Ein einsamer Mann flaniert an Paaren vorbei
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Carl Spitzweg, Der Hagestolz, entstanden um 1880. Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Der_Hagestolz_(Carl_Spitzweg).jpg 

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„Ich genieße die Junggeselleneinsamkeit, die manchmal ihre Vorzüge hat.“

Ledige Männer und Frauen im 19. Jahrhundert

Die ganze Ambivalenz seines – man könnte auch sagen: des – Ledigendaseins liegt in der Bemerkung des 37-jährigen Max Eyth (1836–1906) in einem Brief an seine Eltern: „Ich genieße die Junggeselleneinsamkeit, die manchmal ihre Vorzüge hat.“1 Phasen des Wohlbefindens wechseln ab mit solchen sich manchmal bis zur Schwermut steigernder Einsamkeit. In seiner Gesamtlebensplanung jedoch hat Eyth die Vorzüge des unabhängigen Lebens zu nutzen gewusst und bestätigt damit teilweise die Vorurteile seiner Mitwelt. Ich komme nach einigen einführenden Informationen zu Ledigen im 19. Jahrhundert auf dieses Beispiel zurück.

Obwohl die Ausgangsbedingungen und Umstände, unter denen ledige Frauen und Männer im 19. oder im 21. Jahrhundert ein Leben außerhalb des Ehemodells führten und führen, sehr unterschiedlich waren und sind, können die Herausforderungen, vor die Alleinlebende im Alltag gestellt sind, durchaus verglichen werden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebte rund ein Drittel der männlichen wie der weiblichen Bevölkerung im heiratsfähigen Alter nicht in einer ehelichen oder familiären Gemeinschaft. Etwa 8 Prozent der Männer und 11 Prozent der Frauen gingen lebenslang keine eheliche Verbindung ein.2 Auch Angehörige der bürgerlichen Schicht schienen sich in zunehmendem Maße nicht mehr zu verheiraten. Ihre Selbstzeugnisse ermöglichen es, ihre Lebensgestaltung nachzuzeichnen, und gewähren gelegentlich Einblick in ihre Reflexionen. Indem sich die Autor*innen so an die Öffentlichkeit wandten, um Zustimmung zu ihrer Lebensführung zu erhalten, spiegeln diese Ego-Dokumente sowohl die Fragilität der Norm wie auch einen ernstzunehmenden und ernstgenommenen gesellschaftlichen Diskurs wider.3 „Hagestolze“ und „alte Jungfern“ – wie ledige Männer und Frauen im 19. Jahrhundert genannt wurden – erfuhren Spott, Skepsis, sogar unverhohlene Ablehnung oder wurden bedauert, allein leben zu müssen. Dieser Fremdwahrnehmung steht eine Selbstwahrnehmung gegenüber, in der sich die Klischees nur teilweise wiederfinden, oft gebrochen in selbstironischer Distanzierung. Ebenso waren die konkreten Lebensformen von Unverheirateten differenzierter als die Bilder von bemitleideten sitzengebliebenen einsamen Töchtern, Verantwortung scheuenden Söhnen, lästigen Tanten, Gouvernanten und schrulligen Onkeln. Männer wie Frauen suchten bei befreundeten Familien, über das Berufsleben oder die Freizeitgestaltung Kreise und Netzwerke, in denen sie Geselligkeit, Austausch oder emotionale Zufriedenheit und Unterstützung fanden, die einen eigenen Charakter gewannen und nicht nur „Ersatz“ – so manchmal von außen gesehen oder an den Normen messend von ihnen selbst so bezeichnet – für eine eigene Familie waren. Quellengrundlage zu den hier vorgestellten und auf die Gründe für ihr „Single“-Leben, ihre Lebensgestaltung und – soweit möglich – ihren Gemütszustand hin befragten ledigen Frauen und Männern des Bürgertums sind Autobiografien, Tagebücher und Briefe. Dabei ist zu bedenken, dass die Selbstdarstellungen womöglich selektiv im Hinblick auf eine Erwartungshaltung und Selbstvergewisserung des bürgerlichen Lesepublikums sind, und weniger rosige Erfahrungen des Ledigseins vielleicht ausgeblendet oder auch nicht veröffentlicht wurden.

