von Christoph Schulze

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24. Oktober 2019

Nehmen wir das Ansinnen ernst, eine zeitgeschichtliche Forschung zum bundesdeutschen Rechtsextremismus zu entwickeln, dann sollte diese ihren Gegenstand in seinem Facettenreichtum würdigen. Dies bedeutet unter anderem, dass eine zeitgeschichtliche Forschung zum Thema einen Bereich benötigt der rechtsextreme Kulturarbeit und -erscheinungen untersucht. Denn Rechtsextremismus ist nicht allein ein politisches Phänomen und darum nicht vollständig über die Untersuchung von Organisationen, Ideologien, Strategien, Gewalttaten oder über Wahlergebnisse erfassbar. Vielmehr ist Rechtsextremismus in seiner Entwicklung in Deutschland seit 1945 auch als sozialer und eben kultureller Zusammenhang in den Blick zu nehmen. Die rechtsextreme Kulturarbeit dürfte bedeutende Beiträge zur Reproduktionsfähigkeit, für die Vernetzung, für die Sinnvermittlung und Traditionsvermittlung und für die Herstellung von Identität geleistet haben und stellt so einen Austragungsort für strategische, ästhetische und in zweiter Linie auch inhaltliche Debatten in ihrem Lager bereit.

 

Eine „besondere“ Kultur
Schon 1984 haben Peter Dudek und Hans-Gerd Jaschke auf die Bedeutung der Kultur für den Rechtsextremismus hingewiesen. Ihre Maßstäbe setzende Studie zur Entstehung und Entwicklung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik trug nicht umsonst die Unterzeile „Zur Tradition einer besonderen politischen Kultur“[1]. Kulturgemeinschaften, Verlage und ähnliche Akteur*innen wurden herausgestellt als Agenturen, die der rechtsextremen „Stammkultur“ Orientierung und Erinnerung, Ästhetik und Geselligkeit boten. Im politisch und sozial relativ isolierten Rechtsextremismus der alten Bundesrepublik sei für diesen, so Dudek und Jaschke, die Kulturarbeit unverzichtbar gewesen, da unmittelbarer politischer gesellschaftlicher Einfluss nicht in Aussicht schien. Der verbreitete „Attentismus“, das Warten auf ein großes politisches Gelegenheitsfenster, habe eine Lagermentalität befördert. Um bis zum „Tag X“ überwintern zu können, habe es der Kultur als Rückzugsort und als Sinnvermittlungsinstanz bedurft.
Mit „Stammkultur“ meinten Dudek und Jaschke jenes Segment der bundesdeutschen Bevölkerung, das dem Nationalsozialismus biografisch noch unmittelbar oder wenigstens eng verbunden war und mit ihm positive, nostalgische Gefühle verband. An diese Stammkultur schlossen allmählich entstehende, jugendliche Subkulturen an, die die zugrundeliegenden Sichtweisen auf Politik und Geschichte der älteren Generation teilten und weitertrugen, dafür jedoch – durchaus mit Eigensinn ausgestattet – neue Formen fanden.

 

