung noch besser zu verstehen, muss man meines Ermessens die Vergleichs- und Verflechtungsperspektive zusammendenken. Kassandra kann durch ihre Forschung, die genau das versucht, etwa zeigen, wie unterschiedlich britische und westdeutsche Frauenzeitschriften jeweils auf die USA blickten.

AM: Welche Hürden und Herausforderungen sind Euch während der Arbeit an der Datenbank und dem dazugehörigen geplanten inhaltlichen Teil, vielleicht könnte man es als Blog bezeichnen, bisher begegnet? Wie geht Ihr damit um?

SL: Das Projekt war und ist offen konzipiert, wir fangen “klein” an und gucken dann, wie groß das wird. Wir wollten uns nicht davon abschrecken lassen, was möglicherweise an Konsequenzen und Hindernissen auftauchen könnte.

Ich würde die begleitenden Online-Publikationen nicht als Blog bezeichnen, eher als ein digitales Einführungswerk in die Frauenbewegungspublikationslandschaft in Westeuropa. Gerade sind die technischen, organisatorischen Herausforderungen noch etwas größer als wir es erwartet hatten. Allein Fragen wie: Wer stellt einem eine dauerhafte Sicherung der Daten zur Verfügung? Wie bereitet man die Daten so auf, dass diese gut zugänglich sind und zugleich mit der Datenbank verknüpft werden können? – sind durchaus herausfordernd. Wir haben gute Ideen, aber die Umsetzung geht relativ langsam und bedarf vieler Absprachen mit Kooperationspartnern wie der – sehr kooperativen – Tübinger Universitätsbibliothek. Es hat sich gezeigt, dass die Universitäten für digitale Projekte wie unseres noch keine gute Infrastruktur haben, jedes Projekt muss von Neuem Fragen wie Hosting, Datensicherung usw. klären.

KH: Genau, wir haben mit vielen Ideen angefangen und dann geschaut, was realisierbar ist. Wir arbeiten mit begrenzten finanziellen Mitteln, einer begrenzten Personenzahl und sind auf Open Source Programme angewiesen wie zum Beispiel Zotero. Auf der Suche nach Ideen wie wir unsere Arbeit ansprechend und nachhaltig zugänglich machen können, haben wir mit Personen aus anderen Forschungsprojekten gesprochen. Dabei sind wir auf das Open Encyclopedia System (OES) gestoßen, eine Open Source Software, mit der sich unsere Vorstellungen von einem digitalen Einführungswerk gut umsetzen lassen würden. Am Center für Digitale Systeme (CeDiS) an der FU Berlin läuft aktuell ein DFG-Projekt, das kleinere Projekte wie unseres, bei der Arbeit mit OES unterstützt.

SL: Im Moment ist es ein Liebhaberprojekt, an dem neben dem Arbeitsalltag gearbeitet wird; es gibt niemanden, der Vollzeit in diesem Projekt tätig ist. Wir gucken auch, ob wir noch eine andere Finanzierung für das Projekt bekommen. Die UB hat uns in Datenfragen immerhin sehr gut unterstützt und die Sicherung der Daten, die wir in Zotero aufnehmen, langfristig garantiert, indem diese Daten auch in Bibliothekskataloge eingepflegt werden.

AM: Das klingt nach viel Arbeit und dennoch würde ich abschließend gerne fragen, wie Euer Traumszenario für das Projekt aussieht!

KH: Ich hoffe, dass wir die Datenbank in diesem Jahr [2025] weitgehend füllen und 2026 online stellen können und dass es in vielleicht zwei Jahren eine Webpräsenz gibt, ein digitales Einführungswerk, das unterschiedliche Perspektiven auf feministische Zeitschriften zusammenführt: mit Beiträgen von Forscher:innen, die sich intensiv mit diesen Publikationen beschäftigt haben. Unser Ziel ist es, eine zugängliche und gleichzeitig anspruchsvolle Ressource zu schaffen, mit der sich Studierende, Interessierte und Forschende einen fundierten Überblick über das Feld verschaffen können. Die von uns erfassten Datensätze und Titel sollen nicht nur verfügbar, sondern auch intuitiv erforschbar sein, etwa über interaktive Landkarten oder thematische Filter. Kurz gesagt: Ich wünsche mir, dass es ein Werkzeug wird, das Forschung inspiriert und vernetzt.

SL: Wenn wir jetzt träumen sollen: Bisher fokussieren wir uns auf Westeuropa; gern würden wir auch darüber hinausdenken, mit Projekten zu Osteuropa in Dialog treten oder mit nordamerikanischen Institutionen kooperieren, wo es in den 1960ern und 1970ern einen breiten Frauenbewegungspublikationsmarkt gab. Man könnte groß und gar global denken, aber die Frage ist natürlich, wie realistisch das ist. Deswegen haben wir gesagt, wir fangen mit Westeuropa „klein” an – wobei klein ja relativ ist, denn zu 18 westeuropäischen Ländern zu recherchieren, ist bereits herausfordernd, auch mit Blick auf die benötigten Sprachkenntnisse.

Während der Arbeit am Projekt ist mir außerdem klar geworden, dass es noch viele spannende Dinge gibt, die man mit Quellen aus der Geschlechtergeschichte oder der Geschichte des Feminismus machen könnte. Es gibt große digitale Editionsprojekte zu verschiedenen Aspekten der Deutschen Geschichte, aber zum Beispiel keine zur europäischen oder globalen Frauenbewegungsgeschichte. An Ideen mangelt es nicht.

AM: Es schadet nicht, sie zu entwerfen. Danke Euch für das Gespräch und ich bin gespannt, wie es weitergeht!

 


[1] Das Projekt fokussiert zunächst auf die Publikationen der Bewegungen in westeuropäischen Demokratien zwischen 1968 und 1989, ist aber sehr offen für zukünftige Erweiterungen und Kooperationen. Ziel ist, zunächst die Presse der Bewegungen in allen demokratischen Ländern Europas in diesem Zeitraum zu kartieren, daher der Fokus auf Westeuropa
[2] Vgl. Kvinder Kvinder, Nr. 3, Juli 1974, S. 15, (Zugriff 24.4.2025).
[3] Vgl. zu dieser methodischen Frage Sonja Levsen/Kiran Patel: Imagined Transnationalism? Mapping Transnational Spaces of Political Activism in Europe’s Long 1970s, in: European Review of History / Revue Européene d'Histoire 29.3 (2022), S. 371-390 sowie die Beiträge des Themenheftes.

 

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Zitation

Alina Müller, Mehr als nur eine Randnotiz in der Zeitgeschichte. Ein Gespräch über das FemMag Projekt und die Forschung zu Frauenbewegungszeitschriften, in: Zeitgeschichte-online, , URL: https://zeitgeschichte-online.de/mehr-als-nur-eine-randnotiz-der-zeitgeschichte