 

Einsame „Hagestolze“?

Zurück zu Max Eyth: Der 1836 geborene Schriftsteller und Ingenieur litt oft unter Einsamkeit, die er dennoch immer wieder suchte. Hatte er infolge von Geschäftsreisen über das alltägliche Maß hinaus mit Menschen zu tun, gaben ihm nur mehrtägige oder mehrwöchige einsame Wanderungen sein Gleichgewicht wieder zurück.4 Ganz grundsätzlich waren das Alleinleben und die damit verbundenen Phasen der Einsamkeit für ihn der Preis für eine andere, wenn nicht höhere Aufgabe: Ähnlich wie das Konzept der „sozialen Mütterlichkeit“ einen besonderen gesellschaftlichen Auftrag für ledige Frauen vorsah, glaubte Eyth, dass es die Aufgabe der Junggesellen sei, für „allgemeinere“, außerhalb der Hausvaterrolle liegende Fragen die Verantwortung zu übernehmen. Er bestärkte darin auch einen ledigen Freund: „Es ist wirklich für Leute wie Sie und mich eine Lebenspflicht, wie die des Familienvaters für seine Kinder, dass wir ein wenig für die allgemeinen Aufgaben des Daseins sorgen, für welche die Ehekrüppel keine Zeit und Kraft übrig haben.“5 Gegen den Vorwurf vom geringeren Sozialwert der Junggesellen verteidigte Eyth in einer eheorientierten Gesellschaft die Ehelosen und schrieb ihnen eine besondere Zuständigkeit für das große Ganze zu. Nach Eyth war es Aufgabe der ledigen Männer, sich in den Dienst der Menschheit zu stellen, etwa indem sie, wie er selbst, den wissenschaftlich technischen Fortschritt vorantrieben. Er hob damit die Ambivalenzen seines Lebens zwischen Wohlgefühl und Einsamkeit in einer höheren Sinngebung auf. Wie in Eyths Fall, der als Ingenieur viel unterwegs war, wurde als Argument dafür, dass Männer ledig blieben, akzeptiert, dass ein Beruf, der größtmögliche Mobilität erfordere, wie es in der modernen Arbeitsteilung immer üblicher sei, die Familiengründung erschweren oder verzögern könne.6 Damit entstand letztlich eine alternative, gesellschaftlich gebilligte Lebensform. Die neuen Herausforderungen und Erlebnismöglichkeiten wurden von einigen Männern der vielleicht langweiligeren Sesshaftigkeit und Familiengründung vorgezogen und aus einer Not wurde eine Tugend gemacht. So entstand neben dem Bild des verantwortungslosen, selbstsüchtigen und eigenwilligen Sonderlings, dem zur Entwicklung zum richtigen Mann die Schule des Lebens an der Seite einer Frau und in Verantwortung für die Familie fehle, das gegenteilige Image des Junggesellen als „ganzer Kerl“. 7 Seine Männlichkeit zeichnete sich dadurch aus, dass er sich von keiner Frau „einfangen“ ließ.