Rechtsrock: Pop und Bewegungskultur
Mögliches Teilstück einer zeitgeschichtlichen Erforschung der Kultur des Rechtsextremismus können Untersuchungen zum Rechtsrock darstellen. Rechtsrock, die Popmusik im Rechtsextremismus, kann auf eine mittlerweile über vier Jahrzehnte währende Geschichte zurückblicken. Rechtsrock ist eine internationale Kultur. Sie war in beiden deutschen Staaten auf je spezifische Art anzutreffen. Die explodierende rassistische Gewalt besonders in den neuen Bundesländern seit dem Anfang der 1990er Jahre hatte nicht ihre Ursache, aber einen wichtigen Einflussfaktor im gleichzeitig boomenden Rechtsrock. Die gewalttätige rassistische Jugend dürstete nach einer Ästhetisierung ihres Lebensgefühls. Der rechte Message-Rock leistete dies, transportierte ideologische Grundpfeiler und rief zunehmend ideologisiert zum Handeln auf. Die Spezifik des späteren NSU-Terrorismus erklärt sich aus diesen Kontexten, in denen sich die Handelnden und ihr Unterstützermilieu bewegt hatten – dazu hatte ihre Skinhead-Identität inklusive der entsprechenden Musik gehört.
Der Durchbruch für die rechte Rockmusik in der Bundesrepublik kam in den 1980er Jahren über die sich aus der Punkszene herausspaltenden Skinheads und ihre Bands wie die Böhsen Onkelz oder Body Checks. Ein wichtiger Impuls kam dabei aus Großbritannien. Ian Stuart Donaldson, Sänger der 1976 gegründeten Punkformation Skrewdriver reformierte seine zwischenzeitlich aufgelöste Band im Jahr 1981 und gab ihr ein neues Image. Fortan spielte er Skinhead-Musik mit offen rassistischen, nationalistischen Texten und näherte sich britischen rechtsextremen Organisationen an. 1987 gründete Donaldson Blood & Honour als internationales Netzwerk zur Verbreitung der Musik.
In einem Forschungsprojekt[2] hat die Emil Julius Gumbel Forschungsstelle am Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam die Geschichte des Rechtsrocks im Bundesland Brandenburg rekonstruiert. Der regionale Fokus erlaubte es uns, die Entwicklungen kleinteiliger als in einer bundesweit angelegten Studie zu untersuchen. Wir konnten uns dabei auf Sekundärquellen wie Presseberichte, Akten und graue Literatur stützen. Als besonders gewinnbringend erwies sich allerdings die Auswertung der erstaunlich umfangreichen Primärquellen – Tonträger, Booklets, Songtexte und selbstproduzierte „Fanzines“. Anhand dieser Quellen wurde so erstmals eine systematische Geschichte des Rechtsrocks auf regionaler Ebene erarbeitet.

 

Hammerschlag: Rechtsrock in der DDR
In der DDR hatte sich ab den frühen 1980er Jahren ein jugendlicher Neonazismus herausgebildet, der – etwas zeitversetzt aber prinzipiell ähnlich zur Entwicklung in der Bundesrepublik – aus der Punkszene entstanden war, dieser nun jedoch feindlich gegenübertrat und vor allem als Skinheadkultur erschien. Während in der Literatur davon ausgegangen wird, dass es in der DDR bis in ihre unmittelbare Endphase hinein keine Rechtsrock-Bands gegeben hat, existierten vereinzelt durchaus solche Gruppen. Aus Frankfurt (Oder) ist etwa die Geschichte einer Band überliefert die zwischen 1985 und 1986 aktiv war. Ein junger Skinhead, zuvor der Heavy-Metal- und dann der Punkszene verbunden, mietete im Sommer 1985 eine Wohnung an, die bald als Proberaum für die Skinhead-Band fungierte, die er gründete und die den Namen Hammerschlag erhielt. Bald etablierten sich regelmäßige Bandproben, die laut MfS-Akten an fast jedem Wochenende stattfanden. Diese Proben wurden von anderen Skinheads besucht und waren regelrechte Szenepartys. Bei späteren Durchsuchungen werden Kassetten mit Alben von westdeutschen Bands wie Kraft durch Froide und Böhse Onkelz beschlagnahmt. Noch 1985 berichtete ein IM von der „Nazi-Punk-Musikgruppe“ Hammerschlag. Ein regelmäßiger Probenraumgast wurde daraufhin vom MfS angeworben. Im Juli 1986 erfolgten Festnahmen und Wohnungsdurchsuchungen, bei denen unter anderem NS-Devotionalien und Skinhead-Bekleidung beschlagnahmt wurden. Gegen den Bandgründer sowie gegen den Texter wurden schließlich Haftstrafen in Höhe von 20 und fünf Monaten verhängt.

Die neonazistische Jugendszene in der DDR war Vorläufer der boomenden rechten Skinheadkultur ab 1990 und diente vielen Protagonist*innen als Inspiration. Ein weiterhin aktiver Potsdamer Rechtsrock-Musiker schilderte, wie seine biographische Annäherung an den Neonazismus nicht erst in den 1990er Jahren begann, sondern bereits in der DDR:

„(...) 1987 (ich war 13) im Sommer, ich und ein Paar Freunde waren auf dem Weg nach Hause und wir liefen an einer Kneipe vorbei, plötzlich flogen Flaschen und Stühle durch die Gegend und eine üble Schlägerei ging ab. Das war der Moment an dem ich zum ersten mal Skinheads sah, innerhalb von 5 min. war die Kneipe und alle die darin waren zerstört und die Skins waren wieder weg. 1989 lernte ich dann Skinheads persönlich kennen und ich war von Anfang an von ihrer Weltanschauung beeindruckt. Es war als ob mir jemand die Augen geöffnet hatte.“[3]

 

Eine zufällige Begegnung konfrontierte den späteren Neonazi mit der Aura der Gewalt und männlichen Durchsetzungsstärke der Skinheads – sein initiales Interesse war also nicht primär politisch. Die frühen Akteur*innen faszinierten ihn schlichtweg. Ihre Ideologie lernte er erst in einem zweiten Schritt kennen und war dann gewillt, sich „die Augen öffnen“ zu lassen.