Bei dem 1818 geborenen Kunsthistoriker Jacob Burckhardt hatten gleichermaßen prinzipielle Über­legungen und eine pessimistische Grundstimmung zu seiner Ehelosigkeit beigetragen. Burckhardt war in einer unsicheren und revolutionären Zeit ins Heiratsalter gekommen. Im Jahr 1847 schreibt er an einen Freund: „Wer einsam bleibt, der fällt nicht so leicht dieser miserablen Welt in die Klauen, der kann ihr zu jeder Zeit einen Fußtritt geben und ins hohe Meer der Freiheit hinaussteuern.“8 Frei und nur sich selbst verantwortlich? Auf den ersten Blick scheint dies das Motiv für die Ehelosigkeit Jacob Burckhardts zu sein. Doch empfand Burckhardt ein großes Verantwortungsbewusstsein seiner Ursprungsfamilie gegenüber. Er sorgte für die Schwestern, so­lange sie unverheiratet waren, und kümmerte sich dann fürsorglich um Nichten und Neffen. Damit erwarb er sich – wie er es sah – einen Platz am Herd der Schwester, um Körper und Seele aufzuwärmen. „Onkeln“ nannte Wilhelm Heinrich Riehl die Sitte, dass sich ein Junggeselle einen Familientisch in einem gastfreien Hause suchte, um nicht einsam essen zu müssen.9 Besonders anlässlich sogenannter Familienfeste nahmen alleinlebende Männer wie Frauen gerne die Gastfreundschaft einer Familie in Anspruch, die nicht notwendigerweise die eigene sein musste.

Einige Junggesellen bauten sich auch einen stabilen Freundeskreis oder ein großes Netzwerk auf. Obwohl Burckhardt ein engagierter Bruder und Onkel war, blieben die dreimal pro Woche stattfindenden Wirtshausabende der wichtigere, weil regelmäßigere und zuverlässigere Schutz vor Einsamkeit. Er fand hier nicht nur Freundschaft, sondern auch gelehrte Unterhaltung, Bewunderung, Anerkennung, Anregung und Entspannung.10 Mit den Freunden unternahm er auch lange Spaziergänge, vor allem an Sonntagen, die Alleinlebenden besonders einsam werden konnten. Burckhardts Leben schien so ausgefüllt und man glaubt ihm, wenn er einem Freund schreibt: „Ich meinerseits bin ja glücklich, wenn ich an den Abenden, da nicht Halle ist, um 9 Uhr meine Feder auswischen und bei einem Schluck rothen Weines einsam an’s Clavier sitzen kann.“11 Einsamkeit ist hier keinesfalls ein negatives Gefühl.

Alfred Lichtwark (1852–1914), seit 1886 Direktor der Hamburger Kunsthalle, war für sein Wohlbefinden auf Geselligkeit und Zuwendung unterschiedlicher Intensität angewiesen. In erster Linie waren dafür die Mutter, die Schwester und der Bruder zuständig. Da er jedoch einige Jahre auf die ersehnte Stelle und Wohngemeinschaft mit der Familie in der Heimatstadt Hamburg warten musste, bemühte er sich um „Ersatz“12. Bisweilen wirkt das Programm seiner gesellschaftlichen Verpflichtungen, über das er der Mutter in oft zwei Briefen pro Woche aus Berlin minutiös Bericht erstattete, so übervoll, dass das Vergnügen, das Lichtwark offensichtlich dabei empfand, nur schwer nachvollziehbar ist. Ein Sonntag sah bei ihm etwa so aus: „Diesen Sonntag hatte ich mich frei gemacht zu Besuchen, bin aber nicht sehr weit gekommen. Zuerst ging ich zu Lüders, wo man am frühesten kommen darf. Ich wurde gleich zu Tisch behalten. [...] Später ging ich zu Robert, zu Jacoby und zu Mommsen.“13 Lichtwark liebte es, am Familienleben seiner Freunde und Kollegen teilzunehmen, pflegte aber ebenso reine Männergeselligkeit.

Vor dem Hintergrund dieser Beispiele, die in ähnlicher Weise etwa für Wilhelm Busch, Johannes Brahms oder Gottfried Keller gelten, muss die These von einem „Verlust“ der Familiengeselligkeit im späteren 19. Jahrhundert relativiert werden.14 Zwar nahm die berechnende repräsentative Geselligkeit, die der Karriere dienen sollte, an Bedeutung zu, doch trat sie neben die weiterhin gültige vertrauliche Familiengemeinschaft, zu der enge, insbesondere alleinstehende Freund*innen Zugang hatten. Der Gewinn war dabei durchaus gegenseitig. Der Althistoriker Theodor Mommsen (1817–1904), in dessen Haus Alfred Lichtwark häufiger und gern gesehener Gast war, vertrat etwa die „Ansicht, Familie allein tauge nicht viel, man müsse sie immer mit Freunden durchsetzen; das sei der Sauerteig, der das Brot erst schmackhaft mache.“15

 

Einsame „Alte Jungfern“?

Frauen blieben oft ledig, weil sich beispielsweise die Pflege der Eltern nicht mit der Gründung einer eigenen Familie vereinbaren ließ. Andere entschieden sich schon früh für einen Beruf, was im 19. Jahrhundert in der Regel gleichbedeutend mit einem Verzicht auf die Ehe war. Für einige spielten religiöse Gründe eine Rolle. Viele Frauen gaben unverblümt zu, dass sie einfach nicht den Richtigen oder die große Liebe getroffen hatten. Genauer müsste man sagen, dass der Richtige sie nicht gefunden hatte. In dieser Nuance liegt der Grund dafür, dass Männer, von denen die Initiative bei der Eheanbahnung erwartet wurde, seltener so schicksalsergeben argumentierten, wäre dies doch in ihrem Fall das Eingeständnis eines Versagens gewesen. Frauen rechtfertigten hingegen so ihre Ehelosigkeit, bekundeten ihre Unschuld an der Nichterfüllung gesellschaftlicher Erwartungen und erklärten ihre moralische Integrität dadurch, dass sie nicht den Kompromiss einer Vernunftehe eingegangen seien.

Ein typisches Beispiel dafür ist die Sozialreformerin und Frauenrechtlerin Alice Salomon (1872–1948): Häufiger und ausführlicher als jede andere zeitgenössische „Karrierefrau“ – der Begriff wird von ihr selbst verwendet16 – thematisiert sie ihre Ehelosigkeit. In ihren Jugend- und Arbeitserinnerungen von 1926 erklärt sie, dass sie keinen Vorsatz gehabt habe, nicht zu heiraten, im Gegenteil: „Ich bin immer überzeugt gewesen, daß Ehe und Mutterschaft die Krone im Leben der Frau sein können – wenn es die rechte Ehe ist, die in gegenseitiger Liebe und in gegenseitigem Vertrauen geschlossen werden kann. Und ich bin heute überzeugt, daß für viele Frauen auch eine Ehe, die hinter diesem Ideal zurückbleibt, der beste Weg ist – weil eben eine Lebensgestaltung unter eigener Verantwortung und in voller Selbständigkeit über ihre Kraft geht. Aber einige Frauen sind für das einsame Leben bestimmt. Es gibt Frauen mit einer geistigen und sittlich-tatkräftigen Natur, für die ein Kompromiß in dieser wichtigen Lebensentscheidung seelischen Tod bedeutet, für die eine Ehe, die das Ideal nicht vollkommen verwirklicht, das Opfer ihrer höheren Kräfte zugunsten der Befriedigung der niederen ist. Für solche Frauen ist es tausendmal besser, allein zu bleiben, als ohne Liebe und Vertrauen eine Ehe zu schließen. Das, worauf es für solche Frauen ankommt, ist, daß sie das Schicksal, das ihnen wird, nicht resigniert hinnehmen, sondern daß sie es annehmen und positiv gestalten. Wenn das gelingt, dann ist auch das Leben allein ein erfülltes Leben, das seine Bestimmung erfüllt.“17 Alice Salomon beantwortete die Frage nach ihrer Ehelosigkeit allgemein für die Frauen, die sie in verschiedene Kategorien einteilte. Da sind zunächst die vielen, für die die Ehe der richtige Weg sei. Damit befand sie sich im Konsens mit den meisten ihrer männlichen und weiblichen Zeitgenossen. Die Begründung fällt allerdings aus dem üblichen Rahmen. Die positive Einschätzung der Ehe als „bester Weg“ für eine Frau erhält eine deutliche Einschränkung: Sie sei dann gut, wenn Verantwortung und Selbständigkeit zu hohe Anforderungen darstellen, wenn also Frauen zu schwach für ein selbstbestimmtes Leben seien. Den Frauen jedoch, die die Kraft dazu hätten, drohten – dies die eher hintergründige Botschaft – „Einsamkeit“ und „Resignation“. Doch insgesamt bleibt der Tenor der Charakterisierung selbständiger Frauen positiv. Es ging Salomon darum, am eigenen Beispiel deutlich zu machen, dass man das eine vermissen könne, ohne das andere als verfehlte Existenz zu sehen. Entgegen der wenig heiteren Beschreibung von der „Berufscölibatärin“ als resignierter, freudloser, einsamer und überlasteter Frau18 haben Frauen – wie es für Männer nicht angezweifelt wurde – ihr Berufsleben und die damit verbundene ökonomische Unabhängigkeit und Macht oft durchaus genossen.