 


Ab 1990: Rechtsrock und Milieubildung

Die Skinheads waren im Brandenburg der 1990er Jahren eine alltagspräsente und prägende Jugendkultur: spontan, ideologisch, manchmal diffus und durch die Ästhetisierung und Ausübung von Gewalt und Männlichkeit gekennzeichnet. Gerade der Blick auf die Primärquellen offenbart aber auch, dass es ein Fehler wäre, zu schließen, dass der Rechtsrock ein unstrukturiertes Phänomen gewesen wäre, in dem eine prekäre rassistische Jugend temporär, ziellos und letztlich folgenlos einen gewaltsamen Protest artikulierte. Es sind Akteur*innen auszumachen, die jeweils einer eigenen Agenda folgten, dies mit Hingabe betrieben und von denen mittelbar Einfluss auf die Gesellschaft generiert wurde. Rechtsrock und die dazu gehörenden Organisationen, Netzwerke und Freundeskreise war mitentscheidend für die Milieubildung im rechtsextremen Lager in Brandenburg.
Rechtsrock hat dabei zwei Dimensionen, die jeweils auf eine Wirkungsrichtung nach außen und nach innen hinweisen. Zum einen gibt es eine jugendkulturelle Dimension. Die Musik, die Bands und ihre Stars, die damit verknüpfte Mode waren popkulturelle Fixpunkte für Jugendkulturen wie die Skinheads. Sie fungierten somit auch als Werbeträger nach außen in Richtung interessierter Jugendlicher. Zum anderen war und ist der Rechtsrock eine Bewegungskultur, die Teil des Rechtextremismus ist. Mit seiner kulturellen Produktion ist er Teil des Rechtextremismus und wirkt nach innen als eine identitätsstiftende Selbstverständigungsinstanz.

Großkonzerte als Kristallisationspunkte

Im Juli 1991 fand auf der Freilichtbühne auf dem Marienberg in Brandenburg an der Havel das erste Großkonzert mit internationalen Neonazi-Stars in Ostdeutschland statt. Neben westdeutschen Bands traten vor rund 600 Neonazis auch Dirlewanger aus Schweden und No Remorse aus Großbritannien auf. Motto des Konzertes: „Rock against Communism“, abgekürzt RAC. Dieser Slogan stammte aus dem britischen Neonazismus – eine Umkehrung des antirassistischen Slogans Rock against Racism. Ein knappes Jahr später, im Mai 1992 folgte am gleichen Veranstaltungsort ein weiteres Konzert unter diesem Motto. Die Dimension des Vorjahres wurde deutlich übertroffen. Rund 1400 Neonazis kamen. Die Polizei schritt trotz zahlreicher Gesetzesverstöße nicht ein. Beim Radikahl-Song „Hakenkreuz“ erreichte die Stimmung ihren „Höchststand“ berichtete ein Fanzine später. Dirlewanger, im Vorjahr Publikumsliebling, enttäuschten hingegen viele Gäste. Die langen Haare eines schwedischen Musikers wurden als Provokation empfunden, Gegenstände wurden auf die Bühne geworfen.
Bis heute ist „das Brandenburg-Konzert“ im Rechtsrock Legenden umwoben. Es war ein Schlüsselereignis, über dessen Bedeutung über die beteiligte Szenegeneration hinaus Einigkeit besteht. Die Aura von Macht und Gewalt, die von den versammelten Neonazis ausging und die sogar gegen polizeiliches Eingreifen zu immunisieren schien, entwickelte bei diesem bis dato wohl größten Neonazikonzert in der Bundesrepublik eine immense jugendkulturelle Strahlkraft. Die auswärtigen Rechtsrock-Stars brachten auch ihre Ideologie mit – No Remorse stand für die terroristischen Konzepte von Combat 18, dem damals gerade gegründeten bewaffneten Arm von Blood & Honour. Propagiert wurde bei den Konzerten nicht allein ein diffuser Nationalismus und dumpfer Rassismus, sondern eine nationalsozialistische Ideologie, die Offenheit für eine internationale Kooperation rassistischer Weißer beinhaltete und im Kern ausgestattet war mit terroristischen Ideen.