Anders als für Männer gab es für Frauen allerdings keine Orte, keine Klubs oder das Wirtshaus, wo sie sich, ohne verabredet zu sein, zusammenfinden konnten. Sie mussten die Möglichkeiten, sich zu treffen, neu schaffen und immer wieder organisieren. Da sie im Berufsleben kaum Vorbilder hatten und oft Pionierarbeit leisteten, führte sie jedoch der Wunsch, über ihre Arbeit zu reden und sich gegenseitig zu stärken, zusammen. Daraus entstanden sowohl Freundschaften als auch unverbindliche Interessengemeinschaften, in denen nicht nur berufliche und frauenpolitische Fragen diskutiert wurden, sondern die Teilnehmerinnen auch oft ihre Freizeit miteinander gestalteten, so etwa Wanderungen, Radtouren oder gemeinsame Leseabende.19

 

Fazit

Bei aller Integrationskraft, die die Herkunftsfamilie für Alleinstehende hatte, ließen neue Erfahrungen, Wünsche und Lebensformen das Bedürfnis nach alternativen sozialen und emotionalen Bindungen und die Notwendigkeit nützlicher Beziehungsnetze entstehen. Für ledige Frauen war die Herausforderung, als Einzelperson zu leben und zu agieren, ungewohnter und ungleich schwieriger als für Männer. Für Frauen bedeutete die neue Freiheit nicht nur, Netzwerke aufbauen zu müssen, sondern auch ihre Unabhängigkeit zu wahren und zu betonen. Männer scheinen mit der Fähigkeit zum Aufbau von außerberuflichen Netzen ihre emotionale und soziale Kompetenz beweisen zu wollen – und zu müssen. Einsamkeit – im Sinne eines negativen Gefühls – scheinen sie nicht mehr als manche Menschen in Paarbeziehungen empfunden zu haben.

 


1 Max Eyth an die Eltern, 18.11.1873, Im Strom unserer Zeit I u. II: Wanderbuch eines Ingenieurs (= Gesammelte Schriften, 5. Bd.), Stuttgart/Leipzig 1909–1910, 425.
2 Vgl. John Knodel /Mary Jo Maynes, Urban and Rural Marriage Patterns in Imperial Germany, in: Journal of Family History 1 (1976), Nr. 2, 129–161, 135; Ähnlich wie schon in zeitgenössischen Statistiken wurde der Anteil der dauerhaft Ledigen gleichgesetzt mit den Ledigen zwischen 45 und 49 Jahren. Nach 45 Jahren war eine Verheiratung – vor allem bei Frauen – nur noch selten, ab 49 nahm die Zahl der Witwen und Witwer unter den Alleinlebenden zu.
3 Vgl. ausführlich auch für das Folgende Bärbel Kuhn, Familienstand: ledig. Ehelose Frauen und Männer im Bürgertum 1850 – 1914, (L'Homme Schriften 5) Köln/Weimar/Wien 22002.
4 Vgl. Max Eyth an die Mutter, 20.8.1887, Im Strom unserer Zeit III, 250. Vgl. auch an dies., 5.7.1885, ebd., 159f., an die Eltern, 4.6.1871, Im Strom unserer Zeit I u. II, 366.
5 Max Eyth an Paul Poggendorff, 28.12.1888, Lothar Meyer, Paul Poggendorff. Ein Lebensbild. Mit Freundesbriefen von Max Eyth, Berlin 1911, 26.
6 Max Haushofer, Die Ehefrage im Deutschen Reich. (Der Existenzkampf der Frau im modernen Leben. Seine Ziele und Aussichten, Heft 3) Berlin 1895, 76.
7 Zur Bedeutung der Eheschließung als „Abschluß der ‚Verwandlung‘ des Knaben zum ‚Mann‘“ vgl. Heide Wunder, Wie wird man ein Mann? Befunde am Beginn der Neuzeit (15.–17. Jahrhundert), in: Hg. Christiane Eifert/Angelika Epple/Martina Kessel, Was sind Frauen? Was sind Männer? Geschlechterkonstruktionen im historischen Wandel. Frankfurt a.M. 1996, 122–149, Zit. 141.
8 Jacob Burckhardt an Hermann Schauenburg, 27.2.1847, Jacob Burckhardt, Briefe, 10 Bde., Basel/Stuttgart 1949–1986, Bd. III, 54.
9 Wilhelm Heinrich Riehl, Die Familie (Die Naturgeschichte des Volkes als Grundlage einer deutschen Social‑Politik, Bd. 3, 1854), vierter unveränderter Abdruck, Stuttgart/Augsburg 1856, 246.
10 Werner Kaegi, Jacob Burckhardt. Eine Biographie, 7 Bde., Basel/Stuttgart 1947–1982, Bd. VII, 225.
11 Jacob Burckhardt an Max Alioth, 17.2.1884, Burckhardt, Briefe, Bd. VIII, 185.
12 Alfred Lichtwark an die Mutter, Februar 1882, Alfred Lichtwark, Briefe an seine Familie 1875-1913, hrsg. von Carl Schellenberg, Hamburg 1972, 257.
13 Lichtwark an die Mutter, 3.5.1884, ebd., 522.
14 Anne‑Charlott Trepp, Sanfte Männlichkeit und selbständige Weiblichkeit. Frauen und Männer im Hamburger Bürgertum zwischen 1770 und 1840, Göttingen 1996, 397.
15 Adelheid Mommsen, Mein Vater. Erinnerungen an Theodor Mommsen, München 1992, 38.
16 Vgl. Alice Salomon, Charakter ist Schicksal. Lebenserinnerungen, Weinheim 1984, 138.
17 Alice Salomon, Jugend- und Arbeitserinnerungen, in: Elga Kern Hg., Führende Frauen Europas in sechzehn Selbstdarstellungen, 2 Bde., München 1928 und 1933, Bd. 1, 33f.
18 Haushofer, Ehefrage, 96.
19 Vgl. Gertrud Bäumer, Frieda Duensing, in: dies., Gestalt und Wandel. Frauenbildnisse, Berlin 1939, 656-681, 657.

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Zitation

Bärbel Kuhn, „Ich genieße die Junggeselleneinsamkeit, die manchmal ihre Vorzüge hat.“ Ledige Männer und Frauen im 19. Jahrhundert. Ledige Männer und Frauen im 19. Jahrhundert, in: zeitgeschichte|online, , URL: https://zeitgeschichte-online.de/themen/ich-geniesse-die-junggeselleneinsamkeit-die-manchmal-ihre-vorzuege-hat-ledige-maenner-und