Mit Events wie dem RAC-Konzert 1992 wurde die Anziehungskraft des Rechtsrocks deutlich. Das südbrandenburgische Cottbus war einer der Orte, in dem die Szene rasant anwuchs, in dem Politik und Jugendkultur amalgamierten und sich gewalttätig entluden. In Cottbus begann auch ein musikalischer Emanzipationsprozess – ostdeutsche Fans griffen selbst zu den Instrumenten und aus manchen wurden selbst Rechtsrockstars.

Jung, stolz und stark

In Cottbus entstand 1992 mit Frontalkraft eine der heute bundesweit bedeutendsten und mittlerweile dienstältesten Neonazi-Bands. Das jugendkulturelle Lebensgefühl und ihre Wahrnehmung der sich transformierenden Gesellschaft wurden in den handwerklich schlichten Songs ausgedrückt: sie besangen eine stolze Jugend, die sich vom Alten befreien werde. Auf der 1995 erschienenen Demokassette der Band ist zu hören: „1992 kam unsere Zeit, eine Band zu gründen, dazu waren wir bereit. Alle Deutschen müssen tun, was der Staat auch sagt. Keine Angst, keine Angst, jetzt kommt der Befreiungsschlag. Oi! Wir sind jung, stolz und stark und wir scheißen auf den ganzen roten Quark!“[4]

Der Sänger und Hauptprotagonist war Mitglied der Deutschen Alternative, jener Neonazikleinpartei, die bis zu ihrem Verbot in Cottbus die drittmitgliederstärkste Partei in der Stadt war.

Auch in Cottbus wurden Konzerte wesentliche Punkte für die Konstituierung und Verdichtung der lokalen Szene als Teil des Rechtsrocks und des politischen Neonazismus. Die gesellschaftliche Idee, die der Rechtsrock transportierte, erfuhr im Konzert eine eigene Vision: Das Recht des starken Mannes, der Einsatz für einen neuen Nationalsozialismus.

Messerstiche vor der Wiedervereinigungsparty

Im September 1991 tobten im 40 Kilometer von Cottbus entfernten Hoyerswerda die rassistischen Krawalle am dortigen Flüchtlingsheim. Während dieser Tage wurde zu einem weiteren Großkonzert in einem Dorf bei Cottbus eingeladen. Auftreten sollte Skrewdriver, die Band des britischen Blood-&-Honour-Gründers Ian Stuart Donaldson. Als Datum wählte die einladende Deutsche Alternative den 3. Oktober 1991, den ersten Jahrestag der deutschen Einheit. Schon der Vorabend endete für einen langhaarigen 20-jährigen Cottbuser fast tödlich. Ihm wurden in der Innenstadt lebensgefährliche Messerstiche in den Rücken versetzt. Als gesichert darf gelten, dass ein britischer Neonazi für die Attacke verantwortlich war. In einer ersten Vernehmung gaben die Neonazis an, ihr Opfer „für einen linken Intellektuellen“ gehalten zu haben. Es handelte sich bei den sechs Inhaftierten um einige Skrewdriver-Musiker, weitere Briten und einen Deutschen.

Am Wiedervereinigungskonzert nahmen etwa 1000 Neonazis teil. Donaldson spielte einige Skrewdriver-Lieder mit Musikern von Störkraft als Ersatz für die inhaftierten Bandmitglieder. In Szenepublikationen wird kolportiert, dass nach dem Konzert von Donaldson angestachelt 300 Skinheads die Cottbuser Polizeiwache attackierten, um die Verhafteten freizupressen. Die Presse vermeldete, dass die Neonazis nach dem Konzert versucht hätten, zwei Flüchtlingsheime in Cottbus anzugreifen. In zeitgenössischen Presseberichten zeigte sich der Landrat hingegen zufrieden, dass es rund um das Konzert „keine Ausschreitungen gegeben“ habe. Bandleader Donaldson reiste zurück nach Großbritannien und nahm ein bis heute verbreitetes Benefizalbum für die Verhafteten „Cottbus Six“ auf, auf dem die mutmaßlichen Messerstecher zu Helden stilisiert wurden. Die Inhaftierten wurden nach Zahlung einer Kaution bereits im November freigelassen, die Verfahren später ergebnislos eingestellt.

Aspekte des Rechtsrocks in den 1980er und frühen 1990er Jahren
Die hier grob skizzierten Ereignisse aus der frühen Phase des brandenburgischen Rechtsrock enthalten Verweise auf mehrere Aspekte des Rechtsextremismus und seinen jugend- und popkulturellen Flügel zu dieser Zeit: Es gibt eine Vorgeschichte des ostdeutschen Rechtsrock, die in die DDR-Zeit hineinreicht. Auch in den 1980er Jahren handelte es ich um eine grenzüberschreitende internationale Kultur, die in den entsprechenden Jugendmilieus in der DDR rezipiert und unter den Bedingungen der DDR gelebt wurde.
In den beiden Jahren unmittelbar nach der Wiedervereinigung stießen in Brandenburg die bereits formierten Rechtsrock-Akteur*innen (Bands, Netzwerke) aus Westdeutschland und aus anderen westlichen Ländern auf ein jugendliches Publikum, das genau nach dieser Popkultur verlangte.
Bis heute nachwirkende Ereignisse wie die Großkonzerte in Brandenburg an der Havel und in Cottbus waren geeignete Angebote, um den Boom des Rechtsrocks auszunutzen und weiter zu befeuern.
Bei den Konzerten trafen die Gewaltbereitschaft und der Nationalismus und Rassismus des ostdeutschen Publikums auf weiter ideologisierte Akteur*innen, die Symbole des Nationalsozialismus nicht „nur“ zur Provokation nutzten, sondern damit politische Ziele verbanden.
Terroristische Strategien, die spätestens im Rahmen der NSU-Anschläge und der NSU-Morde umgesetzt wurden, sind im Rahmen dieser Konzerte bereits zu dieser Zeit nach Deutschland gebracht worden (Combat 18). Die politische Gewalt des Neonazismus wurde im Rahmen des Rechtsrocks legitimiert und veralltäglicht und stand oft – wie im Spätsommer 1991 in Hoyerswerda und Cottbus – in Verbindung zum Rechtsrock.
Die Konzerte waren Ereignisse, die ostdeutsche Akteur*innen inspirierten, selbst musikalisch aktiv zu werden.
Die musikalischen Ereignisse standen zudem in Zusammenhang mit politischen Organisationen (Deutsche Alternative). Viele der damaligen Akteur*innen wurden später tragende Figuren in politischen Organisationen.

Weitere kulturgeschichtliche Forschungsthemen

Viele der Entwicklungen im rechtsextremen Lager sind nicht nur über die politisch-funktionalen, sondern auch über die kulturellen Handlungen der Akteur*innen und ihres jeweiligen Umfeldes erklärbar. Dieser Befund ist vermutlich bei Weitem nicht auf den Rechtsrock oder den Zeitraum seit den 1980er Jahren begrenzt. Weitere mögliche Forschungsthemen sind vorstellbar: Studien zur Rolle der Musik vor dem Rechtsrock (Soldatenlieder, Märsche, Chöre, Singegruppen), der weltkriegs-nostalgischen Literatur (etwa die Landser-Romanhefte, ab 1957), der Bedeutung von völkischen Jugendgruppen (etwa Freibund/BHJ, Wiking Jugend, Heimattreue Deutsche Jugend) oder kulturpolitische und kulturelle Veranstaltungen wie den Treffen der Gesellschaft für Freie Publizistik, den Hetendorfer Tagungswochen oder den Lippoldsberger Dichtertagen fehlen bisher ebenso wie Untersuchungen zum Wirken von Kulturschaffenden wie Gerd Knabe mit seinem Kabarett Zeitberichter.


 

[1] Peter Dudek, Hans-Gerd Jaschke, Entstehung und Entwicklung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik. Zur Tradition einer besonderen politischen Kultur, 2 Bde., Opladen 1984. Hervorhebung durch den Autor.
[2] Gideon Botsch, Jan Raabe, Christoph Schulze (Hg.), Rechtsrock. Aufstieg und Wandel neonazistischer Jugendkultur am Beispiel Brandenburgs, Berlin 2019.
[3] Interview mit Uwe von Proissenheads, in: The Aryan Law & Order 1 (2000), S. 32-33.
[4] Frontalkraft (1995): „Frontalkraft“, auf: Demo 95, Cass (Re-Release als CD 2010, Rebel Records).